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Veranstaltungen und Vergnügen – nach wie vor kein Thema?

Trotz der wirtschaftlichen, sozialen und psychologischen Bedeutung von Veranstaltungen und Vergnügen, wagt es fast 2 Monate nach Beginn der Krise – und zahlreicher implementierter Vorsichtsmaßnahmen – kaum jemand, laut über die baldige Möglichkeit von Veranstaltungen und somit auch wieder gemeinsamem Vergnügen zu sprechen.

Updates vom 24.04.2020: die kritischen Zahlen konnten nach unten korrigiert werden, Anmerkungen zu den Zahlen wurden ergänzt.

Trotz der wirtschaftlichen, sozialen und psychologischen Bedeutung von Veranstaltungen und Vergnügen, wagt es fast 2 Monate nach Beginn der Krise – und zahlreicher implementierter Vorsichtsmaßnahmen – kaum jemand, laut über die baldige Möglichkeit von Veranstaltungen und somit auch wieder gemeinsamem Vergnügen zu sprechen.

Selbst Veranstalter, Theaterbetreiber, Clubs etc. verhalten sich ruhig und in Diskussionen geht es hauptsächlich um Hilfszahlungen. Schließlich unterliegen Veranstaltungen sowie generell Menschenansammlungen in der Coronakrise undifferenziert dem Generalverdacht, „Virenschleudern“ zu sein.

Der österreichische Vizekanzler Kogler sprach diesbezüglich davon, dass man nicht lauter kleine Ischgls wolle. Diese Aussage war nicht nur seitens eines Verteters einer eigentlich liberalen und kulturaffinen Partei erstaunlich, sondern der Vergleich ist auch unredlich und reiht sich ein in die etwas abnehmende, aber nach wie vor vorhandene politische Panikmache.

Denn wegen einer Bar mit einem infizierten Kellner zu einer Zeit, wo es in Österreich noch so gut wie keinerlei Vorkehrungsmaßnahmen und Aufmerksamkeit in der Bevölkerung gab, kann man nicht nach wie vor alle Bars und Veranstaltungen unter Generalverdacht stellen und als „No Go“ brandmarken. Und schon gar nicht einen Ort als Synonym des Untergangs anschwärzen, weshalb sich auch der Tiroler Landeshauptmann zurecht über diesen unpassenden und angstmachenden Vergleich geärgert hat.

In der aktuellen Diskussion scheinen trotz mittlerweile zahlreicher und wirksamer Vorsichtsmaßnahmen nur „harmlose“, sehr risikolose Lockerungen denkbar. Sowohl unter Politikern als auch in einem großen Teil der Bevölkerung. So werden momentan bspw. in Östereich nur die sehr vorsichtige Öffnung von Geschäften, Schulen, Museen und Kirchen thematisiert. Dass wir in der schönsten und langersehnten Zeit des Frühjahrs und Sommers auf jegliches gemeinsame Vergnügen (außerhalb der Familie, die nicht jeder in der Nähe hat) – und womöglich sogar den Urlaub (außer Landes) – verzichten müssen, scheint so gut wie hingenommen.

Gesundheit ist ein wichtiges Gut, doch in einer Demokratie – und einer liberalen, modernen, nicht prüden Gesellschaft – sollte man nach verständlichen Krisenmaßnahmen und damit einhergehenden Freiheitseinschränkungen auch möglichst rasch wieder anfangen darüber zu reden, welche Freiheiten man – ggf. unter freiwilliger Inkaufnahme eines gewissen Risikos – zurückhaben möchte.

