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Zum Umgang von Medien und Politikern mit Zahlen und Begriffen in der Coronakrise

Seit Beginn der Krise werden wir, selbst von seriösen Medien, mit Horrorzahlen und -prognosen bombardiert. Das steigert die ohnehin beim Auftreten einer neuen Krankheit vorhandene Panik und steht der Vernunft beim Umgang mit ihr im Wege…

Seit Beginn der Krise werden wir, selbst von seriösen Medien, mit Horrorzahlen und -prognosen bombardiert. Oft wurde und wird ihre Bedrohlichkeit zusätzlich farblich (meist rot) und durch große Balken und Zahlen betont.

Das steigert die ohnehin beim Auftreten einer neuen Krankheit vorhandene Panik und steht der Vernunft beim Umgang mit ihr im Wege. Gerade in panikverursachenden Krisenzeiten wäre es jedoch wichtig, die Vernunft best- und raschestmöglich zurückzuerlangen und, wie man so schön sagt, „einen kühlen Kopf zu bewahren“.

Jeder, der einmal jemanden fachlich beraten oder einem/r Chef/-in zugearbeitet hat, wird wissen, dass bei für größere Entscheidungen meist sehr essentiellen statistischen Zahlen und Daten „Benchmarks“ (Vergleichsmaßstäbe) verlangt werden. Denn auch wenn wissenschaftliche oder sonstige beratende Experten solche Vergleichswerte im Kopf haben mögen, so sind diese Entscheidungsträgern oft nicht intuitiv bekannt. Deshalb sind passende Vergleichswerte extrem wichtig, um möglichst rasch und einfach gute – und verhältnismäßige – Entscheidungen treffen zu können.

In einer Demokratie sollten Entscheidungen nicht nur von den gewählten und repräsentierenden Politikern (unter Berücksichtigung der verfassungsmäßigen Grundrechte), sondern auch vom Volk möglichst gut getroffen, mitgetragen oder ggf. kritisiert und angefechtet werden. Und dafür sind, wie in Unternehmen oder der Wissenschaft üblich, ebenfalls gute „Benchmarks“ und möglichst verlässliche Entscheidungsgrundlagen wichtig.

Wie sehr das Volk mitreden und mitentscheiden kann, hängt vom Grad der direkten Demokratie bzw. generell der demokratischen Entwicklung und Einstellung sowohl des Volkes als auch der Politiker ab. Letztlich ist es aus Bürgersicht aber meist angenehm, wenn man das Gefühl hat, dass Politiker wie Angestellte des Volkes versuchen, den eigenen Interessen bestmöglich zu dienen. Umgekehrt ist es unangenehm, wenn Politiker/-innen scheinbar tun was sie wollen und hierbei die eigenen Interessen oder sogar Grundrechte außer Acht lassen. Umso unangenehmer ist es immer dann, wenn die Missachtung der eigenen Bedürfnisse nicht einmal gut und bemüht begründet und somit schwer nachvollziehbar ist.

Wenn man in der „Coronakrise“ bemüht rücksichtsvolle und dienende Politiker/-innen voraussetzt, so sollte z.B. das Volk sagen können: „Wir wollen diese und jene Freiheit und Rechte gewahrt haben, aber bitte schützt uns trotzdem bestmöglich mit anderen Maßnahmen!“ So würde sich vielleicht auch rascher ein für möglichst alle guter und längerfristig ohnehin nötiger Mittelweg – forciert und erleichtert durch innovative Lösungen (wie sie in seiner Osteransprache sogar der Papst gefordert hat) – finden als wenn, wie momentan in vielen Ländern, recht „diktatorisch“ entschieden wird (immerhin erwachen Verfassungsschützer und politische Oppositionsparteien schön langsam wieder und der Ruf nach offenen Diskussionen und der Berücksichtigung von Experten aus verschiedenen Gebieten – entsprechend einer vielseitigen Gesellschaft – wird lauter).

