Zum Thema Kunst und Kultur passende Textstellen:

 

Über die Konstruktion der Wirklichkeit mittels Kultur

 

Unsere Welt ist konstruiert, über Sprache und Diskurse produzieren wir unsere Wirklichkeit. Nicht Benanntes existiert nicht, es ist irrelevant. Benanntes materialisiert sich eben durch den Diskurs. Um sich aber als Wirklichkeit durchzusetzen, muss es verstanden werden, das heißt der entsprechende Kontext ist vorhanden. In einen anderen Kontext gebracht erscheinen uns Dinge fremd, in anderen Fällen akzeptieren wir diese neue Verknüpfung anstandslos. Ohne Wiederholung bleibt ein Ding nicht existent, so reicht die einmalige Festlegung des Geschlechts bei Geburt eines Menschen nicht aus, um sie/ihn zur Frau oder zum Mann zu machen. Immer wieder und in verschiedensten Diskursen wird das Subjekt in seiner Geschlechtlichkeit produziert. Sagt Judith Butler, Vertreterin des Poststrukturalismus...

Vielleicht sollten wir uns öfters fragen, was wir denn alltäglich wiederholen und was wir wiederholen wollen.

(Gefunden in einer Zeitung der geisteswissenschaftlichen Fakultät Innsbruck, allerdings in einem anderen Kontext und mit anderer Überschrift, ob)

 

 

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Über die "Binnenlandkultur"

 

...die lasche Art wird einem in die Wiege gelegt, das Erbe ist nicht leicht zu tragen... Überrascht steht er dann ganz alleine, mit betrübten Blick sieht er, wie das Ruder übernommen wird, die ganze Welt vor seinen trägen Augen uneinholbar davongaloppiert. Und er jammert und er raunzt. Mensch, ist das ungerecht... Im Binnenland tut man sich schwer die Ferne zu verstehen... Es ist nicht kalt, es ist nicht heiß, nur lauwarm wird gekocht... Sie Das Land, das döst dahin... Sie suhlen sich in Frieden und in Wohlstand, wie das Schwein in seinem Kot... Adios chicos, aus dem Binnenland! (H.P. ?; gefunden in einer Zeitung der geisteswissenschaftlichen Fakultät Innsbruck, allerdings mit anderer Überschrift, ob)

"Fuck Culture!", wie irgend so ein Punk-Rotzbub, dessen Name und gerade nicht einfallen will, aber eh irrelevant ist, mal gemeint hat. Kulturwissenschaften würd sich dafür überhaupt nicht interessieren, weil wo kämen wird denn da hin... (Gefunden in einer Zeitung der geisteswissenschaftlichen Fakultät Innsbruck, allerdings mit anderer Überschrift, ob)

 

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Weitere Textstellen (ohne Inhaltsverzeichnis)

...nach Entdeckungszeitpunkt geordnet (ältere Texte zuerst). Aus Faulheit bzw. Zeitmangel werden wir nicht mehr jeden weiteren (neu hinzukommenden) Text direkt im Inhaltsverzeichnis verlinken! Vielleicht finden wir später irgendwann einmal Zeit dazu - oder ein Verleger :)

 

über städte bzw. relativität von lebensqualität (je nach persönl. präferenzen/gefallen und wegen nur vermeintlich objektiven kriterien):

