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Ad Glück:
Zur "goldenen Mitte"
Der Philologe O.Univ.-Prof. Dr. Karlheinz Töchterle merkte in einer
Vorlesung zum Thema Glück ("Was ist Glück? Antike Konzepte zu gelingendem
Leben") im Herbst 2005 zur Mesoslehre (Mesos...Mitte) von Aristoteles
an, dass diese weniger mit eher negativ besetzter Mittelmäßigkeit (mediocritas),
sondern eher mit der "goldenen Mitte" (aus der Populärphilosophie, Horaz; weil
aurea mediocritas - von Aristoteles verwendet? - und aurea ist
positiv besetzt) assoziiert werden sollte. Aristoteles meinte z.B., dass
Triebe nur schlecht sind, wenn sie einseitig sind, man sie in einer Mittellage
halten muss, womit sie dann angebracht und gut sind. Schlecht sind bspw.
Feigheit und Tollkühnheit, gut Tapferkeit. Oder auch Fresssucht und Magersucht
können als schlecht weil extrem gesehen werden. Hingegen müsse der
Mensch seinen Affekten Raum geben (z.B. dem sexuellen oder Esstrieb), weil
sonst seine Gattung ausstirbt. Und auch Zorn und der Aggressionstrieb dienen
bspw. zur Abwehr von Gefahren, zum Schutz... (Genauso haben Emotionen - soviel
ich weiß - die evolutionär gesehen wichtige Funktion, schnelle und
gleichzeitig - dank der Erfahrung, auf welcher sie beruhen und welche sie
widerspiegeln - gute Entscheidungen zu ermöglichen, scheinen aber in vielen
Fällen der Kontrolle bzw. Mäßigung durch die Vernunft zu bedürfen, Anm.
ob) Aristoteles sei ein Philosoph der Mitte (kein Extremist), was unter
anderem sein (philosophisches, wissenschaftliches?) Vorgehen (die Analyse)
zeigt. (Ende der recht freien Wiedergabe der Ausführungen des Professors)
Was kann man aus diesen Ausführungen lernen? Vielleicht, dass es besser
ist, sich vielseitig als einseitig zu beschäftigen, sich unterschiedlichen
Dingen zu widmen als sich auf etwas zu spezialisieren, ... Als Vertreter einer
ähnlichen Ansicht könnte man die ökonomische Kosten/Nutzen-Analyse anfügen
(des weiteren natürlich auch bspw. generell die wissenschaftliche,
pro-objektive Abwägung von Vor- und Nachteilen bzw. Beleuchtung möglichst
aller Seiten einer Sache). Diese drückt normalerweise aus, dass der
Grenznutzen eines Gutes (der aus einer zusätzlichen Einheit eines Gutes
erwachsende Nutzen) mit dessen Menge sinkt und die Grenzkosten im Gegenzug
steigen und sieht abgebildet meist so aus:

Die optimale Menge liegt im Schnittpunkt (projiziert auf die Mengenachse)
von Grenzkosten und Grenznutzen. (Die Kurven könnten natürlich auch gekrümmt,
gewellt, ungleichmäßiger, in gewissen Fällen vertauscht, etc. sein) Denn würde
die Menge darüber liegen, würden die Kosten der (Erstellung oder Nutzung der)
zusätzlichen Einheit(en) über dem daraus entstehenden Nutzen liegen. Würde sie
darunter liegen, verhält es sich genau umgekehrt, das heißt der Nutzen der
(Erstellung oder Nutzung der) zusätzlichen Einheit(en) liegt über deren
Kosten. (Dieses Modell ist natürlich schwer objektivierbar - Nutzen kann
bislang nicht wissenschaftlich anerkannterweise gemessen, "kardinalisiert"
werden und wird deshalb in der ökonomischen Theorie nur ordinal verwendet -,
wird aber von Ökonomen dennoch oft als Rechtfertigung für politische oder
wirtschaftliche Maßnahmen herangezogen, z.B. indem sie Kosten und Nutzen auf
finanzielle Werte reduzieren, was aber vor allem bei der Bewertung von nicht
im Markt handelbaren Gütern wie z.B. saubere Luft zu gröberen Verletzungen der
von ihnen selbst postulierten Konsumentensouveränität führt.) Als
praktisches Beispiel für eine solche Kosten/Nutzen-Struktur könnte man eine
sportliche Aktivität nennen: normalerweise wird sie ab einem gewissen Ausmaß
einfach langweilig oder die Opportunitätskosten (versäumte Arbeit,
Gesundheitsschäden, usw.) steigen. Andererseits könnte sie aber auch erst ab
einem gewissen Ausmaß "rentabel" werden und dann immer noch rentabler: man
denke an Spitzensportler. Erfahrungsgemäß werden diese im Laufe der Zeit aber
auch mit größeren Problemen (Kosten) konfrontiert (körperliche Schäden,
Sinnkrisen, o.ä.) und machen allgemein "extreme", "fanatische" Menschen meist
keinen sehr glücklichen Eindruck. Hingegen könnte eine gute Mischung aus z.B.