Wenn man sich Politiker wieder als Diener des Volkes vorstellt (nach einer Phase der heldenhaften Anführerschaft in einer Krise, welche natürlich auch sinnvoll und beruhigend sein kann, sofern sie vorübergehend ist), so könnte man sich den nunmehr eventuell langsam in einer Demokratie wieder nötigen Sinneswandel anhand einer einfachen Forderung sinnbildlich so vorstellen:

„Liebe Politiker/-innen! Vielen Dank, dass ihr uns in dieser schwierigen Krise durch rasches und entschlossenes Handeln vor dem Schlimmsten geschützt habt. Nun, da die Zahlen aber keinen Grund zur Panik mehr geben, würden wir uns Folgendes zurück wünschen: … Bitte schützt uns auch weiterhin durch jene Maßnahmen, die wirklich nötig und wirksam sind und unter bestmöglicher Wahrung unserer Freiheiten und Bürgerrechte! Danke.“

Schaut man sich die aktuellen Zahlen nachgewiesener „Corona-Infizierter“ in Österreich und Deutschland an, so kommt man auf beruhigend geringe Werte (siehe weiter unten). Als Beispiel für eine Stadt, in der Kultur eine wichtige Rolle spielt (sowohl für den Wohlstand der Bürger, als auch wirtschaftlich für den Tourismus, Arbeitsplätze, etc.), sei Wien hergenommen.

Der Umgang mit den Zahlen seitens der Ministerien bzw. datenliefernder Institute ist jedoch verwirrend, um nicht zu sagen irreführend. Wirft man beispielsweise einen Blick auf die prominenteste Zahlendarstellung des österreichischen Sozial- und Gesundheitsministeriums (auf welche man bei Recherchen natürlich auch via Google rasch stößt), meint man auf den ersten Blick, bei den „bestätigten Fällen“ ginge es um aktuelle Fälle:

"Corona-Zahlen" auf der Website des österreichischen Sozial- und Gesundheitsministeriums (Screenshot vom 24.04.2020)
„Corona-Zahlen“ auf der Website des österreichischen Sozial- und Gesundheitsministeriums (Screenshot vom 24.04.2020)

Prüft man jedoch etwas genauer, in dem man auf das unscheinbar oberhalb der Tabelle verlinkte „Dashboard zu COVID-19“ klickt (was viele wahrscheinlich nicht machen werden) und im „Dashboard“ wiederum oben auf „Epidemiologische Daten“, sieht man plötzlich bei einer Zahlengröße den Hinweis „Jemals positiv Getestete“ (dass die dortige Zahl nicht mit der Zahl in der Tabelle übereinstimmt, trägt weiters zur Verwirrung bei, liegt aber wahrscheinlich an unterschiedlichen Aktualisierungsintervallen):

Screenshot "Amtliches Dashboard COVID-19" vom 24.04.2020
Screenshot „Amtliches Dashboard COVID-19“ vom 24.04.2020

Sowohl in der Tabelle als auch im „Dashboard“ wäre es also für Verständnis und Interpretation sinnvoll, z.B. „seit Datum XY“ zu ergänzen (also z.B. „Positiv Getestete seit Datum XY„).

Auf orf.at bei den statistischen Zahlen zum Coronavirus wird ebensowenig klar zwischen aktuellen und gesamten, kumulierten Zahlen unterschieden. Bei den nach Klick auf ein Land angezeigten Daten scheint es sich nämlich einerseits um aktuelle Krankenzahlen zu handeln, andererseits um kumulierte Gesamtdaten. Auch hier könnte man also zugunsten des richtigen Verständnisses „Aktuelle Kranke“ (ggf. „Aktuell geschätzte Kranke“) und „Tote seit Datum XY“ etc. ergänzen:

Interaktive Karte auf orf.at zur weltweiten Ausbreitung des Coronavirus (Screenshot vom 24.04.2020)
Interaktive Karte auf orf.at zur weltweiten Ausbreitung des Coronavirus (Screenshot vom 24.04.2020)

Beim „Dashboard“ des Robert Koch-Instituts mit den COVID-19 Zahlen für Deutschland sieht es nicht weniger verwirrend aus. Auch dort ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich, ob es sich denn nun um „COVID-19 Fälle“ gesamt seit Ausbruch der Epidemie bzw. Beginn der Testungen handelt (also inklusive bereits wieder Genesener und nicht mehr Ansteckender) oder um aktuelle, potentiell ansteckende Fallzahlen:

