Philosophische Zitate

Platon und Aristoteles (oben gehend) in "Die Schule von Athen" (Detail) von Raffael (1510-1511)…passend zu den Themen:

Denken allgemein | Wahrheit | Skeptizismus | Nihilismus | Tod | Zeit | Glück | Ich | Konstruktivismus

Zitate zum Denken

Dem Denken sind keine Grenzen gesetzt.
Man kann denken, wohin und soweit man will.
Ernst Jandl

Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.
Immanuel Kant

Denken ist die schwerste Arbeit, die es gibt.
Das ist wahrscheinlich auch der Grund,
dass sich so wenige Leute damit beschäftigen.
Henry Ford

Ein Gott ist der Mensch, wenn er träumt,
ein Bettler, wenn er nachdenkt.
Friedrich Hölderlin

Wissen nennen wir den kleinen Teil der Unwissenheit, den wir geordnet haben.
Ambrose Bierce

Wir wollen uns weigern, das zu sagen, was wir nicht denken.
Alexander Issajewitsch Solschenizyn

„Du hättest recht, wenn die Dummheit eine Geistesschwäche wäre, leider ist sie aber eine furchtbare Stärke, sie ist ein Fels, der unerschütterlich dasteht, wenn auch ein Meer von Vernunft ihm seine Wogen an die Stirne schleudert.“ (Nestroy)

Das Ich denke, Ich bin, ist, seit Cartesius, der Grundirrtum in aller Erkenntnis; das Denken ist nicht mein Denken, und das Sein nicht mein Sein, denn alles ist nur Gottes oder des Alls. (Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling )

Intellektuelle haben keine andere Wahl, als zu begreifen, dass, so sehr sie sich auch anstrengen mögen, die einzig sinnvolle Anwendung ihrer Vernunft die Erkenntnis ist, dass dem Wahnsinn Sinn zu attestieren im Ansinnen ihn verstehen zu wollen, wahnsinnig ist. (Steht scheinbar im Gründungspamphlet der Antideutschen Kommunisten Berlin)

Wer heute noch nicht verrückt ist,
ist einfach nicht informiert.
Gabriel Barylli

Wenn aber jemand mit dem Wissen erleuchtet ist,
durch das Unwissenheit zerstört wird,
dann enthüllt sein Wissen alles,
ebenso wie die Sonne am Tage alles erleuchtet.
Bhagavad-gita 5.16

Man muß einfach reden, aber kompliziert denken – nicht umgekehrt. (Strauß, Franz Josef)

Der Mensch, der verurteilt ist, frei zu sein, trägt das ganze Gewicht der Welt auf seinen Schultern; er ist, was seine Seinsweise betrifft, verantwortlich für die Welt und sich. (Jean Paul Sartre)

Es ist ein Jammer, dass die Dummköpfe so selbstsicher sind und die Klugen so voller Zweifel. (Bertrand Russell)

To a great mind, nothing is little. (Sherlock Holmes in „A Study in Scarlet“ laut Jens…)

…wenn man einen Menschen logisch davon überzeugt, dass er eigentlich keinen Grund hat zu weinen, hört er zu weinen auf… – Dann wäre das Leben zu einfach, entgegnete Raskolnikow. – …aber wissen Sie, dass in Paris schon ernsthafte Experimente durchgeführt wurden… indem man versuchte, Irre nur durch logische Überredung zu heilen? Ein dortiger Professor, der unlängst gestorben ist, ein seriöser Gelehrter, war der Meinung, dass man sie dadurch heilen könne. Seine Grundidee ist, dass bei Irren keine besondere organische Störung vorliege und dass der Wahnsinn sozusagen ein logischer Irrtum sei, ein Irrtum des Denkens, eine unrichtige Art, die Dinge zu betrachten. (Dostojewskij in Schuld und Sühne, S 542 in dieser Version…)

…Mit dem Begriff der Bodenständigkeit will Dostojewskij nicht nur die Rückbesinnung auf die eigenen, russischen formenden Kräfte ausdrücken, sondern auch vor der Gefahr einer „Kopflastigkeit“ warnen: der Mensch könne „nicht allein von den Kräften des Verstandes leben“, er brauche auch „eine Beziehung zu den tieferen, naturhaften Schichten des Seins“… (Im Nachwort zu Dostojewskij´s Schuld und Sühne, S 739 in dieser Version…)

Für Denken im Zusammenhang mit (Aus)Bildung (bzw. zum Thema angestrengtes Denken?) Vgl. auch Gesammeltes/(Aus)Bildung/Zitate

