Zum Thema

(Un)Gläubiges

neu entdeckt bzw. erdacht:


Glaubensneutrales:
 

Zu den Gemeinsamkeiten von Islam und Christentum

Ein Beitrag, der u.a. die tolerante Seite des Islam v.a. gegenüber dem Christentum bzw. dessen enge Verschränkung damit aufzeigen soll. (ob)

„Von den späteren Propheten sind namentlich diejenigen von Bedeutung, die später in Buchform auf uns gekommen sind, wie Moses, David und Jesus, gelten doch die Thora, der Psalter und das Evangelium als durch den Engel Gabriel übermittelte heilige Schriften. … Propheten, Märtyrer und Glaubenskämpfer und andere bevorrechtigte Personen können jedoch nach einer verbreiteten Anschauung sofort nach dem Tode in die himmlischen Gärten eingehen. Märtyrer sollen in den Kröpfen von grünen Vögeln, die die Freuden und Wasser des Paradieses genießen, die Auferstehung erwarten. Diese Anschauungen sind aber nicht allgemein verbreitet. … Das herannahende Weltende kündigt sich dadurch an, dass die allgemeinen Zeitverhältnisse immer schlechter werden und das islamische Gesetz nicht beachtet wird. Durch das Auftreten eines „Mahdî“ (d.h. von Gott „Geleiteten“) wird dann zwar vorübergehend die Rechtsordnung des Goldenen Zeitalters des Kalifen wiederhergestellt und die Macht des Unglaubens zurückgedrängt, auf die Dauer lässt sich der Verfall aber nicht aufhalten. Denn es tritt ein Antichrist al Dajjâl auf, der viele in die Irre führt, ein apokalyptisches Tier erscheint, und die kriegerischen Völker Gog und Magog richten große Verheerungen an. Rettung bringt die Wiederkunft Christi: `Isâ (Jesus), der nach seiner Himmelfahrt im Himmel geweilt hatte, steigt herab und tötet den Antichrist mit seiner Lanze, vernichtet Gog und Magog und richtet für eine Reihe von Jahren sein Reich des Friedens und der Gerechtigkeit auf. ‚…Christus wird den Islam annehmen, heiraten, Kinder erzeugen, das islamische Gebet verrichten, alle Schweine schlachten und dann die Kopfsteuer der Nichtmuslime aufheben…’ Vierzig Jahre wird Jesus auf Erden bleiben, dann wird er sterben und in Medina neben Mohammed beigesetzt werden. … Die Guten gelangen für immer in das Paradies, wo kühle Ströme fließen und herrliche Fruchtbäume wachsen. Sie trinken dort nichtberauschenden Wein und erfreuen sich an Jungfrauen mit schwellenden Brüsten (Q  78,33), den sogenannten Hûris, die niemand zuvor berührte (Q 55,72). … Mit den Heiden soll so lange gekämpft werden, bis sie den Islam angenommen haben, die „Schriftbesitzer“, d.h. Juden und Christen, dürfen jedoch, wenn sie sich unterworfen haben, ihre Religion weiter ausüben, wenn sie eine Kopfsteuer bezahlen… Der kämpferische Charakter des Islam zeigt sich vor allem im Gebot des heiligen Krieges, der der Ausbreitung der Religion des Propheten dienen soll. Hierin wie in vielem anderen offenbart sich die Tatsache, dass der Islam nicht nur als eine religiöse, sondern auch als eine politische Erscheinung zu werten ist. Mohammed hat nicht nur eine Glaubensbewegung und eine religiöse Gemeinde, sondern auch ein Staatswesen geschaffen, und wenn nach dem Tode des „Gesandten Gottes“ auch das von ihm aufgestellte Ideal einer unlöslichen Verbindung der Religion mit dem arabischen Staat in der Praxis vielfach nicht aufrechterhalten werden konnte, so ist das Postulat doch bis heute lebendig geblieben. … Die verschiedenen Richtungen innerhalb des Islam haben sich auch häufig in blutiger Weise bekämpft. Im allgemeinen aber ist der Mohammedaner toleranter als der Christ. … ‚…tatsächlich ist der Islam im Laufe der Zeit der Ausschließung von Personen oder Gruppen wegen Lehrunterschieden immer mehr abgeneigt geworden.’ Wie in anderen Religionen fehlt es auch im Islam nicht an Denkern, welche in den anderen Religionen gleichberechtigte Gestaltungen menschlichen Glaubens erblicken. („Die fünf Weltreligionen – Hinduismus, Buddhismus, Chinesischer Universismus, Christentum, Islam“, Helmuth von Glasenapp, 1996 [1963], Diederichs Gelbe Reihe, S. 394-409. Speziell in „neo-religiösen“ Zeiten wie diesen würde sich ein Blick in dieses immer noch aktuelle Buch lohnen – v.a. aufgrund der darin enthaltenen verbindenden Betrachtungen.)
 