Screenshot "COVID-19-Dashboard" des Robert Koch-Instituts vom 24.04.2020
Screenshot „COVID-19-Dashboard“ des Robert Koch-Instituts vom 24.04.2020

Eine gute (hoffentlich korrekte) Richtschnur in diesem Zahlenwirrwarr bot der angesehene und bekanntlich sehr kritisch prüfende ORF-Journalist Armin Wolf in der ZIB 2 vom 22.04.2020 (noch bis ca. 29.04.2020 online verfügbar). Seit einiger Zeit stellt der ORF in den präsentierten Grafiken klar, dass die „positiv getesteten Personen“ auch bereits wieder „Genesene“ beinhalten. Und bezüglich der „derzeit Kranken“ sprach er von „aktiven Infektionen“:

Screenshot ZIB 2 vom 22.4.2020
Armin Wolf erklärte begleitend zur Grafik: „In Österreich sind nach mehr als 200.000 Corona-Tests nur mehr gut 3.000 aktive Infektionen bekannt, 8% weniger als gestern.“ (ORF „ZIB 2“ vom 22.04.2020)

Die verschiedenen Zahlen scheinen aber selbst in ein und demselben Dashboard nicht immer genau zu korrelieren. Denn zieht man beispielsweise im österreichischen „Dashboard“ von der Zahl der „Jemals positiv Getesteten“ von 15.011 (siehe Screenshot vom „Dashboard“ weiter oben) die Zahl der Genesenen von 11.872 und Todesfälle von 511 ab (siehe nachfolgenden Screenshot desselben österreichischen „Dashboards“), kommt man trotzdem nicht genau, sondern mit einem Wert von 2.628 nur annähernd auf die im „Dashboard“ genannte Zahl der „Aktuell Erkrankten“ von 2.669 (siehe Screenshot vom „Dashboard“ weiter oben):

Screenshot "Amtliches Dashboard COVID-19" vom 24.04.2020 ("Genesene und Todesfälle")
Screenshot „Amtliches Dashboard COVID-19“ vom 24.04.2020 („Genesene und Todesfälle“)

In der oben erwähnten interaktiven Karten-Grafik des ORF hingegen stimmt die Differenz wiederum.

Während der ORF zuletzt neben den Genesenen und Todesfällen primär die „Kranken“ referenzierte, seien nachfolgend die „Infizierten“ als Differenz von positiv Getesteten, Genesenen und Todesfällen für die Betrachtung herangezogen. Eine Unterscheidung von „Kranken“ und „Infizierten“ macht Sinn, da nicht jeder Infizierte (merklich) erkrankt bzw. (gleich) Symptome aufweist, aber dennoch (eine Zeit lang) ansteckend sein kann. Da nicht alle Kranken und Infizierten erfasst werden, handelt es sich jedoch in beiden Fällen um geschätzte Mindest-Zahlen.

In Wien gibt es bislang insgesamt 2.290 positiv auf den Coronavirus Getestete, davon sind bislang insgesamt 1.716 wieder genesen und bislang insgesamt 106 verstorben. Somit beläuft sich die geschätzte Mindest-Zahl der aktuell Infizierten (und teilweise potentiell Ansteckenden) in Wien auf ca. 468 und somit ca. 0,025% (Quellen: sozialministerium.at, Stand 24.4.2020, und eigene Berechnung).

In Österreich gibt es bislang insgesamt 14.987 positiv auf den Coronavirus Getestete, davon sind bislang insgesamt 11.872 wieder genesen und bislang insgesamt 530 verstorben. Somit beläuft sich die geschätzte Mindest-Zahl der aktuell Infizierten (und teilweise potentiell Ansteckenden) in Österreich auf ca. 2.585 und somit ca. 0,029% (Quellen: sozialministerium.at, Stand 24.4.2020, und eigene Berechnung).