Ihm selbst ging es mehr um die Ermunterung, sich – egal auf welchem Gebiet – seines eigenen Verstandes ohne Rücksicht auf die Normen der herrschenden Meinung zu bedienen. Gerade auch in der vermeintlich streng rationalen und objektiven Wissenschaft gelte, so Paul Feyerabend, dass „Wahrheit ist, was der Denkstil sagt, dass Wahrheit sei.“ (Aus der Information zu einem Salzburger Nachtstudio auf Ö1 am 11.2.04 über den Philosophen Paul Feyerabend)

In schlimmen Zeiten sind Denkende Andersdenkende. Werner Mitsch

Alle Weisheit kommt von Allah. Drum erwirb sie, aus welcher Quelle sie auch stammen mag, sogar von den Lippen eines Ungläubigen. (Mehr unter Gesammeltes/Anstößiges/Heine) Und ich (ob) weiß aus eigener Erfahrung, dass man oft dort, wo man es sich am wenigsten erwartet (und es deshalb oft auch gar nicht ver-suchen will; oft auch, wenn man nicht geplant/zielgerichtet vorgeht), am meisten bereichert (/inspiriert) wird!

Unüblich in den USA der 50er Jahre, versucht der Englischlehrer John Keating seine Internatsschüler zum eigenständigen Denken und Handeln zu ermutigen. (Kurzbeschreibung zum Film Der Club der toten Dichter in der TT)

„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.“ (Für den Fall, dass sie damit nicht nur eine menschliche Notwendigkeit gegenüber anderen Wesen, sondern eine Fähigkeit der Glückssteigerung durch das Entfliehen aus der Neutralität, puren Notwendigkeiten, oder wodurch auch immer ausdrücken will bzw. wollten, ist diese „alte Weisheit“ auch beim Thema Glück angebracht)

Der Philosoph behandelt eine Frage: wie eine Krankheit. (Ludwig Wittgenstein)

Betrachtungen über Themen wie Geschlechtsverkehr mit Andersdenkenden, eine kleine Typologie der Wochentage, die „Masturbation der Leiden“ oder über die Unmöglichkeit, mit dem Schlagen seines Kopfes gegen die Kremlmauer damit auch nur einen einzigen Tropfen gesunden Menschenverstandes herauszubekommen, sind dazu angetan, uns ein Bild des Dichters als asoziale Wildsau zu vermitteln. Das mag alles recht anstrengend zu lesen sein und macht beim Lesen einen Kater: „Aber verrrdammt, wenn ich schlafe – wozu soll ich dann meinen Verstand anstrengen und das Genie spielen? Letzten Endes wird es ewig ein Geheimnis bleiben, ob ich im Schlaf Weltwahrheiten ausgesprochen oder nur gottlos mit Worten geklingelt habe!“ Das Leben, eine Ermessensfrage: „Fühlen muss man klug, nicht mit dem Kopf, aber klug.“ (derstandard.at, Kritik zum Buch Wenedikt Jerofejew´s – Autor von Die Reise nach Petuschki –
Aufzeichnungen eines Psychopathen)

Auf Ö1 lief einmal eine Sendung unter dem Titel „Mut zu Scheuklappen“, welche die Frage stimulierte, ob es denn sinnvoller sei, sein Studium/sein Denken/sein Forschen auf ein (beschränkteres) Thema ([kleineres] Studienobjekt)/einen kleineren Themenkreis/einen kleineren Ausschnitt der Wirklichkeit… zu beschränken oder sie möglichst weitflächig/-sichtig anzulegen. (mehr oder weniger frei interpretiert/ausgelegt von ob)

Zwei Stichworte: wissbeGIERig, zweifelsüchtig.

Zu verlangen, dass einer alles, was er je gelesen, behalten hätte, ist wie verlangen, dass er alles, was er je gegessen hat, noch in sich trüge. (Arthur Schopenhauer) – auch angebracht beim Thema Lesen.

Wissen ist Macht (Francis Bacon; vielleicht sollte man noch anmerken: in Verbindung mit adäquater Intelligenz – oder überhaupt Wissen mit Intelligenz ersetzen; vgl. hierzu meinen Text Wissensmaß, Anm. Oberdenker; Man bedenke deshalb auch die Möglichkeit, dass es [trotz all unserer Plädoyers fürs eigenständige Denken] vielleicht aber auch für manche Individuen [und eventuell auch deren Gruppen] besser wäre, wenn sie manchmal das Denken anderen überlassen würden. Wider unbedingte Sturheit und Stolz [> Arroganz]!, weitere Anm. Oberdenker)

Die Größe des Menschen liegt im Irrationalen… (In: Der Mann ohne Eigenschaften von Robert Musil; genaues Kapitel nicht bekannt – irgendeines über Hundert… vielleicht finden Sie ja ein durchsuchbares E-Book – würde sich hier aufgrund vieler geistreicher Äußerungen rentieren!)