 

Was Gott an und für sich ist, wissen wir so wenig als ein Käfer weiß, was ein Mensch ist. (Ulrich Zwingli)

 

Glaubensfreundliches:

6 universelle Tugenden?

"... [Amos Oz (korrekte Schreibweise des Namens nicht garantiert)] in einen Kibbuz eintrat, um ein neues Leben zu beginnen. ... (es werden einige Gründe hierfür aufgezählt, Anm. des Mitschreibers) Amos Oz beschreibt dies in seinem neuesten Buch Eine Geschichte von Liebe und Finsternis, ..., das international ein Bestseller wurde. ... (angefügt, weil ich nicht weiß, ob der Oz etwas mit dem Nachfolgenden zu tun hat und für den Fall, dass sich jemand für Kibbuze interessiert, Anm. des Mitschreibers) Am Institut für Psychologie an der Universität in Pennsylvania suchte ein Team in den grundlegenden Schriften der großen Religionen und philosophischen Systeme nach den ihnen allen gemeinsamen Tugenden abseits vom Mainstream-Amerika. 'Wir lasen Aristoteles und Plato, Thomas von Aquin und Augustinus, das Alte Testament und den Talmud, Konfuzius, Buddha, Lao Tse, den Samurai-Code, den Koran, Benjamin Franklin und die Upanishaden - insgesamt 200 Tugendkataloge. Zu unserer Überraschung unterstützten all diese Traditionen - verteilt über 3000 Jahre und die gesamte Erdoberfläche - 6 Tugenden:

Weisheit und Wissen, Mut, Liebe und Humanität, Gerechtigkeit, Mäßigung, Spiritualität und Transzendenz.'

'In Details gab es natürlich Unterschiede', schreibt der Leiter des Teams Martin Seligman (korrekte Schreibweise des Namens nicht garantiert) in seinem von Siegfried Brockert übersetzten Buch Der Glücksfaktor. Was Mut für den Samurai bedeute, unterscheide sich natürlich von dem, was Mut für Plato war, und die Humanität bei Konfuzius sei nicht identisch mit der Caritas bei Thomas von Aquin. 'Aber die Gemeinsamkeiten sind gegeben und für diejenigen unter uns, die als ethische Relativisten aufgewachsen sind, doch sehr erstaunlich. Dies enthüllt den Sinn der Behauptung, der Mensch sei ein moral animal, ein moralisches Lebewesen.' Seligman folgt, wenn er weiter über die Stärken des Charakters schreibt, den Ausführungen des großen Psychoanalytikers Erich Fromm. In den 1970er Jahren erklärte dieser in seinen empirischen Untersuchungen zum Gesellschaftscharakter (= Titel der Schrift?) den Unterschied zwischen einem Verhaltensmerkmal und einem Charakterzug am Beispiel des Muts: 'Mutiges Verhalten lässt sich beschreiben als ein Verhalten, bei dem sich der Mensch in der Verfolgung eines Zieles nicht leicht durch Gefährdung seines Lebens, seiner Gesundheit und Freiheit oder seines Besitzes abschrecken lässt.' Ganz anders sehe es aus, schreibt Fromm, wenn man die oft unbewusste Motivation für mutiges Verhalten betrachte. 'Ein mutiger Mensch kann durch seine Hingabe an ein bestimmtes Ziel oder durch sein Pflichtgefühl motiviert sein.' Meist denke man an diese Motivation, wenn man von Mut als Tugend spreche. ... Ein Mensch kann auch von Eitelkeit, von dem Verlangen nach Anerkennung und Bewunderung motiviert sein. Es sind möglicherweise Selbstmordtendenzen im Spiel und der Verlust des Lebens kann - wenn auch unbewusst - erwünscht sein. Ein Mensch kann auch aus Mangel an Vorstellungskraft mutig sein, der ihn blind macht für Gefahren oder Angst haben, als Feigling angesehen zu werden. ..." (In einem Radiokolleg vom 7.2.05 auf Ö1 über Mut, in dem mich aber besonders die Untersuchung zu den gemeinsamen Tugenden - an sich und deren Ergebnis - interessierte, ob) - auch angebracht beim Thema Philosophie/Glück.