In Deutschland sind es bislang insgesamt 150.383 positiv auf den Coronavirus Getestete, davon sind bislang insgesamt 106.800 wieder genesen und bislang insgesamt 5.321 verstorben. Somit beläuft sich die geschätzte Mindest-Zahl der aktuell Infizierten (und teilweise potentiell Ansteckenden) in Deutschland auf ca. 38.262 und somit ca. 0,046% (Quellen: orf.at > Interaktive Karte „Weltweite Ausbreitung“ und https://corona.rki.de, Stand 24.4.2020, und eigene Berechnung).

Nun weisen Politiker und Experten natürlich zurecht auf die „Dunkelziffer“ hin, weil es viele Infektions- und Krankheitsfälle geben wird, die nicht getestet oder gemeldet worden sind. In Österreich gab es deshalb Anfang April einen Versuch, diese „Dunkelziffer“ mit wissenschaftlichen Methoden statistisch zu erleuchten. Die Stichprobe war jedoch relativ gering, weshalb sich eine relativ große Schwankungsbreite bezüglich der wahrscheinlichen, statistisch geschätzten Zahl der Infizierten ergab (vgl. hierzu z.B. diesen oder diesen Artikel). Die grobe Schätzung ergab mögliche, wahrscheinliche Werte von 10.000 bis hin zu 67.000.

Die geschätzte Bandbreite begann also knapp über den damals bereits positiv getesteten ca. 8.500 Personen (vgl. diesen Artikel) und reichte bis zu einem fast 8-mal höheren Wert. Von den Statistikern als am wahrscheinlichsten wurde ein Wert von ca. 28.500 Infizierten (bzw. „aktiv kranken“ Virusträgern und damit auch potenziellen Virusüberträgern) angenommen (vgl. hierzu z.B. diesen oder diesen Artikel). Die Schätzung war aufgrund der relativ kleinen Stichprobe also sehr ungenau, aber wenn man den statistisch wahrscheinlichsten Wert von 28.500 den 8.500 damals tatsächlich positiv Getesteten gegenüberstellt, kommt man auf einen ca. 3,4 x höheren Wert bei der „Dunkelziffer“.

Da diese „Dunkelziffer“ nicht außer Acht gelassen werden sollte, sei nachfolgend neben der Zahl der aktuell geschätzen Infizierten auch die Zahl der möglicherweise Infizierten betrachtet. Und zwar mit einem angenommenen Multiplikator von 5x. Da der „Worst Case“ wegen der erwähnten statistischen Ungenauigkeiten schwer einzuschätzen ist, sei von einem „Worse Case“ die Rede. Eine 5-fach höhere Zahl der möglicherweise unwissentlich bzw. ungemeldet Infizierten (und potenziell Ansteckenden) scheint ein guter, sogar relativ „strenger“, pessimistischer Multiplikator zur Ermittlung einer möglichen „Dunkelziffer“ bzw. eines „Worse Case“ Szenarios.

Laut den offziell ermittelten Zahlen wäre also bspw. in Wien jeder 4.053ste Mensch, dem man begegnet, ein Infizierter und eine mögliche (aber nicht sichere!) Infektionsquelle. Im angenommenen „Worse Case“ läge die Wahrscheinlichkeit bei jedem 811. Menschen.

Österreichweit betrachtet wäre statistisch gesehen momentan jede 3.427ste Begegnung eine mit einem bzw. einer Inifizierten („Worse Case“: jede 685. Begegnung). In Deutschland würde jeder 2.170ste Mitmensch ein Ansteckungsrisiko mit sich bringen (bzw. im „worse case“ jeder 434.).