Zitate zur Wahrheit

Die Wahrheit ist langweilig, schlecht für die Kommunikation. Denn sagst du etwas, sagt der andere: Jo eh (stimmt). Aber bei der Lüge, da kann man etwas dazutun (beitragen?), etwas neues erfinden, das schadet gar nicht. Frei nach dem bayrischen Kabarettisten Bruno Jonas

Die Wahrheit siegt durch sich selbst. Eine Lüge braucht stets einen Komplizen. Epiket (14.5.50 bis 31.12.135!)

Die Wahrheit lässt sich nicht in Worte fassen – man kann sie nur selbst erfahren. Frei nach De Mello, der Vielseitigkeit und Sonstigen

„[…] so, wie mit allen Lügen: Sie fallen auf den Lügner zurück – und das ist beruhigend!“ Lügen haben nämlich die Eigenschaft, dass sie sich bei kontinuierlicher Wiederholung im Kopf des Lügners als vermeintliche Wahrheit manifestieren […]. Das ist eine höhere Form der Gerechtigkeit. (Tappeiner)

…Ansatz des Konstruktivismus, wonach man niemals eine genaue Kenntnis der Wirklichkeit erlangen kann. Die Wirklichkeit wird von uns nicht gefunden, sondern erfunden, womit, nach den Vertretern des Konstruktivismus, die Erkenntnis einer absoluten Wahrheit nicht möglich ist. (Hinterhuber)

Weil es Problem is zum Beispiel, wenn i sog, es gibt keine Wahrheit, dann behaupt i scho wieder, dass des wahr is, dass es keine gibt. Oder wenn i sog, alle Menschen sind frei, dann behaupt i jo, wenn sie alle frei sind, dass sie ja schon wieder zur Freiheit bestimmt san, obwohl’s frei san. I sog immer, es gibt eigentlich nur dumme Menschen, und diejenigen die’s wissen, san gscheit. I hob so viel Bücher, Philosophie udn so, glesen, und man kann ja nur Widersprüche finden, und wenn i vo‘ Haus aus ‚Schwochsinn‘ behaupt‘, dann is des des intelligenteste was i machen kann, weil’s ja koaner widerlegen kann. Weil derjenige, der’s widerlegen will, hat’s nit verstanden, und derjenige, der’s verstanden hat, lacht eh drüber… Wenn in einer Diskussion einer Philosophischen, der wos die Diskussion gwinnt, des hast no long nit, dass der recht hat, weil wenn oaner guat reden kann, dann kann er dir schwarz für weiß verkaufen, weil mit der Physik und so kann man’s ja erklären. Drum glab i eigentlich, dass der ‚Unsinn‘ schon a an großer Sinn is…
Man darf ja a Beruf und leben nit trennen, weil wenn i jeden Tag ocht Stund‘ orbeiten geh, ocht Stund schlof und ess und trink, dann tuat man jeden Tog zwoa Stund‘ leben. Da stirbst ja mit 25, wenn des aufrechenst. (Alf Poier, österr. Kabarettist)

Die Menschheit kann froh sein, wenn sie keine Wahrheit findet. Weil immer, wenn jemand glaubt, eine Wahrheit gefunden zu haben, ist er bereit, diese zu verteidigen bis zum letzten Tropfen Blut. Und deshalb gibt es Krieg. Wegen der Wahrheit. […] Darum sag ich euch: wenn es auf der Welt mehr Egoisten geben würde, dann würde es keinen Krieg mehr geben. (Alf Poier, österr. Kabarettist, im Programm ‚Mitsubishi‘)

…Ansatz des Konstruktivismus, wonach man niemals eine genaue Kenntnis der Wirklichkeit erlangen kann. Die Wirklichkeit wird von uns nicht gefunden, sondern erfunden, womit, nach den Vertretern des Konstruktivismus, die Erkenntnis einer absoluten Wahrheit nicht möglich ist. (H. Hinterhuber, Strategische Unternehmungsführung, Band 1, 6. Aufl.)