geistiger Aktivität wie Lesen und körperlicher Aktivität wie Bergsteigen
(genannten Theorien und u.U. auch der Erfahrung nach) eher ein Ergebnis in der
Nähe des theoretischen Optimums hervorbringen. Man beobachte die
Nutzenzuwächse bei seinen täglichen Aktivitäten: zumeist werden diese am
Anfang der Aktivitäten am größten sein ...
(ob, 4/06; auch angebracht beim Thema System und aufgrund seines
nicht unwesentlichen Beitrags zu diesem Beitrag auch bei seinen
themenspezifischen Meinungen)
Zum Zusammenhang von Glück und Tugend
...eine Textstelle von Thomas Mann: "Ich war sehr glücklich. Ich war mir
kostbar und liebte mich - auf jene gesellschaftlich nur ersprießliche Art,
welche die Liebe zu sich selbst als Liebenswürdigkeit gegen andere nach außen
schlagen lässt." (in:
Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, Drittes Buch,
Fünftes Kapitel, 2. Absatz) ...und eine von Cervantes: "Aufgrund des mit
von Gott verliehenen natürlichen Verständnisses weiß ich, dass alles Schöne
liebenswert ist." (Aus einer Rede der wunderschönen Marcela in:
El Ingenioso Hidalgo don Quijote
de la Mancha, Kapitel XIV) (Textstellen auch angebracht beim Thema
Soziales)
Ad Leben:
Philosophisches von Thomas Mann
"'...Wollen wir aber von Abstammung reden, so stammt der Mensch vom Tier,
ungefähr wie das Organische aus dem Unorganischen stammt. Es kam etwas hinzu.'
'Hinzu? Was, wenn ich fragen darf?' 'Ungefähr das, was hinzukam, als aus dem
Nichts das Sein entsprang. Haben Sie je von Urzeugung gehört?' ... 'Es hat
nicht eine, sondern drei Urzeugungen gegeben: Das Entspringen des Seins aus
dem Nichts, die Erweckung des Lebens aus dem Sein und die Geburt des
Menschen.' ... Vorgebeugt saß ich und hörte dem kuriosen Reisegefährten zu,
der mir vom Sein sprach, vom Leben, vom Menschen - und vom Nichts, aus dem
alles gezeugt sei und in das alles zurückkehren werde. Ohne Zweifel, sagte er,
sei nicht nur das Leben auf Erden eine verhältnismäßig rasch vorübergehende
Episode, das Sein sei selbst eine solche - zwischen Nichts und Nichts.