Anteil der geschätzten aktuell mit COVID-19 Infizierten (Stand 24.4.2020) und darauf basierend "Worse Case" Schätzung © diedenker.org
Anteil der geschätzten aktuell mit COVID-19 Infizierten (Stand 24.4.2020) und darauf basierend „Worse Case“ Schätzung © diedenker.org

Diese Zahlen bedeuten aber nicht, dass man jedem xten Menschen mit Argwohn und Skepsis begegnen muss! Der Coronavirus scheint zwar gefährlicher und ansteckender als der Grippevirus zu sein (Experten als auch Bekannte berichten von tagelang hohem Fieber, Schweißausbrüchen, großer Schwäche, manchmal Lungenentzündung und bekanntlich auch Aufenthalten auf der Intensivstation bis hin zum Tod), jedoch deuten Statistiken und Experten mittlerweile auch darauf hin, dass die sehr schweren Verläufe und Todesfälle hauptsächlich sehr alte Menschen oder sonstige Angehörige einer „Risikogruppe“ betreffen).

Bei vielen geht die Viruserkrankung aber zum Glück unbeschadet oder sogar unbemerkt vorüber – und auch bei Grippewellen kommt es regelmäßig leider zu sehr vielen Toten (in Österreich bspw. war die Zahl der Grippetoten in den letzten Jahren deutlich höher als jene der bisherigen „Coronatoten“, gleichzeitig haben die Menschen bekanntlich in Grippezeiten kaum Vorsicht geübt und sich auch kaum impfen lassen, während jetzt beim Coronavirus mittlerweile eine sehr große freiwillige sowie verordnete Vorsicht herrscht).

Es gibt auch Expertenmeinungen, die eine höhere Zahl von Infizierten bzw. folglich (erhofften) Immunen für nicht unpraktisch halten. Und der Hausverstand sagt einem außerdem, dass allzuviel Abstand und Hygiene letztlich dem eigenen Immunsystem schaden könnte (es gibt hierzu natürlich auch wissenschaftliche Vergleiche, bspw. zur Widerstandskraft bzw. Allergien bei Bauernkindern im Vergleich zu Stadtkindern u.ä.).

Einig scheinen sich sowohl Politiker als auch die Bevölkerung derzeit darin, dass man eine „explosionsartige“ Erhöhung der Krankheitszahlen (und Erregerverbreitung) verhindern möchte (die Anhänger des „schwedischen Modells“ und einer quasi weitgehend „natürlichen“ Regulierung der Krankheitswelle scheinen eher in der Minderheit zu sein).

Bei allem Verständnis also für individuelle und kollektive, staatliche Vorsicht kann bzw. könnte man sich (und anderen) aber dennoch auch im Freizeit- und Kulturbereich die Frage stellen, wie groß das Risiko ist und ob wir angesichts der damit einhergenden Verbote nicht etwas mehr Risiko in Kauf nehmen könnten bzw. ob es denn überhaupt ein größeres Risiko gibt.

Nimmt man die bereits genannten Schätzwerte von tatsächlich und potenziell Infizierten her und wendet diese auf Kulturinstitutionen an, kann bzw. könnte man für sich selbst (oder auch politische Entscheidungen) Schlüsse auf das individuelle bzw. kollektive Risiko ziehen.

Sehen wir uns zwei zufällig gewählte, bekannte Kulturinstitutionen in der „Kulturstadt“ Wien an. Das „Theater in der Josefstadt“ verfügt laut eigenen Angaben über rund 620 Besucherplätze. Wendet man darauf die aktuellen Infiziertenzahlen für Wien an, liegt die Wahrscheinlichkeit, im Theater auf einen „Zombie“ zu treffen, bei fast 0 (0,15 der Besucher wären aktuell geschätzt potentiell infiziert – das Wort „Zombie“ wurde hierbei nicht als Ausdruck von „Verharmlosung“ gewählt, sondern als kleines ironisches Statement gegen vernunftmindernde Panik und eine übertrieben skeptische Einstellung den Mitmenschen – bzw. generell potenziellen „Virenschleudern“ – gegenüber). Im vorhin statistisch angenommenen schlechteren Fall („worse case“) von 5-mal mehr Infizierten, wären aktuell pessimistisch geschätzt 0,76 Theaterbesucher möglicherweise infiziert (was aber noch nicht heißt, dass diese zwingend auch andere anstecken).