Ob nun der Weg zum glücklichen Dasein über eine geringe Anzahl von für alle Menschen gleichen Tugenden führt oder nicht, ist eine andere Frage. Jedenfalls aber erscheinen solche auf das Auffinden gemeinsamer Lösungen bedachte Bestrebungen (aus der Sicht friedliebender Menschen) v.a. in Zeiten wiederstärkeraufkeimender Fremdenfeindlichkeit wie diesen als sehr wünschenswert.

 Kommentare

 

Ad "zivilisiertes" Verhalten

oder man könnte auch sagen: zum (eigennützigen) Altruismus (siehe hierzu die Textstelle beim Thema Soziales) über die Stammesgrenzen hinaus.

aus biopsychologischer (humanethologischer) Sicht

Vorprogrammierungen, die, kulturell gefördert, für das Zusammenleben vorteilhaft sind Im folgenden Teil wird gezeigt, daß sich soziale Verhaltensdispositionen kulturell dazu nützen lassen, die Kategorisierung von Artgenossen in Gruppenangehörige und Gruppenfremde zumindest teilweise zu überwinden. Die Erweiterung der Kategorie "soziale Gruppe / Stamm" kann wahrscheinlich nur dann zweckmäßig funktionieren, wenn das, was innerhalb des Stammes erwünscht ist, kulturell auch Nachbarstämmen gegenüber praktiziert wird, die zum erweiterten Machtbereich gehören. Das gilt für die Erweiterung bis hin zum Staat: Soziales und sozial attraktives Verhalten, das sich innerhalb des persönlich bekannten Umfeldes stammesgeschichtlich bewährt hat, wird als kollektiver Wert kulturell durch Religionen, Ethik und Gesetze auch Unbekannten gegenüber gefordert. Zu diesen ethischen Errungenschaften gibt es in allen Hochkulturen Beispiele für konvergente kulturelle Entwicklungen (z.B. der Inhalt der Zehn Gebote). Viele kulturelle Normen sind wahrscheinlich das Ergebnis von Reflexionen über Reziprozität und Gerechtigkeit, aber auch von Einsicht in die Bedürfnisse der erweiterten Gruppe. Ein Beispiel dafür ist die goldene Regel, die wahrscheinlich mehrmals unabhängig in der Kulturgeschichte erdacht wurde, von Propheten des alten Testamentes ebenso wie von Konfuzius und Buddha (siehe Fußnoten 1 und 2). Wahrscheinlich ist sie so alt wie die menschliche Sprache, und wahrscheinlich gibt es entsprechende Inhalte, seitdem Aspekte der Perspektivenübernahme verbalisiert werden konnten. Diese kulturellen sozialen Regulative waren und sind einer kulturgeschichtlichen Bewährungsprobe ausgesetzt. Davon sind viele Bereiche der Kultur betroffen. Es bestehen sogar mehr oder minder zweckmäßige Bezüge zwischen dem Spielraum der Freiheit in der Kunst auf der einen Seite und der Natur des Menschen auf der anderen Seite: In allen Kulturen und in allen sozialen Nischen werden Intensität und Häufigkeit von Stimmungsqualitäten durch Wohnkultur, verschiedene Arten von Kunst, Riten und Festen etc. beeinflußt. ...