ciudades y ciudades

A mí, esa clasificación que los finolis han hecho de las ciudades “según su calidad de vida”, me parece una chorrada de tomo y lomo. Es verdad que en Río de Janeiro se vive más azarosamente que en Berna. Pero el aburrimiento de Berna puede causarle a uno tal depre que ni el mismísimo Freud redivivo se la quitaría. Estoy dispuesto a admitir que existe toda una serie de ciudades en las que no se dan las condiciones mínimas para vivir, bien o mal. Puerto Príncipe es la primera, seguida de una larga lista de ellas en el llamado Tercer Mundo, aunque algunas están en el octavo. Entre el resto, sin embargo, una vez alcanzado ese nivel mínimo que le permite a uno ir a comprar huevos o salir a cenar sin jugarse la vida, aparte de que el teléfono funcione, los insectos le dejen dormir y haya un café donde echar una parrafada con los amigos, la clasificación de las mismas tiene mucho más que ver con los gustos personales que con criterios objetivos. Alguien a quien le guste la vida nocturna, por ejemplo, se encontrará más a gusto en Madrid que en Barcelona. Pero si lo que le gusta es callejear sin tener que disputar la acera o la calzada a los demás peatones o a los coches, la capital catalana le ofrecerá muchos más encantos. Del mismo modo, a quien le guste hablar con desconocidos preferirá Sevilla o Nápoles a Oslo o Estocolmo. Mientras que a quien le guste que le dejen en paz preferirá las segundas. Lo que quiero decir con estos ejemplos tan simples es que todas las ciudades tienen su encanto particular, dependiendo ya de nosotros el que satisfaga nuestras necesidades particulares. y como, según el refrán, sobre gustos no hay nada escrito, esas clasificaciones entre ellas me parecen superfluas, si no interesadas. Hay quien se siente angustiado en Nueva york, y hay quien se siente más libre que en ningún otro sitio. Cuestión de temperamentos, más que de calidad de vida.

Lo único que estoy dispuesto a admitir al respecto es que, de un tiempo a esta parte, las pequeñas ciudades han ido ganando en todos los terrenos a las grandes. En mi juventud, ya lejana, Madrid y Barcelona, por no hablar de París o Londres, lo tenían todo, mientras que Lugo, Palencia o Soria, por citar algunas, no tenían más que su paseo los días de diario y el cine los domingos. Si uno quería escuchar un concierto, ver una obra de teatro o una exposición de altura, tenía que ir a Madrid o Barcelona. Hoy, en todas las capitales de provincia hay conciertos, exposiciones y funciones de teatro. También las hay en Madrid y Barcelona, pero uno no va por los problemas de tráfico, las dificultades de aparcamiento y el que llega a casa hecho migas. La consecuencia es que las grandes ciudades pierden, mientras las pequeñas ganan. Son cosas que esos clasificadores de ciudades no tienen en cuenta, siendo tan importantes. ¿Saben ustedes cuál es uno de los mayores lujos que puede permitirse el ciudadano del siglo XXI? Ir andando a su trabajo. Díganme ustedes quién lo tiene más a mano. O a pie, mejor dicho.

(kommentar von José María Carrascal, Periodista, in metro, ausgabe madrid, n°591 vom 24.3.04, online unter mad.metrospain.com; deutscher "titel" von ob hinzuinterpretiert)

 

Das dritte Jahrtausend verspricht, ein Jahrhundert enormer Verstädterung und riesiger Stadtagglomerationen zu werden. ForscherInnen gehen davon aus, dass um das Jahr 2025 an die 85 Prozent der EinwohnerInnen des industriellen Nordens in Städten wohnen werden. In den Ländern der sogenannten Dritten Welt sollen es immerhin 55 Prozent sein. Damit würden zum ersten Mal in der Geschichte deutlich mehr Menschen nicht mehr auf dem Land, sondern in städtischen Zonen zu Hause sein.
Vereinheitlichung und Gleichschaltung
Aber nicht nur wegen ihrer Größendimension, sondern auch aufgrund ihrer neuen qualitativen Dynamik scheinen Megastädte das Interesse an sich zu ziehen. Eng verbunden mit den Veränderungen der Weltwirtschaft - Globalisierung der Produktion, Internationalisierung der Finanzmärkte und die enorme Beschleunigung von Information und Transport - verschiebt sich auch die Geografie der Macht. Megastädte werden zu Kristallisationspunkten, und auch die Städte der "Dritten Welt" werden von dieser Dynamik - die immer auch den kalten Hauch des wirtschaftlichen Wettbewerbs mit sich trägt - erfasst.
Aber Wettbewerb zwingt auch dazu, "mitzuhalten", sich anzupassen. In den Städten schreibt sich dieser Anpassungsdruck ebenfalls in der Architektur nieder. Und wie wir nie genau wissen, in welchem H&M wir gerade ein Shirt aus Rumänien gekauft haben - ob in Berlin, in Maribor, Mexico City oder Warschau - genauso unmöglich ist es, die städtischen Ausschnitte auf Konrads Bildern mit Sicherheit zuzuordnen. Erinnerungen und Projektionen verschwimmen, und war das jetzt Chicago 1998 oder doch Dakar 2001?
*Megastadt bzw. Mega-City bezeichnet Städte mit über fünf Millionen EinwohnerInnen.
(e_mu im Artikel "Verschmilzt die Erde zu einer großen Megastadt?", Der Standard, 4.7.04)