Der gefährlichste Feind der Wahrheit ist die kompakte Majorität. Henrik Ibsen

Wer seelisch leidet, leidet nicht an der wirklichen Wirklichkeit, sondern an seinem Bild der Wirklichkeit. Watzlawick

Wer die Wahrheit sucht,
darf nicht erschrecken,
wenn er sie findet.
China

Wenn aber jemand mit dem Wissen erleuchtet ist,
durch das Unwissenheit zerstört wird,
dann enthüllt sein Wissen alles,
ebenso wie die Sonne am Tage alles erleuchtet.
Bhagavad-gita 5.16

Ist Optimismus nur eine Form von Informationsmangel? Alfred Dorfer

Die Wahrheit ist das Ganze. (Hegel)

Wahre Worte sind nicht angenehm, angenehme Worte sind nicht wahr. Laotse

…und wandte schließlich das stärkste und sicherste Mittel an, mit dem man ein Frauenherz bezwingen kann, ein Mittel, das niemals und bei niemandem versagt und das auf alle Frauen ohne jede Ausnahme wirkt. Es ist ein bekanntes Mittel: die Schmeichelei. Es gibt nichts Schwierigeres auf der Welt, als aufrichtig zu sein, und nichts ist leichter, als zu schmeicheln. Wenn die Aufrichtigkeit auch nur um einen Hundertstelton falsch ist, ergibt sich sofort eine grelle Dissonanz, der ein Skandal folgt. Bei der Schmeichelei mag jedoch alles bis zur letzten Note falsch sein, sie ist immer noch angenehm, und man hört sie nicht ohne Vergnügen – zwar mit einem primitiven Vergnügen, aber dennoch mit Vergnügen. Und so plump die Schmeichelei auch sein mag, man nimmt doch zumindest die Hälfte für bare Münze. Das gilt für alle Stufen der Entwicklung und für alle Schichten der Gesellschaft. Sogar eine Vestalin kann man mit Schmeicheleien verführen, von gewöhnlichen Menschen ganz zu schweigen. (Dostojewskij in Schuld und Sühne, S 609 in dieser Version…)

Ihm selbst ging es mehr um die Ermunterung, sich – egal auf welchem Gebiet – seines eigenen Verstandes ohne Rücksicht auf die Normen der herrschenden Meinung zu bedienen. Gerade auch in der vermeintlich streng rationalen und objektiven Wissenschaft gelte, so Paul Feyerabend, dass „Wahrheit ist, was der Denkstil sagt, dass Wahrheit sei.“ (Aus der Information zu einem Salzburger Nachtstudio auf Ö1 am 11.2.04 über den Philosophen Paul Feyerabend)

Aus einer Wirklichkeit heraus kann man aber eine andere Wirklichkeit nicht widerlegen. Das alles spricht für ein Offensein für andere Wirklichkeiten, gegenüber fremden Gedanken und Kulturen. (In einem Salzburger Nachtstudio vom 18.2.04 auf Ö1 über Illusion und Wirklichkeit)

2 Textstellen aus Der springende Punkt von Anthony de Mello: „…Ihr Wahrnehmen kann einfach nicht in Worte gefasst werden. Was kann dann ein Lehrer tun? Er kann Sie nur darauf hinweisen, was unwirklich ist, die Wirklichkeit selbst kann er nicht zeigen; …er kann Ihren Irrtum aufzeigen, kann Sie aber nicht in den Besitz der Wahrheit bringen. Ein Lehrer kann höchstens in Richtung der Wahrheit zeigen, er kann Ihnen aber nicht sagen, was zu sehen ist. Sie werden ganz allein aufbrechen und selbst entdecken müssen…“ / Wahre Toleranz entsteht nur aus einem wachen Bewusstsein für die abgrundtiefe Unwissenheit, die alle, was die Wahrheit betrifft, an den Tag legen.

Ein Hund kann nicht heucheln, aber er kann auch nicht aufrichtig sein. (Ludwig Wittgenstein)

Die Wahrheit verteidigt sich allein. (Auf der Suche nach einer Variable in einem Wörterbuch entdeckt)

Am meisten fühlt man sich von der Wahrheit getroffen, die man sich selbst verheimlichen wollte. (Friedl Beutelrock; gefunden von caro)

In einem Kurs über die Erforschung der „öffentlichen Meinung“ zeigte uns der Prof. einmal eine Karikatur, auf der ein und dasselbe Foto (Darstellung einer Szene, in der ein Soldat einer Frau mit Kind etwas überreicht) mehrmals abgebildet und mit verschiedenen Pseudo-Schlagzeilen aus diversen Zeitungen beschrieben war, wobei jede das Bild anders interpretierte. Er (der Künstler natürlich, aber spezieller dann der Prof.) wollte damit aufzeigen (bzw. erklärte dazu), dass die soziale Realität nicht selbsterklärend ist, dass (z.B. in Studien wie Umfragen erhobene) Daten (wofür im Beispiel das Bild stand) nicht für sich selbst sprechen, sondern der Interpretation bedürfen, womit wir ihnen eine Bedeutung, einen Sinn zuschreiben… (die amüsante und lehrreiche Karikatur hätte ich gescannt und somit auch in elektronischem Format zur Verfügung, ist allerdings auf Spanisch – aber falls es trotzdem jemand sehen möchte -> ob)