Es habe das Sein nicht immer gegeben und werde es nicht immer geben. Es habe
einen Anfang gehabt und werde ein Ende haben, mit ihm aber Raum und Zeit, denn
die seien nur durch das Sein und durch dieses aneinander gebunden. Raum, sagte
er, sei nichts weiter als die Ordnung oder Beziehung materieller Dinge
untereinander. Ohne Dinge, die ihn einnähmen, gäbe keinen Raum und keine Zeit,
denn Zeit sei nur eine durch das Vorhandensein von Körpern ermöglichte Ordnung
von Ereignissen, das Produkt der Bewegung, von Ursache und Wirkung, deren
Abfolge der Zeit Richtung verleihe, ohne welche es Zeit nicht gebe. Raum- und
Zeitlosigkeit aber, das sei die Bestimmung des Nichts. Dieses sei
ausdehnungslos in jedem Sinn, stehende Ewigkeit, und nur vorübergehend sei es
unterbrochen worden durch das raum-zeitliche Sein. Mehr Frist, um Äonen mehr,
sei dem Sein gegeben als dem Leben; aber einmal, mit Sicherheit, werde es
enden, und mit ebensoviel Sicherheit entspreche dem Ende ein Anfang. Wann habe
die Zeit, das Geschehen begonnen? Wann sei die erste Zuckung des Seins aus dem
Nichts gesprungen kraft eines 'Es werde', das mit unweigerlicher Notwendigkeit
bereits das 'Es vergehe' in sich geschlossen habe? Vielleicht sei das 'Wann'
des Werdens gar nicht so lange her, das 'Wann' des Vergehens gar nicht so
lange hin - nur einige Billionen Jahre her und hin vielleicht... Unterdessen
feiere das Sein sein tumultuöses Fest in den unermesslichen Räumen, die sein
Werk seien und in denen es Entfernungen bilde, die von eisiger Leere starrten.
Und er sprach mir vom Riesenschauplatz dieses Festes, dem Weltall, diesem
sterblichen Kinde des ewigen Nichts, ausgefüllt mit materiellen Körpern ohne
Zahl ... Das Leben, hervorgerufen aus dem Sein, wie dieses einst aus dem
Nichts, - das Leben, diese Blüte des Seins, - es habe alle Grundstoffe mit der
unbelebten Natur gemein, - nicht einen einzigen habe es aufzuweisen, der nur
ihm gehöre. Man könne nicht sagen, dass es sich unzweideutig gegen das bloße
Sein, das unbelebte, absetze. Die Grenze zwischen ihm und dem Unbelebten sei
fließend. ... Das Organische selbst kenne die klare Grenze nicht zwischen
seinen Arten. Das Tierische gehe ins Pflanzliche über dort, wo es am Stengel
sitze und Rund-Symmetrie, Blütengestalt annehme, das Pflanzliche ins
Tierische, wo es das Tier fange und fresse, statt aus dem Mineralischen Leben
zu saugen. Aus dem Tierischen sei durch Abstammung, wie man sage, in
Wirklichkeit durch ein Hinzukommendes, das so wenig bei Namen zu nennen sei
wie das Wesen des Lebens, wie der Ursprung des Seins, der Mensch
hervorgegangen. Aber der Punkt, wo er schon Mensch sei und nicht mehr Tier,
oder nicht mehr nur Tier, sei schwer zu bestimmen. Der Mensch bewahre das
Tierische, wie das Leben das Unorganische in sich bewahre; ... Alle Natur, von
ihren frühesten ... Formen bis zu den entwickeltsten und höchst lebendigen,
sei immer versammelt geblieben und bestehe nebeneinander fort ... Es gebe den
Fortschritt, ... ohne Zweifel gebe es ihn, vom Pithecanthropus erectus bis zu
Newton und Shakespeare, das sei ein weiter, entschieden aufwärts führender
Weg. Wie es sich aber verhalte in der übrigen Natur, so auch in der
Menschenwelt: auch hier sei immer alles versammelt, alle Zustände der Kultur
und Moral, alles, vom Frühesten bis zum Spätesten, vom Dümmsten bis zum
Gescheitesten, vom Urtümlichsten, Dumpfesten, Wildesten bis zum Höchst- und
Feinstentwickelten bestehe allezeit nebeneinander in dieser Welt, ja oft werde
das Feinste müd´ seiner selbst, vergaffe sich in das Urtümliche und sinke
trunken ins Wilde zurück. ...was den homo sapiens auszeichne vor aller andern
Natur ... Es sei das Wissen von Anfang und Ende. ...das Leben, dass es nur
eine Episode sei. Fern davon nämlich, dass Vergänglichkeit entwerte, sei
gerade sie es, die allem Dasein Wert, Würde und Liebenswürdigkeit verleihe.