 

über kultur (aus soziologischer sicht)

...Die Antworten (auf die Frage nach der Einordnung zweier vorher genannter Beispiele - eines für Natürliches, nicht Veränderbares, und eines für Veränderbares stehend, Anm.) finden sich um das Wissen um das, was Menschen tun können, und in unseren Überzeugungen darüber, was sie tun sollten. An erster Stelle steht die Frage, ob die Tat "in der Macht des Menschen" steht (ob Kenntnisse, Fertigkeiten oder eine Technologie existieren, verfügbar und einsatzfähig sind, um das entsprechende Stückchen oder diesen bestimmten Aspekt der Welt nach Gutdünken umzugestalten). Danach kommt die Frage, ob es einen Standard gibt, eine Norm, der das betreffende Objekt unterworfen werden sollte. Mit anderen Worten: Es gibt Dinge, die vom Menschen verändert und in etwas verwandelt werden können, was sie nicht sind. Solche Dinge sollen anders behandelt werden als jene, die nicht in der Macht des Menschen stehen. Die ersteren nennen wir Kultur, die letzteren Natur. Wenn wir deshalb einen Sachverhalt zur Kultur zählen und nicht zur Natur, implizieren wir, dass das betreffende Objekt veränderbar ist und dass ein wünschenswerter, "angemessener" Endzustand einer solchen Veränderung existiert.
Allein schon das Wort "Kultur" weist mit seinen Assoziationen in diese Richtung. Es stellt die Tätigkeit des Bauern oder Gärtners (in der Bibel wird ja, glaub ich, auch der Mensch hinsichtlich dessen sinnvoller Aufgabe als Gärtner bezeichnet, Anm. ob) vor Augen, der sorgfältig die Anlagen plant, die der Wildnis abgerungen und für Zivilisation gewonnen wurden, der das Saatgut und die zu pflanzenden Setzlinge wählt, ... Aber Bauern und Gärtner tun noch mehr. Sie reißen die unwillkommenen Gäste heraus, die "unerwünschten" Pflanzen, die "von sich aus" wuchsen und dadurch den gepflegten Entwurf der Anlage verdarben, den geplanten Ertrag des Feldes zu verringern drohten oder vom ästhetischen Ideal des Gartens ablenkten. Erwägungen über ihre Einträglichkeit oder die Vorstellung von Ordnung und Schönheit führten überhaupt erst zur Einteilung der Pflanzen - in Nutzpflanzen, die Objekte liebender Sorgfalt, und in Unkräuter, die ausgejätet oder mit chemischen Mitteln beseitigt werden sollen. Bauer und Gärtner sind es, die die Vision von der "Ordnung der Dinge" heraufbeschwören und dann ihre Fertigkeiten und Werkzeuge einsetzen, um diese Visionen zu verwirklichen, um die Realität "ordentlich" zu machen, d.h. ihrer Vision von Ordnung ähnlicher. (Man beachte, dass in den meisten Fällen die vorhandenen Fertigkeiten und Werkzeuge die Grenzen der Imagination von Bauer oder Gärtner bestimmen: Mit einiger Wahrscheinlichkeit werden nur solche Ordnungsvisionen entwickelt, die beim gegenwärtigen Stand der Kultur verwirklicht werden können.) Hierin liegen auch die Kriterien zur Unterscheidung zwischen Ordnung und Unordnung, zwischen der Norm und der Abweichung von der Norm.
Die Tätigkeit von Bauer und Gärtner liefert ein zentrales Beispiel von Kultur als einer absichtsvollen Tätigkeit, und zwar einer ganz spezifischen: Einem bestimmten Abschnitt der Realität wird eine Form auferlegt, die andernfalls nicht dort wäre und ohne derlei Anstrengung auch gewiss nicht entstünde. Die Kultur macht Dinge anders, als sie sind und ohne kulturelle Tätigkeit werden müssen - und erhält sie in dieser hergestellten, künstlichen Form. Kultur ist es um die Einführung und Aufrechterhaltung einer Ordnung zu tun; sie bekämpft alles, was von dieser abweicht und von ihrem Standpunkt aus als Chaos erscheint. Kultur ersetzt oder ergänzt die "Ordnung der Natur" (d.h. den Zustand der Dinge vor jeder menschlichen Einwirkung) durch eine künstliche und geplante. Kultur erzeugt eine künstliche Ordnung nicht nur, sie verleiht ihr auch einen Wert. Kultur impliziert einen Vorzug. Sie lobt eine Ordnung als die beste, ja vielleicht sogar als die einzig gute. Alle Alternativen schwärzt sie als minderwertig, wenn nicht gar als vollständig ordnungslos an.
Wo genau die Grenzlinie zwischen Natur und Kultur verläuft, hängt selbstverständlich von den verfügbaren Fertigkeiten und Kenntnissen ab und davon, ob der Ehrgeiz vorhanden ist, mit ihnen Neuland zu beschreiten. Im großen und ganzen erweitert die Entwicklung von Naturwissenschaft und Technik den Umfang möglicher Bearbeitung bislang "natürlicher" Phänomene und dehnt folglich den Bereich der Kultur aus. ...

