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Eigennütziger Altruismus?

[img:3nttzlfq“[/img:3nttzlfq“>[b:3nttzlfq“>Zum Phänomen des Altruismus aus biopsychologischer (humanethologischer) Sicht[/b:3nttzlfq“>

„Beispielhaft [für die Beschränkungen der freien Anwendung, z.B. von Wissen, und letztlich des Handelns, sind wegen ihrer Klarheit und Einfachheit die goldene Regel (1) und der kategorische Imperativ (2). Diese Regel und der Imperativ können mit Vorbehalt als kulturelles Pendant zum reziproken Altruismus der Soziobiologie gesehen werden.

(1) z.B. Moses: Liebe deinen nächsten, wie dich selbst. Hillel: Was dir selbst unlieb ist, das füg keinem andern zu. Matthäus (7.12): Alles nun, was ihr wollt, daß es euch die Menschen tun, das sollt auch ihr ihnen tun. Leviticus (19.34): Wie ein Einheimischer aus eurer Mitte gelte euch der Fremdling. Buddha: … nirgends habe ich etwas gefunden, das dem Menschen teurer ist als sein eigenes Ich. Da nun den anderen auch ihr Ich lieb ist, darf, wer sein eigenes Wohl wünscht, keinem anderen ein Leid zufügen. Konfuzius: Sich darauf verstehen, das [einem selbst“> Nahe als Beispiel [für das Verhalten gegenüber anderen“> zu nehmen, das kann als Methode der Menschlichkeit gelten. Der konfuzianistische Song-Kanzler Wang Anshi [1021-1086″> hat vorgeschlagen, die goldene Regel auch in der Außenpolitik anzuwenden.
(2) Kant (1778, z.B. § 7): „Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte.“

… Durch die soziale Grundregel von William Hamilton wird die Evolution von Brutpflege und der von Eibl-Eibesfeldt entdeckte Zusammenhang zur Evolution sozialer Zusammenschlüsse biomathematisch fundiert: Die soziale Grundregel besagt: [b:3nttzlfq“>Der genetische Nutzen (Ausbreitungswahrscheinlichkeit der Gene) einer altruistischen Handlung errechnet sich aus Kosten mal Verwandtschaftsgrad.[/b:3nttzlfq“> Brutpflege konnte nach dieser Regel entstehen. … Soziale Zusammenschlüsse zwischen Adulten unterscheiden sich zunächst von Familien (Eltern und Junge) in einem entscheidenden Punkt: Zwischen adulten Mitgliedern einer Gruppe ist Altruismus im allgemeinen nicht einseitig wie bei der Brutpflege, sondern beruht auf Gegenseitigkeit: Robert Trivers zeigte, dass Altruismus zwischen Adulten nur unter Bedingungen der Reziprozität evolutionsstabil ist und dass sich [b:3nttzlfq“>reziproker Altruismus auch zwischen nicht verwandten Individuen „bezahlt“ machen kann[/b:3nttzlfq“> (eine Übersicht dazu findet sich z.B. in Ridley, 1997; Wickler & Seibt 1991). … Aus dem genetisch „eigennützigen“ Altruismus der Eltern wurde der ähnlich eigennützige reziproke Altruismus innerhalb sozialer Gruppen. Reziprok altruistische Individuen unterscheiden sich von brutpflegenden auch dadurch, daß sie in Abhängigkeit von den Vorerfahrungen wählerisch sind. Es handelt sich also um sogenannte „wählerische Altruisten“: Kooperative Artgenossen werden bevorzugt. … Homo sapiens und andere soziale Primaten werden aber erfahrungsgemäß nicht so theorienkonform durch kurzsichtigen Eigennutz getrieben, wie immer wieder (auf den Grundlagen von Hamilton und Trivers) unterstellt wird: Humanethologen wie Eibl- Eibesfeldt (z.B. 1970, 1997) und Schiefenhövel (z.B. 1992) betonen seit Jahrzehnten, daß Menschen im allgemeinen freundlicher, hilfsbereiter und weniger eigennützig manipulierend sind, als man auf der Grundlage früher soziobiologischer Hypothesen meinen möchte. [b:3nttzlfq“>Individuen sozialer Arten haben in der Gruppe mit wählerischen Altruisten häufig bessere Bedingungen, wenn sie sich nicht zu unmittelbar eigennützig verhalten. Zuviel kurzsichtiger Eigennutz wird nämlich von den Artgenossen als unattraktiv wahrgenommen.[/b:3nttzlfq“>“

Aus: „Biologie und Kultur. Zu den biologischen Bedingungen von Determination und Freiraum in der Kultur“ von Gerhard Medicus, erschienen in „Irenäus Eibl-Eibesfeldt: Zu Person und Werk“ von Ch. Sütterlin und F. Salter (Hrsg), 2001, ISBN 3361345410[/url:3nttzlfq“>, S. 236

Vergleiche:

Neuere wissenschaftliche Meinung zu nicht-reziprokem Altruismus im Tierreich[/url:3nttzlfq“>
Meinung: Egoismus ist nicht unbedingt schlecht[/url:3nttzlfq“>
Die Herkunft des Guten[/url:3nttzlfq“>: „Die moralisch-ethischen Regeln des menschlichen Verhaltens sind nicht alleine aus philosophischem Denken entstanden, sie haben vielmehr biologische Grundlagen“ (Wiener Zeitung am 01.07.11, mit speziellem Fokus auf Patricia Churchland, „eine nicht gläubige amerikanische Philosophin mit ganz außerordentlichen Naturwissenschaftskenntnissen, Mitglied des Salk Instituts, hoch respektierte Diskussionspartnerin der Elite der amerikanischen Neuorophysiologen, wie ehemals auch Francis Crick, der sich von ihr philosophisch beraten ließ … eine wichtige Vermittlerin zwischen Philosophie und Naturwissenschaften“)

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