Sieht man sich eine Konzert- und Partylocation in Wien an, so käme man bspw. beim weithin bekannten und beliebten „Chelsea“ (laut deren Angaben liegt das Fassungsvermögen bei 400 bzw. 250 Besuchern) ebenfalls auf fast 0 „Zombies“ (bzw. 0,10 bei Parties und 0,06 bei Konzerten), im pessimistischeren „worse case“ Fall auf 0,49 (Parties) bzw. 0,31 (Konzerte).

Beispielschätzungen anhand zufällig ausgewählter bekannter Veranstaltungsorte in Wien © diedenker.org
Beispielschätzungen anhand zufällig ausgewählter bekannter Veranstaltungsorte in Wien © diedenker.org

Welche Schlüsse man daraus zieht, hängt natürlich wiederum von der eigenen bzw. kollektiven Risikobereitschaft bzw. auch dem eigenen Optimismus oder Pessimismus ab (angesichts wissenschaftlich noch vieler unklarer Daten und unterschiedlicher Experten- und Politikermeinungen).

Wenn man jedoch bedenkt, welcher Verzicht mit geschlossenen Kultur- und Freizeiteinrichtungen für viele einhergeht (und auch welche Kosten im Sinne von Arbeitsplätzen, verlorenen sinnvollen Aufgaben für Kellner und Künstler, entgangenen Steuereinnahmen bzw. hohen Steuerausgaben für Hilfszahlungen, mangelnden Sozialkontakten für jene ohne Familie und Partner, etc.), könnte man das vorhandene Risiko als überschaubar einschätzen.

Und so könnte man die Zahl an „Zombies“ bzw. das von ihnen ausgehende Risiko bei Veranstaltungen (und dem damit einhergenden Vergnügen) noch weiter senken (obwohl das Risiko bei den mittelgroßen, beispielhaft hergenommenen Kulturlocations aktuell bei annähernd 0 liegt):

  • Eigenverantwortung und Appelle (wie bereits eingeübt: im Krankheitsfall zu Hause bleiben, Hände waschen, nicht anhusten, etc.)

  • Reduzierung von Besucherzahlen (falls überhaupt nötig – die genannten Zahlen sprechen kaum dafür)

  • Temperaturkontrollen bei Eingängen (zur allseitigen Beruhigung sinnvoll, wenngleich die aktuellen Zahlen nicht sehr dafür sprechen)

  • Schutz für und vor Kellner/-innen bzw. sonstigen Angestellten (falls nötig, weil diese in Summe mehr Menschen „ausgesetzt“ sind)

  • Verstärkung von Sicherheitsmaßnahmen oder Schließung, sollten sich die vermuteten unleistbaren „Virenschleudern“ wirklich (und trotz Sicherheitsmaßnahmen) als solche erweisen (und nicht nur basierend auf Mutmaßungen)

  • Risikogruppen (oder jene, die mit ihnen nahen Kontakt haben) könnten vor dem „Risiko“ bei Veranstaltungsbesuchen gewarnt werden (Stichwort Aufkärung und Eigenverantwortung)

  • Neben den bereits vorhandenen Vorsichtsmaßnahmen in der Bevölkerung und abseits von Veranstaltungen (welche die Ausbreitung von Viren schon sehr stark behindern), könnten und sollten Risikogruppen noch besser geschützt werden (wird auch hinsichtlich anderer wichtiger Bereiche wie dem internationalen Tourismus, die man nicht langfristig stilllegen kann, nötig werden) und verstärkt gezielte, „smarte“ Schutzmaßnahmen zum Einsatz kommen

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