Zygmunt Bauman in: Vom Nutzen der Soziologie, Kapitel 8 über Natur und Kultur in dieser Version; weitere Textstellen in der Sammlung beim Thema Anstößiges.

 

Föderalismus

ZU VIEL DES KLEINEN

Von Hansjörg B. und Michel S.

Eine zentrale Schwäche des Schweizer Föderalismus liegt darin, dass die politischen Entscheidungsräume mit den tatsächlichen Lebensräumen nicht mehr übereinstimmen. Die Schweiz ist extrem dezentralisiert und ausserordentlich kleinräumig. Dies führt zu dem, was Föderalismus verhindern sollte: Zentralisierung von Macht und überbordende Umverteilung.

► http://www.weltwoche.ch/artikel/?AssetID=9737

Ein zum Thema Kulturraum Stadt passender Auszug daraus:

"Eine nachhaltige Standortentwicklung ist heute in der Schweiz kaum möglich. Je stärker ein Land fragmentiert ist und je kleiner die wirtschaftspolitisch relevanten Regionen sind, desto grösser ist die Gefahr, dass Agglomerationsvorteile verpasst werden. Die Fragmentierung sichert zwar ein ausgeglichenes Wachstum im ganzen Land. Insgesamt hemmen aber fehlende Grössenvorteile das gesamtwirtschaftliche Wachstum. Städte mit einer bestimmten Grösse sind jedoch die Treibhäuser der Volkswirtschaft. Innovative Milieus entstehen weltweit praktisch ausschliesslich in einem urbanen Umfeld. Für eine stärkere Verdichtung und effektivere Agglomerationsbildung, die ökologisch wie auch ökonomisch Sinn ergibt, brauchte es einen politischen Konsens, eine Art urbane Wachstumskoalition, die sich für die metropolitanen Räume einsetzt."