Nur das Episodische, nur was einen Anfang habe und ein Ende, sei interessant
und errege Sympathie, beseelt wie es sei von Vergänglichkeit. So sei aber
alles - das ganze kosmische Sein sei beseelt von Vergänglichkeit, und ewig,
unbeseelt darum und unwert der Sympathie, sei nur das Nichts, aus dem es
hervorgerufen worden zu seiner Lust und Last. Sein sei nicht Wohlsein; es sei
Lust und Last... alle Materie habe teil... an der Empfindung, welche den
Menschen, den Träger der wachsten Empfindung, zur Allsympathie lade." (aus:
"Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull", Drittes Buch,
Fünftes Kapitel, bzw. S. 211ff in der Fischer Ausgabe von 1970; auf speziell diese biologisch-, physikalisch- und
astronomisch-philosopischen Ausführungen wurde auch in einer Radiosendung 2005
auf Ö1 einmal verwiesen...)
Ad Denken:
Zum positiven Denken
Fragmente eines interessanten Artikels zum Thema, wie man (unausweichlichen)
Veränderungen erfolgreich begegnet: "Dass sich der gewohnte Gang in die Zukunft
fortschreiben lässt, ist sehr unwahrscheinlich. Im überlegten Umgang mit dem
Geld, in einer gesundheitsbewussten Lebensweise, in der Pflege von Kontakten, in
der vorausschauenden Weiterbildung. Und vor allen Dingen im gezielten Bemühen,
die immer weniger gegebene äußere Stabilität durch eine immer fester gefügte
innere Stabilität abzufangen. Wie gelingt das? Wie Forschungsergebnisse zeigen,
wird die innere, die mentale Stabilität maßgeblich von der Art und Weise
bestimmt, wie und was ein Mensch denkt. Denn es sind eben nicht die äußeren
Ereignisse, die vor allem dafür verantwortlich sind, dass man aus der Fassung
gerät oder ganz und gar aus der Bahn geworfen wird. Das Denken darüber
entscheidet vor allem, ob ein Ereignis zum Problem oder zur Herausforderung
wird. Und damit über das Vermögen, mit sich verändernden Lebensumständen
offensiv umzugehen. Der Berliner Philosoph und Privatdozent Wilhelm Schmid
beschreibt diese Tatsache in seinem Buch 'Schönes Leben - Einführung in die
Lebenskunst' so: Die wichtigste Lebenshilfe wird auf der Ebene des Denkens
geleistet, denn allzu häufig sind wir nicht etwa das Opfer äußerer, anonymer
Mächte oder innerer, psychischer Strukturen, sondern Opfer eines Denkens, das
uns über eine Sache dies und nichts anderes denken lässt. ... Ob es jemand
schafft, neue neuronale Netze, sprich Nervenzellverbindungen im Kopf aufzubauen
und dadurch von Herausforderung zu Herausforderung standfester, souveräner und
auch erfolgreicher wird [entscheidet vor allem darüber, ob z.B. ganz neue
Arbeitsbedingungen zur immer unerträglicheren Last werden oder trotz allem auch
noch Freude bereiten, ob sie resignativ immer tiefer in eine Sackgasse führen
oder in den freien Raum sich immer wieder neu erschließender Möglichkeiten]. ...
Das Denken ist die Ursache, und Ihr Leben, Ihr Körper, Ihr Erfolg sind die
Wirkung. Und weil wir mit unserem Denken und unserer Einstellung die Ursache für
unser Leben setzen, versetzt uns das in die absolute Macht, aber auch in die
Verantwortung, innerhalb des Schicksals, der Gene, des Rahmens, in den wir
hineingeboren wurden, dieses für unser Fortkommen so wichtige Denken zu
gestalten. ...diese lebensprägende Macht des Denkens [ist] keine Erkenntnisblüte
unseres wissenschaftlichen Zeitalters, ... [sondern] damit wird nur uraltes
Wissen neu entdeckt. 'Die Menschen werden nicht durch die Dinge, die passieren,
beunruhigt, sondern durch die Gedanken darüber', [schrieb vor knapp 2000 Jahren
der griechische Philosoph Epiktet]. Und auch der große Philosoph unter den
römischen Kaisern, Marc Aurel, machte im zweiten nachchristlichen Jahrhundert
seine Zeitgenossen gerne darauf aufmerksam: 'Unser Leben ist, was unser Denken