(1) z.B. Moses: Liebe deinen nächsten, wie dich selbst. Hillel: Was dir selbst unlieb ist, das füg keinem andern zu. Matthäus (7.12): Alles nun, was ihr wollt, daß es euch die Menschen tun, das sollt auch ihr ihnen tun. Leviticus (19.34): Wie ein Einheimischer aus eurer Mitte gelte euch der Fremdling. Buddha: ... nirgends habe ich etwas gefunden, das dem Menschen teurer ist als sein eigenes Ich. Da nun den anderen auch ihr Ich lieb ist, darf, wer sein eigenes Wohl wünscht, keinem anderen ein Leid zufügen. Konfuzius: Sich darauf verstehen, das [einem selbst] Nahe als Beispiel [für das Verhalten gegenüber anderen] zu nehmen, das kann als Methode der Menschlichkeit gelten. Der konfuzianistische Song-Kanzler Wang Anshi [1021-1086] hat vorgeschlagen, die goldene Regel auch in der Außenpolitik anzuwenden.
(2) Kant (1778, z.B. § 7): "Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte."

Aus: Biologie und Kultur. Zu den biologischen Bedingungen von Determination und Freiraum in der Kultur von Gerhard Medicus, erschienen in Irenäus Eibl-Eibesfeldt: Zu Person und Werk von Ch. Sütterlin und F. Salter (Hrsg), 2001, ISBN 3361345410, S. 241f. - Textstelle auch angebracht beim Thema Kultur.
 

 

Ad Ehrlichkeit (wider Lügen > Heucheln)

aus biopsychologischer (humanethologischer) Sicht

Ein anderes Beispiel für ein Verhaltensmerkmal, durch das soziales Zusammenleben erleichtert wird, ist Transparenz. Transparenz bezeichnet das unmittelbare und ehrliche Zeigen eigener innerer Stimmungen und die Unmittelbarkeit und Ehrlichkeit verbaler Mitteilungen. Transparenz hat eine große, das soziale Zusammenleben regulierende Bedeutung: sie hilft, Vertrauen zu stiften und Bindungen zu festigen (Frank, 1992). Wir alle reagieren in unserem sozialen Umfeld auf mimische und verbale Unehrlichkeit sehr empfindlich. Individuen, die durch emotionelle Transparenz vertrauenswürdig wirken, Kooperations- und Hilfsbereitschaft zeigen und die eine hohe Bereitschaft haben, sich nach einem Streit rasch zu versöhnen, erleichtern das Gruppenleben. Versöhnungen erfolgen z.T. sogar durch die Vermittlung dritter, offenbar damit die Gruppenstruktur nicht durch zuviel "kurzsichtigen" Eigennutz destabilisiert wird. Die Einschätzbarkeit einer Gruppenstruktur durch langfristige und vielfältige Erfahrungen ist ein hoher Wert. Die "gruppenwürdigen" Verhaltensweisen ermöglichen es den Mitgliedern, in der Gruppe bleiben zu können oder als Ranghohe nicht den Rückhalt oder die Gruppe zu verlieren. ...

Aus: Biologie und Kultur. Zu den biologischen Bedingungen von Determination und Freiraum in der Kultur von Gerhard Medicus, erschienen in Irenäus Eibl-Eibesfeldt: Zu Person und Werk von Ch. Sütterlin und F. Salter (Hrsg), 2001, ISBN 3361345410, S. 239 - Textstelle auch angebracht bei den Themen Philosophie/Wahrheit und Soziales.
 

 

Der Glaube ist eine Art von sechstem Sinn, der wirksam wird, wenn die Vernunft versagt. (Mahatma Ghandi)

 

Glaubenskritisches:

AD "GUT" UND "BÖSE"