Der demnächst 62-Jährige Handke lehnt zweierlei grundsätzlich ab: Erkenntnis und Geschichten. Wir erkennen nichts, so sein Credo über die Jahre, wir sehen Umrisse, getaucht gleichsam in Nebel. Jegliche Erkenntnis, zumal solche um andere Menschen, bleibt vage, unklar und unzuverlässig. Und Geschichten sind immer etwas Zusammengereimtes. Wenn sich die Momente des Lebens im Nachhinein zu Geschichten zu fügen scheinen, dann ist das für Handke eine Täuschung. Das ist seit seinen avantgardistischen Anfängen in den 60er Jahren so, und das gilt auch für „Don Juan“. … Handkes Sätze vermeiden gerade um der Genauigkeit willen die genaue oder klare Benennung. Nicht der Weg ist hier das Ziel, nein, der Umweg ist das Ziel. Wenn also jemand einen Sonnenuntergang, die Stille einer Amsterdamer Gracht, oder den Glanz eines Apfels in einer Schale wirklich wahrgenommen sehen will, wenn jemand die Momente des Lebens mehr schätzt als seine Geschichten, dann ist er bei Handke gut aufgehoben. (In einem Artikel über ein Buch Peter Handke´s auf oe1.orf.at, 12.8.04)

Und so meine ich, frei nach Platon’s „Sokrates im Gespräch“: „Ich weiß, wo ich nichts weiß“. Diese Variante (ich weiß, wo ich nicht weiß) finde ich „mehr als grenzgenial“, und zwar in zweierlei Hinsicht: 1. präzisiert es „augenscheinlich“ elegant die übliche deutsche Übersetzung („ich weiß, dass ich nichts weiß“), die eigentlich einen Widerspruch in sich darstellt, insoferne als es die Gebiete des Wissen und Nichtwissens deutlich trennt; 2. einzig erkanntes „Nichtwissen“ zu Wissen führt, vermeintliches „Wissen“ aber im Unwissen = Vorurteil verharrt, es somit im metaphorischen Sinn darauf aufmerksam macht, dass „Wissen“ immer ein Vorurteil ist, und erst als ein erkanntes (Nichtwissen / nicht genau Wissen) zur Prüfung und Überprüfung und somit erst zu „eigentlichem, neuen Wissen“, d.h. vom Vorurteil weg, führt. (Mitdenker „gablitus“ in einem Mail an ob, 27.7.04)

Als wahr kann etwas angesehen werden, das sich langfristig durchsetzt (ewig…)… Veränderung unterworfenes etc. nicht… (ob frei nach Radiosendung, in der u.a. über Platon gesprochen wurde, 3.8.04) -> vgl. Spruch „Lügen haben kurze Beine“.

Zitate zum Skepitizismus

Am wenigsten widerstehen kann ich dem Zweifel. Ich bezweifle alles, selbst meinen Zweifel. Ich glaube wenig und auch das nicht ganz. Skepsis ist für mich keine der „schönen Künste „, sondern Teil meiner Existenz. Karlheinz Deschner

Das Ärgerlichste in dieser Welt ist, dass die Dummen todsicher und die Intelligenten voller Zweifel sind. Bertrand Russel

Zitate zum Nihilismus

Jetzt erst weiß ich, was im Leben wichtig ist: Wichtig ist, dass man weiß, dass nichts wichtig ist. Roman Polanski

Zitate zum Tod

Die Angst vor dem Tod hält uns nicht vom Sterben, sondern vom Leben ab. Von ?

Man muss leben, ohne den Tod zu fürchten, und sterben, wenn deine Zeit gekommen ist. Keiner ist wirklich frei, bevor er nicht den Tod ins Auge gefasst hat. Hemingway

Wenn er sich selbst in Ruh’stand setzen könnte mit einer Nadel bloß –
wer trüg die Lasten und Stöhnt und Schwitzte unter Lebensmüh’n?
Nur dass die Furcht vor etwas nach dem Tode, vor jenem unentdeckten Land aus dem kein Wanderer wiederkehrt den Willen irrt, dass wir die Übel die wir haben lieber tragen, als zu unbekannten fliehen.
(Shakespeare – Hamlet)
-> kritisieren könnte man an dieser Aussage (außer Shakespeare hat Hamlet bewusst projizieren/generalisieren lassen), dass er unterstellt, dass alle Menschen (überwiegend) leiden (und er somit unter den Nicht-Distanzierten eventuell eine eventuell nicht-angebrachte, negative Sicht verbreitet hat) und nicht wissen, was nach dem Tode kommt. (ob)