daraus macht.' Wie kann sich ein Mensch aus den gewohnten, eingefahrenen
Denkbahnen lösen? Und damit für neue Nervenzellnetze im Gehirn sorgen? ... diese
mentale Neuprogrammierung erfordert Anstrengung, Beharrlichkeit und kritische
Selbstbeobachtung. Aber, sagt [der Psychologieprofessor Hans Eberspächer], 'ich
weiß auch, um wie viel das Leben leichter wird, wenn das problem- und
katastrophenfixierte Denken überwunden und ein 'zupackenderes',
lösungsorientierteres Denken mehr und mehr die Oberhand gewinnt!'. ... er rät,
sich besonders auf die folgenden Punkte zu konzentrieren:
Selbstgesprächsregulation [zuversichtliche Gedanken aufbauen statt Selbstzweifel
thematisieren...], Vorstellungsregulation [Vorstellungen steuern unser Können,
Handeln und Auftreten ... Zielorientierte Vorstellungen statt ängstliche
Vorstellungen oder Katastrophendenken], Aufmerksamkeitsregulation [nicht nur an
gestern und morgen denken, sondern vor allem im Hier und Jetzt verankertsein,
was leistungsfähig etc. macht...], Kompetenzüberzeugung [das einsetzen, was man
hat und nicht laufend darüber nachgrübeln, woran es einem mangelt; allerdings
auch nicht Schwächen vor sich selbst verleugnen... trotz diesen durch Besinnung
auf Stärken von sich selbst überzeugt sein ...] und Regeneration [Wechsel
zwischen Spannung und Entspannung, Belastung und Erholung nutzen, regenerative
Phasen und Situationen als unverzichtbare Kraftquelle einschalten, um das eigene
Denken nicht aus purer Erschöpfung in Negativklischees absinken zu lassen ...]."
(Für den vollständigen Text und Literaturtipps dazu siehe den
Standard vom 25.3.06, S. K29; Textfragmente auch angebracht beim Anstößigen)
Ad Glück:
6 universelle Tugenden?
"... [Amos Oz (korrekte Schreibweise des Namens nicht garantiert)] in einen
Kibbuz eintrat, um ein neues Leben zu beginnen. ... (es werden einige Gründe
hierfür aufgezählt, Anm. des Mitschreibers) Amos Oz beschreibt dies in seinem
neuesten Buch Eine Geschichte von Liebe und Finsternis, ..., das
international ein Bestseller wurde. ... (angefügt, weil ich nicht weiß,
ob der Oz etwas mit dem Nachfolgenden zu tun hat und für den Fall, dass sich
jemand für Kibbuze interessiert, Anm. des Mitschreibers) Am Institut für
Psychologie an der Universität in Pennsylvania suchte ein Team in den
grundlegenden Schriften der großen Religionen und philosophischen Systeme nach
den ihnen allen gemeinsamen Tugenden abseits vom Mainstream-Amerika. 'Wir lasen
Aristoteles und Plato, Thomas von Aquin und Augustinus, das Alte Testament und
den Talmud, Konfuzius, Buddha, Lao Tse, den Samurai-Code, den Koran, Benjamin
Franklin und die Upanishaden - insgesamt 200 Tugendkataloge. Zu unserer
Überraschung unterstützten all diese Traditionen - verteilt über 3000 Jahre und
die gesamte Erdoberfläche - 6 Tugenden:
Weisheit und Wissen, Mut, Liebe und Humanität, Gerechtigkeit, Mäßigung,
Spiritualität und Transzendenz.'
'In Details gab es natürlich Unterschiede', schreibt der Leiter des Teams
Martin Seligman (korrekte Schreibweise des Namens nicht garantiert) in seinem
von Siegfried Brockert übersetzten Buch Der Glücksfaktor. Was Mut für den
Samurai bedeute, unterscheide sich natürlich von dem, was Mut für Plato war, und
die Humanität bei Konfuzius sei nicht identisch mit der Caritas bei Thomas von
Aquin. 'Aber die Gemeinsamkeiten sind gegeben und für diejenigen unter uns, die
als ethische Relativisten aufgewachsen sind, doch sehr erstaunlich. Dies
enthüllt den Sinn der Behauptung, der Mensch sei ein moral animal, ein
moralisches Lebewesen.' Seligman folgt, wenn er weiter über die Stärken des
Charakters schreibt, den Ausführungen des großen Psychoanalytikers Erich Fromm.