"Jesus spricht von einem Weizenfeld, ...in dem viel guter Samen aufgeht, in dem aber auch Unkraut wächst. Die Wurzeln des Unkrauts und die des Weizens gehen ineinander. ... Jesus selbst zeigt in diesem Bild eine große Gelassenheit: Nein, kein Unkraut ausreißen, 'lasst beides wachsen bis zur Ernte'". (Aus einem christlichen Kommentar in der Tiroler Tageszeitung vom 16.7.05; eigentlich ein schöner Vergleich Jesus´, nur irgendwie ärgerlich, dass er von der Kommentatorin - einer Theologie-Assistentin an der Uni - ein wenig "brutal" und sehr subjektiv interpretiert, ausgelegt wird: sie meint nämlich, nach der Ernte würde das Unkraut verbrannt, nachdem es "säuberlich getrennt" wurde. Nicht selten scheint mir, dass [an eigentlich friedliche Inhalte] gläubige Menschen unter vorgeschützten, schönen Absichten ihren eigenen Frust und die folglichen Aggressionen, ihren Fanatismus oder was auch immer in destruktiver Weise ausleben. Jedenfalls scheinen sie die Brutalo-Erziehungsmethoden des alten Testaments a lá "Auge um Auge, Zahn um Zahn" oder "Jeder, der dennoch das Fett eines Tieres isst, das man als Feueropfer für den Herrn darbringt, soll aus seinen Stammesgenossen AUSGEMERZT werden. Wo immer ihr wohnt, dürft ihr kein Blut genießen, WEDER von Vögeln, noch vom Vieh. Wer Blut genießt, soll aus seinen Stammesgenossen AUSGEMERZT werden." (Buch des Levitikus) - welche Jesus meiner Meinung nach widerlegt hat - noch nicht überwunden zu haben bzw. sie scheinen noch nichts von moderneren, effektiveren Erziehungsmethoden - Belohnung statt Strafe - gehört zu haben. Außerdem spricht sie im Kommentar plötzlich davon, dass es gutes Saatgut gäbe, das von Gott komme und schlechtes Saatgut, "Unkrautsamen", das vom Bösen kommt: ich kenne die Originalbibelstelle nicht, aber laut ihren Zitaten hat Jesus genau diese Klassifizierung verhindern bzw. die Nicht-Unterscheidbarkeit betonen und die gemeinsamen und gleichen Wurzeln [unsere menschliche Natur!?] hervorheben wollen! Wie man auch aus von Gläubigen instrumentalisierten Terroristen schließen kann, sollte man überlieferte Texte wenn möglich selber zu interpretieren - oder einfach beim Wort zu nehmen - versuchen. Ich - als empathischer und höchstens selbst-destruktiver bzw. wenig aggressiver, Gewaltfreiheit bevorzugender, solidarischer... Mensch - stelle mir z.B. die Ernte so vor, dass das "Unkraut" - sollte es nicht ohnehin eine positive Funktion im Leben bzw. für das Leben haben, was dessen Weiterbestand rechtfertigen würde - zwar nicht bestehen bleibt, aber sich [aus den gleichen Bedingungen] in "Weizen" verwandelt sofern es weiterbestehen will [weil es sieht, dass diese andere Daseinsweise "mehr bringt"] - angelehnt vielleicht an Evolutionstheorien - Selektion und Mutation... -, eventuell auch an das Pareto-Kriterium, in Verbindung mit - meinen positiveren - Reinkarnationstheorien; ob 17.7.05 - angebracht deshalb auch bei seinen Meinungen; * Berichtigung: laut meiner Internetrecherche hat Jesus wirklich vom Verbrennen des Unkrauts gesprochen und auch von Samen aus unterschiedlicher Quelle, weshalb ich der Kommentatorin diesbezüglich keinen Vorwurf machen kann)

 

Buñuel, que sentía horrora las multitudes, no concebía la soledad como un bien, sino como una farsa del bien y pensaba que las ideologías y las religiones no eran sino disfraces de intereses puramente egositas. En esta película el director aragonés desarrolló éstas y otras de sus premisas antisociales.
El film es una alegoríaimaginativa sobre el carácter del hombre, representado aquí por los dirigentes de una sociedad cuyo desafavorecedor retrato niega la misma sociedad, desde el ejército a la iglesia. Todo comienza cuando los inivitados a una fiesta de alta burguesía no pueden abandonar el salón.
Simplemente, tienen miedo a salir. Mediante este planteamiento, Buñuel desenmascara los instintos e intenciones encubiertos por una imagen de urbanidad dejando a la vista el grado de egoismo e incomunicación en toda la sociedad. (In einer Kritik zum Film EL ÁNGEL EXTERMINADOR von Buñuel auf ofertadvd.com, entdeckt 3/04)

Texte:

 

Ad Ideologie

Sehr geehrter Herr Beam,
Sie dürfen nicht glauben, dass ich eine Ideologie betriebe! Alles, was so herauskam aus meinem Hirn, hat sich zufällig ergeben.