Es tötet nichts so sicher wie das Leben. (Raabe)

„Der Tod ist ehrwürdig als Wiege des Lebens, als Mutterschoß der Erneuerung.“ (Thomas Mann, Zauberberg, zitiert in: „Leben heißt Sterben“ von Heinrich K. Erben, S. 254, 1981, ISBN 345508818X, entdeckt in SoWi-Bibliothek/Biologischer Bereich)

Zitate zur Zeit

Ich habe keine Zeit, mich zu beeilen. Igor Strawinsky

Life is time
time is small
take it easy
fuck it all.
(entdeckt auf einer Bushaltestelle)

Ihr in Europa habt die Uhr, wir in Afrika haben die Zeit. (Sprichwort aus Mauretanien)

Wirklich wichtig ist, dass man die großen Steine in seinem Leben an die erste Stelle setzt. Wenn nicht, läuft man Gefahr sein Leben nicht zu meistern. Wenn man zuallererst auf Kleinigkeiten achtet, verbringt man sein Leben mit Kleinigkeiten und hat nicht mehr genug Zeit für die wichtigen Dinge. (Aus einem Artikel über den Umgang mit der Zeit)

Man muss lachen bevor man glücklich ist, weil man sonst sterben könnte, ohne gelacht zu haben. (Autor bekannt)

Was ist die Zeit? Und die lösende, nicht lösende Kinderantwort,
Staunensantwort kommt dazu: Die Zeit ist eine Uhr ohne Ziffern.
Bloch, Ernst

Gott hat die Zeit geschaffen, der Teufel den Kalender. Chargaff, Erwin

alles zu seiner zeit – nur kein stress…

man muss feste feiern, wie sie fallen

Weitere Zitate zum Thema Stress, die nicht speziell od. ausschließlich auf Zeitmangel beruhen, unter Gesammeltes/Arbeitsamkeit/Zitate

Ticking away the moments that make up a dull day
You fritter and waste the hours in an off hand way
Kicking around on a piece of ground in your home town
Waiting for someone or something to show you the way

Tired of lying in the sunshine staying home to watch the rain
You are young and life is long and there is time to kill today
And then one day you find ten years have got behind you
No one told you when to run, you missed the starting gun

And you run and you run to catch up with the sun, but it’s sinking
And racing around to come up behind you again
The sun is the same in the relative way, but you’re older
Shorter of breath and one day closer to death

(Pink Floyd › Time)

Zitate zum Glück

Wenn man nur glücklich sein wollte, wäre es bald getan: aber man will ja glücklicher als die anderen sein, und das ist fast immer schwierig, weil wir die anderen für glücklicher halten, als sie wirklich sind. (Montesquieu)

Man muss lachen bevor man glücklich ist, weil man sonst sterben könnte, ohne gelacht zu haben. (Jean de La Bruyére)

Wer dauerhaftes Glück will, muss sich stets verändern. (Konfuzius)

Wer vom Glück immer nur träumt, darf sich nicht wundern, wenn er es verschläft. (Ernst Deutsch)

Das Revolutionärste, was ein Mensch heute tun kann, ist, öffentlich glücklich zu sein. (Hunter „Patch“ Adams)

Das Glück ist ein wunderbarer Handel. Je mehr man von ihm gibt, desto mehr hat man von ihm. (Blaise Pascal)

Glücklicher als der Glücklichste ist, wer andere Menschen glücklich machen kann. Dumas, Alexandre (Der Ältere)

Nicht mehr unglücklich zu sein, erfüllt alle meine Erwartungen an das Jenseits. (Im Hörspiel „Die Grabinschrift“)

Wo ein Begeisterter steht, ist der Gipfel der Welt. Joseph Freiherr von Eichendorff

Das größte Vergnügen im Leben besteht darin, Dinge zu tun, die man nach Meinung anderer Leute nicht fertigbringt. Marcel Aymé

Durch das Schätzen (1) erst gibt es Wert (2): und ohne das Schätzen wäre die Nuss des Daseins hohl. Hört es, ihr Schaffenden! (Nietzsche in Also sprach Zarathustra: Die Rede Zarathustra´s von tausend und Einem Ziele; weitere Glücksansichten von Nietzsche unter Gesammeltes/Anstößiges/Nietzsche) (1) Entsteht auf natürliche Weise durch ausreichend Reflexion (2) und man verleiht einen Wert, wenn es zum eigenen Glück beiträgt (Anm. bzw. Meinungen vom Oberdenker, unter dem Titel EIN WEITERER GRUND FÜR DAS DENKEN (ZULASSEN/ERMÖGLICHEN IN DIESEM FALL) zu finden bei seinen Meinungen)