(Hansjörg Blöchliger, Ökonom, Leiter Struktur-analysen und Benchmarking, BAK Basel Economics. Von ihm erscheint demnächst eine Publikation mit Avenir Suisse: Baustelle Föderalismus. Verlag NZZ. 416 S., Fr. 48.–
Michel Schneider ist Projektleiter bei Avenir Suisse.
Literatur:
Uwe Wagschal, Hans Rentsch, Avenir Suisse (Hg.):
Der Preis des Föderalismus. O. Füssli. 419 S., Fr. 59.–
Verein Metropole Schweiz: Die Schweiz muss neu eingeteilt werden.)

(Textstelle auch angebracht beim Thema Politik)

 

Eine gute Charakterisierung moderner, "abendländischer" Gesellschaften

(wenn auch vielleicht ein wenig zu einseitig negativ angehaucht, was aber auch mit dem Inhalt des Kapitels [in welchem "das Abendland" keine sehr rühmliche Rolle einnimmt], in welchem sie vorgenommen wird, zusammenhängen wird) findet sich in El imperio frente a la diversidad del mundo von Sami Nair (2003), gleich am Anfang des Kapitels Una mirada conflictiva (3. Kapitel des 3. Teiles); die Angabe bezieht sich auf die Ausgabe mit der ISBN 8497933877, welches bislang [2005] noch nicht auf deutsch erhältlich ist)
 

 

Pro Großstadt (bzw. -gesellschaft)

Ansichten und Ideen eines (bekannten) Verhaltensforschers.

...14. Da eine Rückkehr zur Kleingesellschaft weder wünschenswert noch möglich ist, müssen wir uns kulturell an die neuen Lebensbedingungen der Großstadt anpassen. Unsere angeborenen Verhaltensdispositionen müssen dabei in Rechnung gestellt werden. (Im folgenden nennt er Möglichkeiten zur Milderung der aus zwischenmenschlichem Misstrauen, der "naturfremden" Umwelt und der modernen Lebensweise erwachsenden Belastung wie z.B. städtebauliche Maßnahmen oder Kunst, Anm.)

S. 233ff. in: „Wider die Mißtrauensgesellschaft“ von Irenäus Eibl-Eibesfeld, einem der bekanntesten (?) Ethologen (1994, ISBN 3492036821, entdeckt in SoWi-Bibliothek/Biologischer Bereich)

Vgl. auch:

Kulturgeschichtlich hat die soziale Gruppe bzw. der Stamm eine enorme Erweiterung erfahren: Zu Zusammenschlüssen zwischen mehreren Stämmen kam es vermutlich erstmals im Übergangsfeld von der Neusteinzeit zu den frühen Metallkulturen. Die Erweiterung des Machtbereiches über die enge Stammesgrenze hinaus hat Vorteile. Sie betreffen macht und verteidigungspolitische Aspekte, darüber hinaus können sich größere politische Einheiten eher berufliche Spezialisierungen leisten, wie sie in Metallkulturen und Hochkulturen notwendig werden. Die Vorteile von soziopolitischen Zusammenschlüssen gehen nicht ohne Beschränkungen und Sollbestimmungen einher, die das Zusammenleben fördern und erleichtern.