Verantwortungsvolle, demokratisch gesinnte Politiker sollten vor allem ihren umfassendsten und einschneidendsten Entscheidungen – neben dem Willen des Volkes und unter Berücksichtigung der Grundrechte – möglichst gute, wissenschaftlich fundierte „Kosten/Nutzen-Analysen“ zugrunde legen.

Dabei sollten sowohl bei den Kosten als auch beim Nutzen möglichst viele Bereiche und Interessen berücksichtigt werden, welche für das individuelle als auch das kollektive Wohl (in) einer Gesellschaft wichtig sind. Neben den aktuell dominierenden gesundheitlichen Aspekten sollten selbst in einer „Gesundheitskrise“ andere wichtige Aspekte wie Wirtschaft und Freizeit (bzw. generell Glück und Zufriedenheit) nicht aus den Augen verloren werden. Allein schon deshalb, weil die verschiedenen Aspekte und Faktoren meist zusammenhängen (wirtschaftliche Probleme beeinflussen z.B. das kollektive Wohl eines Landes und genauso auch die individuelle physische und psychische Gesundheit, also das individuelle und kollektive Glück).

Ein Beispiel zur Wirkung und Nützlichkeit unterschiedlicher Zahlendarstellungen

Zur versuchten Veranschaulichung der Wirkung (und Nützlichkeit) von Zahlen (bzw. deren Darstellung und Beschreibung) ein selbstgemachtes Beispiel anhand aktueller Zahlen zu „Corona-Toten“ (ein medial gern verwendeter, jedoch ungenauer Begriff) in den USA.

Bei welchem der zwei nachfolgenden Beispiele der Darstellung und Bezeichnung aktueller statistischer Daten und Zahlen fühlen Sie sich besser informiert und haben das Gefühl, sich darauf basierend ein besseres, vernünftigeres Urteil bilden und besser, „nüchterner“ entscheiden zu können?

US-Coronatote (Panikversion)
Infogram
US-Coronatote (Vernunftversion)
Infogram

Die zweitere, wahrscheinlich „vernunftfördernde“ und für eine persönliche Einschätzung hilfreichere Version kann natürlich trotzdem zu unterschiedlichen Schlüssen führen und kritisch hinterfragt werden. Sie muss also durchwegs nicht nur „Verharmlosern“ in die Hände spielen.

So könnte man fragen, ob der „Worst Case“ denn nicht noch viel schlimmer ausfallen könnte, und daran erinnern, dass die Spitäler und Bestatter in den USA selbst bei der aktuellen Zahl der Erkrankten und Toten schon überfordert sind – und dass diese zu den sonst üblichen Todesfällen – zumindest zu einem gewissen Teil – dazukommen.

Andererseits könnte man darauf basierend bspw. meinen, dass es besser sei, einen gewissen Prozentsatz an zusätzlichen (bzw. rascheren) Todesfällen „zwangsläufig“ in Kauf zu nehmen (angesichts der Kosten und Folgeprobleme strenger Maßnahmen) und auf möglichst zielgerichtete, die Freiheit der Menschen (sowohl in privater als auch wirtschaftlicher Hinsicht) möglichst wenig einschränkende Maßnahmen zu setzen.

Für die Beantwortung genau solcher, schwieriger Fragen wäre es unter Umständen im Sinne individuell und kollektiv guter politischer Entscheidungen hilfreich, die Meinung des Volkes neben jener von Politikern und Experten bestmöglich zu berücksichtigen.

Und diese „Meinung des Volkes“ sollte nicht nur im Rahmen der Beantwortung ausgewählter, harmloser „Bürgerfragen“ – wie in manchen TV-Sendungsformaten oder auf den Social Media Seiten mancher Regierungspolitiker – berücksichtigt werden, sofern man möglichst viele Bürgerinteressen und -meinungen wertschätzen und die „Schwarmintelligenz“ eines Landes bestmöglich nutzen möchte.

14.04.2020

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