Die Lebensqualität erreicht anhand von körperlichem, mentalem und spirituellem Wohlbefinden, und nur eine integrale und integrierende Vision dieser drei Realitäten der Menschen kann zu Ausgeglichenheit und folglich dazu führen, besser zu leben. (Milagros Juárez in La Calidad de vida, S 61, aus dem Spanischen mehr oder weniger frei übersetzt von ob)

Die Mehrheit der Experten bestätigen, dass zu Fuß gehen der ausgleichendste und für alle zugänglichste Sport ist. … das zusätzliche Wohlbefinden durch das Kontemplieren, wie die Landschaft wechselt … das Fühlen der Sonne … die Frische der Luft … die Feuchtigkeit des Regens … Kontakt mit der Natur aufnehmen ist immer angenehm und trägt dazu bei, die innere Harmonie wiederzuerhalten, und lässt uns als Teil des Kosmos fühlen, von welchem auch die Bäume, die Tiere und die Wolken ein Teil sind … „Während des Gehens lässt man seine täglichen Sorgen, seinen Stress oder seine Ängste auf dem Weg, so als würde sich der Geist über die Füße seiner schlechten Stimmungen leeren, um sich mit neuen Gedanken und lebendigen Ideen über die Augen und den Mund wieder zu füllen.“ „Als körperliche Betätigung und unbelastend wie es ist, hat es einige psychophysiologisch unvergleichbare Effekte zur Folge: …“ (Milagros Juárez in La Calidad de vida, S 64, aus dem Spanischen mehr oder weniger frei übersetzt von ob)

Ein Unglück kommt selten allein. (Auf der Suche nach einer Variable in einem Wörterbuch entdeckt)

Das was der Mensch wirklich will, ist ein Grund zum Glücksein. Umso mehr es einem um die Lust geht, umso mehr vergeht sie einem auch schon. (Viktor Frankl, Wille zum Sinn; verlautbart von gregor im Forum)

(Wahres, oder so…) momentanes Glück ist (für den Menschen) nur bei langfristiger Perspektive möglich. (Frei nach dem von mir empfohlenen Buch von einem buddhistisch Denkenden bzw. einem Teil davon, glaub ich zumindest, mich daran erinnern zu können [nach einiger Zeit…]; jedenfalls eine mich [bei meiner Glückssuche/-planung] sehr beeinflussende/-druckende [und meine Aversion gegen Verdrängung verstärkende], weil wahr erscheinende, Überlegung; ob 8/04)

„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.“ (Für den Fall, dass sie damit nicht nur eine menschliche Notwendigkeit gegenüber anderen Wesen, sondern eine Fähigkeit der Glückssteigerung durch das Entfliehen aus der Neutralität, puren Notwendigkeiten, oder wodurch auch immer ausdrücken will bzw. wollten, ist diese „alte Weisheit“ auch beim Thema Glück angebracht)

Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit. (Søren Kierkegaard)

Der Philosoph behandelt eine Frage: wie eine Krankheit. (Ludwig Wittgenstein)

Der Mensch ist durch die Möglichkeiten des Lustgewinns (durch Triebbefriedigung) und der Schmerzvermeidung angetrieben, wobei ihm meist (bzw. den meisten?) zweiteres bedeutender ist (und dafür deshalb mehr Zeit und Anstrengung aufwendet). (Nach Freud oder einer Interpretation von ihm, soweit ich mich erinnern kann, Anm. ob)

„Was heißt ‚Kind‘ sein?“
„Das heißt, alles das zu machen, wozu man Lust hat, und dazu braucht man Phantasie. Die Erwachsenen haben die nicht mehr.“
Killer Kid, F 1994 (Roman und Film)

Reichtum ist die Kotze des Glücks. (Diogenes von Sinope)

„Die Wege des Herrn sind unergründlich“
(> So könnte etwas, das negativ erscheint, viel Positives enthalten bzw. etwas, das für einen selbst vielleicht wirklich negativ ist, für einen anderen ungleich positiver sein, etc., Anm. ob)

When we are happy, we are always good, but when we are good, we are not always happy. (In: The Picture of Dorian Gray von Oscar Wilde)

Gesund ist, wer noch nicht ausreichend untersucht wurde. (Ein Komiker auf Ö1, 9.2.05) Gesundheit ist das Maß an Krankheit, welches mir noch erlaubt, meinen wesentlichen Beschäftigungen nachzugehen (~ so soll Nietzsche Gesundheit definiert haben, auch laut vorigem Komiker)