Hermes Phettberg in seinem im Falter, Ausg. 29/05, erschienenen "Predigtdient" (Auszug auch angebracht beim Thema Politik)
 

 


EINE THEORIE VON DOUGLAS ADAMS ÜBER DIE ERSCHAFFER VON UND DIE HERRSCHER ÜBER DIE ERDE


»Erdling«, sagte er, »wir sind jetzt tief im Herzen Magratheas.«
»Woher wußten Sie, daß ich ein Erdling bin?« fragte Arthur.
»Das alles wird dir noch klarwerden«, sagte der alte Mann sanft, »wenigstens«, fügte er mit leichtem Zweifel in der Stimme hinzu, »klarer als es dir im Augenblick ist.«
Er fuhr fort: »Ich sollte dich vielleicht darauf aufmerksam machen, daß der Raum, in den wir jetzt gleich gelangen, nicht eigentlich im Inneren unseres Planeten liegt. Dazu ist er ein bißchen zu - groß. Wir werden gleich durch ein Tor in einen riesigen Teil
des Hyperraums kommen. Das wird dich vielleicht erschrecken.« Arthur grunzte nervös.
Slartibartfaß berührte einen Sensorknopf und setzte nicht gerade ermutigend hinzu: »Ich krieg nämlich selber jedesmal einen Riesenbammel. Halt dich fest!«
Ihr Luftauto schoß geradewegs in den Lichtkreis hinein, und plötzlich hatte Arthur eine ziemlich klare Vorstellung davon, wie die Unendlichkeit aussieht.