Aus: Biologie und Kultur. Zu den biologischen Bedingungen von Determination und Freiraum in der Kultur von Gerhard Medicus, erschienen in Irenäus Eibl-Eibesfeldt: Zu Person und Werk von Ch. Sütterlin und F. Salter (Hrsg), 2001, ISBN 3361345410, S. 241
 

 

Ad "zivilisiertes" Verhalten

aus biopsychologischer (humanethologischer) Sicht

Vorprogrammierungen, die, kulturell gefördert, für das Zusammenleben vorteilhaft sind Im folgenden Teil wird gezeigt, daß sich soziale Verhaltensdispositionen kulturell dazu nützen lassen, die Kategorisierung von Artgenossen in Gruppenangehörige und Gruppenfremde zumindest teilweise zu überwinden. Die Erweiterung der Kategorie "soziale Gruppe / Stamm" kann wahrscheinlich nur dann zweckmäßig funktionieren, wenn das, was innerhalb des Stammes erwünscht ist, kulturell auch Nachbarstämmen gegenüber praktiziert wird, die zum erweiterten Machtbereich gehören. Das gilt für die Erweiterung bis hin zum Staat: Soziales und sozial attraktives Verhalten, das sich innerhalb des persönlich bekannten Umfeldes stammesgeschichtlich bewährt hat, wird als kollektiver Wert kulturell durch Religionen, Ethik und Gesetze auch Unbekannten gegenüber gefordert. Zu diesen ethischen Errungenschaften gibt es in allen Hochkulturen Beispiele für konvergente kulturelle Entwicklungen (z.B. der Inhalt der Zehn Gebote). Viele kulturelle Normen sind wahrscheinlich das Ergebnis von Reflexionen über Reziprozität und Gerechtigkeit, aber auch von Einsicht in die Bedürfnisse der erweiterten Gruppe. Ein Beispiel dafür ist die goldene Regel, die wahrscheinlich mehrmals unabhängig in der Kulturgeschichte erdacht wurde, von Propheten des alten Testamentes ebenso wie von Konfuzius und Buddha (siehe Fußnoten 1 und 2). Wahrscheinlich ist sie so alt wie die menschliche Sprache, und wahrscheinlich gibt es entsprechende Inhalte, seitdem Aspekte der Perspektivenübernahme verbalisiert werden konnten. Diese kulturellen sozialen Regulative waren und sind einer kulturgeschichtlichen Bewährungsprobe ausgesetzt. Davon sind viele Bereiche der Kultur betroffen. Es bestehen sogar mehr oder minder zweckmäßige Bezüge zwischen dem Spielraum der Freiheit in der Kunst auf der einen Seite und der Natur des Menschen auf der anderen Seite: In allen Kulturen und in allen sozialen Nischen werden Intensität und Häufigkeit von Stimmungsqualitäten durch Wohnkultur, verschiedene Arten von Kunst, Riten und Festen etc. beeinflußt. ...

(1) z.B. Moses: Liebe deinen nächsten, wie dich selbst. Hillel: Was dir selbst unlieb ist, das füg keinem andern zu. Matthäus (7.12): Alles nun, was ihr wollt, daß es euch die Menschen tun, das sollt auch ihr ihnen tun. Leviticus (19.34): Wie ein Einheimischer aus eurer Mitte gelte euch der Fremdling. Buddha: ... nirgends habe ich etwas gefunden, das dem Menschen teurer ist als sein eigenes Ich. Da nun den anderen auch ihr Ich lieb ist, darf, wer sein eigenes Wohl wünscht, keinem anderen ein Leid zufügen. Konfuzius: Sich darauf verstehen, das [einem selbst] Nahe als Beispiel [für das Verhalten gegenüber anderen] zu nehmen, das kann als Methode der Menschlichkeit gelten. Der konfuzianistische Song-Kanzler Wang Anshi [1021-1086] hat vorgeschlagen, die goldene Regel auch in der Außenpolitik anzuwenden.
(2) Kant (1778, z.B. § 7): "Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte."

Aus: Biologie und Kultur. Zu den biologischen Bedingungen von Determination und Freiraum in der Kultur von Gerhard Medicus, erschienen in Irenäus Eibl-Eibesfeldt: Zu Person und Werk von Ch. Sütterlin und F. Salter (Hrsg), 2001, ISBN 3361345410, S. 241f. - Textstelle auch angebracht beim Thema (Un)Glaube (Religion).
 

 

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