Wenn Gott eine Tür schließt, so öffnet er dafür (woanders) ein Fenster… (~ Spruch)

Nachahmung ist die höchste Form der Anerkennung. (Oscar Wilde; der wahre Wert des Nachgeahmten stellt sich allerdings wahrscheinlich erst nach längerer Bewährung heraus, weil man ja – wie es vor allem aus der Jugend bekannt sein dürfte – auch „Blödsinn“ oft als „lässig“ / nachahmenswert empfindet, Anm. ob; angebracht auch beim Thema Schule > Lehrmethoden)

Das Glück ist dort, wo du nicht bist. (Alter Spruch laut Ö1)

Abwechslung ist nun einmal eine wesentliche Vorraussetzung des Glücklichseins, und die gibt es in Utopia schwerlich. Das ist ein Fehler aller konstruierten Gesellschaftssysteme, mögen sie der Wirklichkeit oder dem Reich der Phantasie angehören. (Betrand Russel auf S. 530 des Buches Philosophie des Abendlandes mit der ISBN 3880599653 als Schlussbemerkung zu einem interessanten Kapitel über Sir Thomas Morus´ Utopia von 1518; wenn ich – ob – mir aber eine kritische Anmerkung dazu erlauben darf: erstens, finde ich, kann es auch innerhalb eines starren Systems durch immer existierende Freiräume und dadurch, dass wir uns allein schon selber in permanenter Veränderung befinden, Abwechslung geben, und zweitens frage ich mich, welche Alternative es zu den „fehlerhaften“, konstruierten Gesellschaftssystemen geben soll, da ich finde, dass man mit der Verwendung des Ausdrucks „Fehler“ dessen Verbesserungsfähigkeit andeutet und ich diese hier nicht sehe; vielleicht hätte er sich einfach klarer ausdrücken und sagen müssen, dass es ein Fehler von Gesellschaftssystemen ist, dass sie sich zu wenig verändern)

Zitate zum Ich

Wir sind das, was wir in den Augen der anderen sind. (~Zitat)

Möglichkeit zu einem Auslandsaufenthalt nutzen. Man muss dabei keine Angst haben, seine Identität zu verlieren, denn auch ein Tiroler wird erst im Ausland zu einem richtigen Tiroler. (Ekkehard Kappler in einem Interview der SoWi-News, einer Studentenzeitung der Uni Innsbruck, Ausgabe Nr. 55, Nov. 03, gekürzt; längere Version unter Gesammeltes/Bildung/Texte dazu)

Wir machen uns von einem Menschen ein Bildnis und lassen ihn nicht mehr aus diesem heraus. (In Hörspielversion von Rip von Winkle von Max Frisch)

Das, was wir an einem Menschen erkennen, das entzünden wir an ihm auch. (Nietzsche)

Ich bin – ich weiß nicht wer
Ich komme – ich weiß nicht woher
Ich gehe – ich weiß nicht wohin
Mich wundert´s
dass ich so fröhlich bin.

(~Gedicht, Herkunft nicht genau bekannt, wahrscheinlich aus dem Mittelalter laut Ö1)

Zitate zum Konstruktivismus

Rationalisierung (-> existiert nur eingebildete bzw. konstruierte Sinnhaftigkeit?, Anm. ob): Rationalisierung ist ein Mechanismus, durch den das Subjekt versucht, Verhaltensweisen, Gedanken, Gefühle usw., deren wirkliche Motive nicht erkannt werden, eine logische oder moralisch akzeptable Erklärung zu geben.* (Aus einem Text über Freud)

* Bsp. von ob dazu: wenn jemand sich freiwillig im Ausland befindet, jedoch trotzdem andauernd über das Gastland schimpft und hauptsächlich Produkte aus dem Heimatland konsumiert, könnte ein Beobachter es als rational (logisch) sehen, dass es besser wäre, wenn der Beobachtete zu Hause geblieben wäre. Sein Auslandsaufenthalt könnte aber eben genau den Sinn haben, dass er ihn seine Heimatprodukte und sein Heimatland mehr schätzen lässt (durch die Ferne von der Heimat, die Nicht-leicht-Zugänglichkeit von Produkten, der Vergleich mit anderen, für ihn schlechteren Produkten) und ihm somit einen gesteigerten Genuß ermöglicht. Somit handelt es sich vielleicht in Wahrheit um Neid des Beobachters (dass er selber nichts hat, an dem er sich [zu Hause] dermaßen erfreuen kann).

Weitere philosophische Zitate nach philosophischem Thema
Alte Version dieser Seite