In Wirklichkeit war es gar nicht die Unendlichkeit. Die wirkliche Unendlichkeit sieht fade und uninteressant aus. Wenn man in den Nachthimmel hinaufsieht, blickt man in die Unendlichkeit — alle Entfernungen werden unfaßbar und daher bedeutungslos. Der Raum, in den das Luftauto hineinfuhr, war alles andere als unendlich, er war bloß sehr sehr sehr groß, so groß, daß er einen viel besseren Eindruck von der Unendlichkeit vermittelte als die Unendlichkeit selbst.
Arthur drehte sich‘s im Kopf als sie mit der ungeheuren Geschwindigkeit, die, wie er wußte, das Luftauto erreichen konnte, scheinbar langsam durch die Luft nach oben stiegen und das Tor, durch das sie hereingekommen waren, als unsichtbares Pünktchen in der schimmernden Wand hinter sich ließen.
Die Wand.
Die Wand sprach allen Phantasievorstellungen hohn, brachte sie vom Wege ab und führte sie ad absurdum. Die Wand war so irrsinnig riesig und hoch, daß ihr oberes Ende, ihre Seiten und ihr Fuß den Blicken entschwanden. Allein das Schwindelgefühl, das sie erregte, konnte einen Menschen töten.
Sie wirkte vollkommen gerade, und es wären die allerempfindlichsten Laser-Meßgeräte nötig gewesen, um festzustellen, daß sich die Wand, während sie sich anscheinend bis zur Unendlichkeit erhob, in schwindelerregende Tiefen versank und sich zu beiden Seiten endlos weit erstreckte, außerdem auch krümmte. In einer Entfernung von dreizehn Lichtsekunden stieß sie wieder auf
sich selbst. Mit anderen Worten: die Wand schloß eine Hohlkugel in sich ein, eine Kugel mit einem Durchmesser von über drei Millionen Meilen, deren Inneres in ein Licht getaucht war, das sich jeder Vorstellung entzog.
»Willkommen«, sagte Slartibartfaß, während das winzige Pünktchen, als das das Luftauto erschien, jetzt mit dreifacher Schallgeschwindigkeit unmerklich weiter in den wahnsinnig riesigen Raum hineinkroch, »willkommen«, sagte er, »in unserer Montagehalle.«
Arthur glotzte geradezu wonnevoll entsetzt um sich, In Entfernungen, die er weder schätzen noch auch nur raten konnte, waren eine Reihe seltsamer Hängevorrichtungen angeordnet, zarte Filigrane aus Metall und Licht, die über schattenhaften Kugelformen schwebten, die in dem Raum hingen.
»Hier«, sagte Slartibartfaß, »bauen wir die meisten unserer Planeten, nicht?«
»Heißt das«, sagte Arthur, der versuchte, Worte zu finden, »heißt das, ihr fangt jetzt mit alldem wieder an?«
»Neinnein, um Gottes willen, nein«, rief der Alte aus, »die Galaxis ist noch lange nicht wieder reich genug, um sich uns leisten zu können. Nein, wir sind nur geweckt worden, um einen ganz speziellen Auftrag für sehr ...spezielle Kunden aus einer anderen Dimension auszuführen Vielleicht interessiert er dich ...dahinten direkt gegenüber von uns.«
Arthur folgte dem Finger des Alten, bis er ein schwebendes Gebilde erkennen konnte, auf das er zeigte. Es war auch das einzige von all den vielen Gebilden, das erkennen ließ, daß daran gearbeitet wurde, obwohl das mehr ein unterschwelliger Eindruck war und nichts, wofür man sich verbürgen konnte.
In dem Moment jedoch schoß ein Lichtstrahl durch das ganze Gefüge und ließ die Muster scharf hervortreten, die sich auf der dunklen Kugel in seinem Inneren befanden. Muster, die Arthur kannte: derbe, klecksige Formen, die ihm ebenso vertraut waren, wie die Gestalt der Wörter, die Teil der Ausstattung seines Verstandes waren. Ein paar Augenblicke schwieg er überwältigt, während ihm die Bilder im Kopf rumschwirrten und eine Stelle suchten, wo sie sich niederlassen und einen Sinn ergeben könnten. Ein Teil seines Hirns sagte ihm, er kenne sehr genau, was er da sehe und was die Formen darstellten, während ein anderer Teil sich ganz vernünftig weigerte, diesen Gedanken zuzulassen, und die Verantwortung dafür ablehnte, auch nur noch einen Schritt weiter in diese Richtung zu denken.
Wieder blitzte der Lichtstrahl auf, und diesmal gab es keinen Zweifel mehr.
»Die Erde...«, flüsterte Arthur.
»Naja, sagen wir mal Modell Nummer zwei«, sagte Slartibartfaß heiter. »Wir stellen eine Kopie nach unseren originalen Blaupausen her.«
Es entstand eine Pause.
»Wollen Sie damit sagen«, sagte Arthur langsam und bedacht, »daß ihr auch die erste Erde.. . gebaut habt?«
