Robert Menasse über die soziale Bedeutung von Bildung

„Ich bin bedingungslos für funktionierende, freie und frei zugängliche Bildungsinstitutionen, weil das die Voraussetzung einer funktionierenden Demokratie ist. Eine Demokratie setzt den gebildeten Citoyen voraus und wenn der verlorengeht, wird Demokratie gemeingefährlich. [Aber leider ist es“> nicht möglich, die Notwendigkeit von Bildung einer Mehrheit von ungebildeten Menschen begreiflich zu machen. […“> Und das Ministerium konnte sich darauf verlassen, dass Massen-Dropouts auf den Unis bei der Mehrheit bloß sozialdarwinistisches Ressentiment auslösen: Die waren halt nicht fit genug, die sollen das Maul halten, hackeln gehen, und nicht stören. […“> Die Hörsaalbesetzer haben ganz sicher mehr gelernt als die Studieren-statt-blockieren-Studis. […“> Es geht um jeden Einzelnen, der um seine Bildungschancen, um die Herausbildung einer entfalteten Persönlichkeit betrogen wird. [Zur Bildungsministerin Beatrix Karl:“> Wenn sie glaubt, dass sie nichts tun kann, außer jene Sätze zu wiederholen, die ihr von Partei und Wirtschaft diktiert werden, müsste sie aus Selbstachtung zurücktreten, und zwar mit der Empfehlung, den Posten gar nicht erst nachzubesetzen. […“> Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass die politischen und wirtschaftlichen Eliten dieses Landes ernsthaft glauben, dass politisch ahnungslose, ungebildete, aber fachlich gut ausgebildete Menschen ein ruhiges gesellschaftliches Funktionieren gewährleisten. Ein Pilot, der ein Trottel ist, kann immer noch gut fliegen […“> und alle zusammen sind ungebildet besser lenkbar.“ (Robert Menasse, österreichischer Schriftsteller, in einem Interview der Zeitung Der Standard, April 2010)

01.01.2000

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