DIE DENKER

Resilienz

"Cutters in Pursuit in a Stiff Breeze" von Thomas Buttersworth (1768–1842)Resilienz (übersetzbar mit Widerstandsfähigkeit) scheint derzeit eines der beliebtesten Modewörter rund um die moderne Arbeitswelt zu sein. Es wird gerne dem ebenfalls beliebten Begriff „Burn Out“ gegenübergestellt, womit die Verantwortung an der Überforderung durch die Arbeitsbedingungen wieder stärker von Unternehmen und Staaten auf die Individuen zurückgeschoben wird.

Nun ist es nicht unschwer zu beobachten und zu bemerken, dass die Arbeitsbedingungen und Unsicherheiten seit den Hochblütezeiten der Wohlfahrtsstaaten in vielen Bereichen wirklich nicht besser geworden sind (v.a. junge Menschen verdienen meist weniger, müssen öfters prekäre Arbeitsverhältnisse akzeptieren, haben weniger Jobs zu Verfügung, mehr Unsicherheiten bezüglich ihrer Pensionen, bekommen keine Abfertigungen mehr, müssen mehr Arbeit bewältigen und Überstunden machen, etc.). Und zudem sind die privaten Verhältnisse unsicherer geworden (Rückgang stabiler Beziehungen mit Partnern und durch verstärkte Mobilität teils auch Freunden und Familie, teurere und unsicherere Wohnverhältnisse, politische und soziale Unsicherheit, etc.).

Das braucht und sollte man nicht alles akzeptieren (nicht alles lässt sich individuell bzw. unternehmerisch und ohne Staat „gut“, d.h. in Demokratien zur bestmöglichen Zufriedenheit des herrschenden Volkes, lösen, so wie dies neoliberale Dogmatiker sehen). Dennoch braucht und sollte man nicht nur schwarz sehen, denn natürlich hat sich vieles zum Positiven hin entwickelt und, auch wenn es schwer wissenschaftlich zu eruieren ist, wahrscheinlich kann man aus den heutigen Umständen mindestens genauso viel machen wie aus den Umständen vor 20 oder 30 Jahren – geschweige denn jenen vor noch längeren Zeiten (wer allzusehr vergangenen Zeiten nachtrauert, der erinnere sich z.B. an Zahnarztbesuche vor einigen Jahrzehnten oder frage seine Eltern danach). Man denke z.B. an die durch einfachere Mobilität gegebenen Möglichkeiten (man kann z.B. durch die EU sehr einfach eine Zeit lang in einem anderen Land arbeiten und dadurch neue Menschen, Kulturen und Lebensbedingungen kennenlernen), an günstigere und hochwertigere Reisemöglichkeiten, an teils interessante neue Firmen und Jobs, an hochwertigere und nachhaltigere Lebensmittel und Dienstleistungen, an gestiegene soziale Akzeptanz und neue Möglichkeiten hinsichtlich Partnerwechsel, an moderne Unterhaltungstechnologien (die man nicht nutzen muss!), u.ä.

Es macht deshalb sicherlich nicht nur aus Sicht neoliberaler Dogmatiker Sinn, sich aus der Opferrolle zu nehmen und sich proaktiv und optimistisch an die Bewältigung von negativen Umständen, vor allem aber auch an die Erkenntnis und Nutzung von neuen Möglichkeiten zu machen.

Hier ein paar Punkte, welche die „innere Widerstandskraft“ stärken können (nach Rosmarie Welter-Enderlin / Bruno Hildenbrand (Hrsg.): „Resilienz – Gedeihen trotz widriger Umstände„, Carl-Auer-Verlag, Heidelberg, 4. Auflage 2012):

  • Optimismus
  • Bewältigungsorientierung
  • Verlassen der Opferrolle
  • Akzeptanz
  • Verantwortung
  • aktive Zukunftsplanung
  • Netzwerke
  • Freundschaften

Und hier noch ein paar alte Weisheiten zum Thema:

„Jeder ist seines Glückes Schmied.“

„Hilf dir selbst, so hilft dir Gott.“

“Fordere viel von dir selbst und erwarte wenig von den anderen. So wird dir Ärger erspart bleiben.” (Konfuzius)

Vergleiche: 10 Glücksfaktoren, Google-Ergebnisse zum Thema Resilienz

09.11.2013
Resilienz
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