»Na klar«, sagte Slartibartfaß. »Bist du mal in einem Land gewesen... ich glaube, es hieß Norwegen?«
»Nein«, sagte Arthur, »nein, war ich nie.«
»Schade«, sagte Slartibartfaß, »es war eins von denen, die ich gemacht habe. Hab‘n Preis dafür gekriegt, nicht? Herrlich krickelige Küste. Ich war furchtbar sauer, als ich hörte, daß es zerstört worden ist.«
»Sie waren sauer?!«
»Ja. Fünf Minuten später, und es hätte nicht mehr soviel ausgemacht. Das war eine Mords Pleite.«
»Hä?« sagte Arthur.
»Die Mäuse waren vielleicht wütend.« »Die Mäuse waren wütend?« »Und wie«, sagte der alte Mann sanft, ”Ja, na schön, ich nehme an, das waren die Hunde und die Katzen und die Schnabeltiere auch, aber. .
»Ja schon, aber die hatten nicht dafür bezahlt, nicht?«
»Hören Sie mal«, sagte Arthur, »würde es Ihnen was ausmachen, wenn ich jetzt einfach aufgebe und verrückt werde?«
Eine Weile flog das Luftauto in verlegenem Schweigen weiter. Schließlich versuchte der alte Mann geduldig, Arthur alles zu erklären.
»Erdling, der Planet, auf dem du lebtest, wurde geordert, bezahlt und regiert allein von den Mäusen. Er wurde fünf Minuten vor der Erfüllung des Zwecks, für den er erbaut worden war, zerstört, und wir sind jetzt gerade dabei, einen neuen zu bauen.«
Nur ein Wort hatte sich bei Arthur festgehakt.
»Mäuse?«, sagte er.
»Ganz richtig, Erdling.«
»Also, Moment mal — reden wir auch beide von diesen kleinen weißen pelzigen Dingerchen mit dem Käsekomplex, bei denen die Frauen in den Fernsehklamotten in den frühen sechziger Jahren immer schreiend auf die Tische klettern?«
Slartibartfaß hüstelte höflich.
»Erdling«, sagte er, »es ist manchmal schwer, dem, was du sagst zu folgen. Vergiß nicht ich habe fünf Millionen Jahre im Innern dieses Planeten Magrathea geschlafen und weiß wenig von diesen Fernsehklamotten aus den frühen sechziger Jahren, von denen du redest. Diese Geschöpfe, die du Mäuse nennst, nicht wahr, sind nicht ganz das, was sie scheinen. Sie sind nur die Projektion unsagbar hyperintelligenter, pandimensionaler Wesen in unsere Dimension. Der ganze Quatsch mit dem Käse und dem Quieken ist bloß Tarnung.«
Der Alte machte eine Pause, dann fuhr er mit einem mitleidigen Stirnrunzeln fort: »Sie haben euch nur als Versuchskaninchen benutzt, fürchte ich.«
Arthur dachte einen Moment darüber nach, dann erhellte sich sein Gesicht.
»Neinnein«, sagte er, »ich weiß jetzt, wo das Mißverständnis liegt. Nein, also, passen Sie mal auf, in Wirklichkeit haben wir die Versuche mit ihnen angestellt. Sie wurden oft in der Verhaltens-
forschung verwendet, Pawlow und der ganze Kram. Und dabei wurden die Mäuse allen möglichen Tests unterworfen, in denen sie lernten, Klingeln zu betätigen, in Labyrinthen rumzulaufen und so weiter, so daß man ihren Lernprozeß untersuchen konnte. Aus der Beobachtung ihres Verhaltens konnten wir alles Mögliche über unser Verhalten lernen...«
Arthurs Stimme wurde immer leiser.
»Welch ein Raffinement...«, sagte Slartibartfaß, »man muß es einfach bewundern.«
»Was?« sagte Arthur.
»Wie hätten sie ihr wahres Wesen besser verbergen und euer Denken besser lenken können? Plötzlich im Labyrinth verkehrt rum laufen, das falsche Käsestückchen essen, unerwartet an Tollwut sterben — wenn das raffiniert berechnet wird, ist die zusätzliche Wirkung enorm,«
Er machte um der Wirkung willen eine Pause.
»Siehst du, Erdling, sie sind wirklich ganz besonders clevere hyperintelligente, pandimensionale Wesen. Euer Planet und seine Bewohner bildeten die Matrix eines organischen Computers, der ein Zehn-Millionen-Jahre-Forschungsprogramm durchführte. Ich werd dir die ganze Geschichte erzählen, Aber wir brauchen ein bißchen Zeit dazu.«
»Zeit«, sagte Arthur schwach, »gehört im Augenblick nicht zu meinen Problemen.«

(Douglas Adams in Per Anhalter durch die Galaxis; an Textstelle erinnert von ob und mit freundlicher Unterstützung vom Douglas Adams-Experten marvin [www.rhein-neckar.de/bguenter] in elektronischer Form erhalten)
 

Empfehlungen:


Warten auf Godot
von Samuel Beckett

Sehr bekanntes Theaterstück des 20. Jhdts. über (ertragslose?) Sinnsuche.
 

Von MitdenkerInnen zu diesem Thema neu Erdachtes bzw. Entdecktes