6 universelle Tugenden?

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6 universelle Tugenden?

Beitragvon Redaktion » 17.11.2009, 18:06

{L_IMAGE}"...Am Institut für Psychologie an der Universität in Pennsylvania suchte ein Team in den grundlegenden Schriften der großen Religionen und philosophischen Systeme nach den ihnen allen gemeinsamen Tugenden abseits vom Mainstream-Amerika. 'Wir lasen Aristoteles und Plato, Thomas von Aquin und Augustinus, das Alte Testament und den Talmud, Konfuzius, Buddha, Lao Tse, den Samurai-Code, den Koran, Benjamin Franklin und die Upanishaden - insgesamt 200 Tugendkataloge. Zu unserer Überraschung unterstützten all diese Traditionen - verteilt über 3000 Jahre und die gesamte Erdoberfläche - 6 Tugenden: Weisheit und Wissen, Mut, Liebe und Humanität, Gerechtigkeit, Mäßigung, Spiritualität und Transzendenz. In Details gab es natürlich Unterschiede', schreibt der Leiter des Teams Martin Seligman (korrekte Schreibweise des Namens nicht garantiert) in seinem von Siegfried Brockert übersetzten Buch Der Glücksfaktor. Was Mut für den Samurai bedeute, unterscheide sich natürlich von dem, was Mut für Plato war, und die Humanität bei Konfuzius sei nicht identisch mit der Caritas bei Thomas von Aquin. ' Aber die Gemeinsamkeiten sind gegeben und für diejenigen unter uns, die als ethische Relativisten aufgewachsen sind, doch sehr erstaunlich. Dies enthüllt den Sinn der Behauptung, der Mensch sei ein moral animal, ein moralisches Lebewesen.' Seligman folgt, wenn er weiter über die Stärken des Charakters schreibt, den Ausführungen des großen Psychoanalytikers Erich Fromm. In den 1970er Jahren erklärte dieser in seinen empirischen Untersuchungen zum Gesellschaftscharakter (= Titel der Schrift?) den Unterschied zwischen einem Verhaltensmerkmal und einem Charakterzug am Beispiel des Muts: 'Mutiges Verhalten lässt sich beschreiben als ein Verhalten, bei dem sich der Mensch in der Verfolgung eines Zieles nicht leicht durch Gefährdung seines Lebens, seiner Gesundheit und Freiheit oder seines Besitzes abschrecken lässt.' Ganz anders sehe es aus, schreibt Fromm, wenn man die oft unbewusste Motivation für mutiges Verhalten betrachte. 'Ein mutiger Mensch kann durch seine Hingabe an ein bestimmtes Ziel oder durch sein Pflichtgefühl motiviert sein.' Meist denke man an diese Motivation, wenn man von Mut als Tugend spreche. ... Ein Mensch kann auch von Eitelkeit, von dem Verlangen nach Anerkennung und Bewunderung motiviert sein. Es sind möglicherweise Selbstmordtendenzen im Spiel und der Verlust des Lebens kann - wenn auch unbewusst - erwünscht sein. Ein Mensch kann auch aus Mangel an Vorstellungskraft mutig sein, der ihn blind macht für Gefahren oder Angst haben, als Feigling angesehen zu werden. ..." (In einem "Radiokolleg" vom 7.2.05 auf Radio Österreich 1)

Ob nun der Weg zum glücklichen Dasein über eine geringe Anzahl von für alle Menschen gleichen Tugenden führt oder nicht, ist eine andere Frage. Jedenfalls aber erscheinen solche auf das Auffinden gemeinsamer Lösungen bedachte Bestrebungen (aus der Sicht friedliebender Menschen) v.a. in Zeiten wiederstärkeraufkeimender Fremdenfeindlichkeit wie diesen als sehr wünschenswert. (Ursprünglicher Beitrag vom 28.12.05)

Siehe hierzu auch den Artikel "Zum Zusammenhang von Glück, Schönheit und Tugend" und den Artikel "Glück durch neue Erfahrungen?", in welchem weitere Tugenden genannt sind, welche laut der Positiven Psychologie zu positiven Emotionen führen.
Zuletzt geändert von Redaktion am 26.01.2011, 11:29, insgesamt 3-mal geändert.




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