In den 1970er Jahren erklärte dieser in seinen empirischen Untersuchungen zum
Gesellschaftscharakter (= Titel der Schrift?) den Unterschied zwischen einem
Verhaltensmerkmal und einem Charakterzug am Beispiel des Muts: 'Mutiges
Verhalten lässt sich beschreiben als ein Verhalten, bei dem sich der Mensch in
der Verfolgung eines Zieles nicht leicht durch Gefährdung seines Lebens, seiner
Gesundheit und Freiheit oder seines Besitzes abschrecken lässt.'
Ganz anders sehe es aus, schreibt Fromm, wenn man die oft unbewusste Motivation
für mutiges Verhalten betrachte. 'Ein mutiger Mensch kann durch seine Hingabe an
ein bestimmtes Ziel oder durch sein Pflichtgefühl motiviert sein.' Meist denke
man an diese Motivation, wenn man von Mut als Tugend spreche. ... Ein Mensch
kann auch von Eitelkeit, von dem Verlangen nach Anerkennung und Bewunderung
motiviert sein. Es sind möglicherweise Selbstmordtendenzen im Spiel und der
Verlust des Lebens kann - wenn auch unbewusst - erwünscht sein. Ein Mensch kann
auch aus Mangel an Vorstellungskraft mutig sein, der ihn blind macht für
Gefahren oder Angst haben, als Feigling angesehen zu werden. ..." (In einem
Radiokolleg vom 7.2.05 auf Ö1 über Mut, in dem mich aber besonders die
Untersuchung zu den gemeinsamen Tugenden - an sich und deren Ergebnis -
interessierte, ob) - auch angebracht beim Thema (Un)Glaube.
Ob nun der Weg zum glücklichen Dasein über eine geringe Anzahl von für alle Menschen gleichen Tugenden führt oder nicht, ist eine andere Frage. Jedenfalls aber erscheinen solche auf das Auffinden gemeinsamer Lösungen bedachte Bestrebungen (aus der Sicht friedliebender Menschen) v.a. in Zeiten wiederstärkeraufkeimender Fremdenfeindlichkeit wie diesen als sehr wünschenswert.
Kommentare
Über das Gute am
Schlechten: "Sie lassen den Kopf hängen,
Sie zeigen sich schlaff, und das mit völligem Unrecht. Denn die bunten und
lustigen Möglichkeiten des Lebens beginnen so recht erst jenseits jener
gründlich aufräumenden Katastrophe, die man treffend als den bürgerlichen
Tod bezeichnet, und eine der hoffnungsreichsten Lebenslagen ist die, wenn
es uns so schlecht geht, dass es uns nicht mehr schlechter gehen kann." (Eine vieler gut getroffener Aussagen - scheinbar nicht umsonst ist im
Vorwort die Meinung "Es gibt Stellen im Felix Krull, die Anwartschaft auf
immerwährende Berühmtheit haben" zu lesen- Thomas Manns in "Bekenntnisse des
Hochstaplers Felix Krull"; die zitierte Textstelle ist nachlesbar auf den Seiten
53 und 54 bzw. im dritten Kapitel des "zweiten Buches" in der Ausgabe der
"Fischer Bücherei" von 1970)
Antike (philosophische) Überlegungen zum Glück - Pflege der Weisheit
als höchstes Glück
[Sokrates?:] "... Mag dies der Geist oder etwas anderes sein, was seiner
Natur nach als das Herrschende und Leitende auftritt und das Schöne und
Göttliche zu erkennen vermag, oder sei es selbst göttlich oder das Göttliche
in uns: immer wird die seiner eigentümlichen Tugend gemäße Tätigkeit die
vollendete Glückseligkeit sein ... Der Geist nämlich ist das beste in uns, und
die Objekte des Geistes sind wieder die besten im ganzen Bereich der
Erkenntnis. Sodann ist sie die anhaltendste. Anhaltend denken können wir
leichter als irgend etwas anderes anhaltend tun. [Dauer = wichtig für das
Glück, Anm. des textinterpretierenden Professors] Ferner glauben wir, dass der
Glückseligkeit Lust beigemischt sein muss. Nun ist aber unter allen
tugendgemäßen Tätigkeiten die der Weisheit zugewandte eingestandenermaßen die
genussreichste. Und in der Tat bietet die Philosophie Genüsse von wunderbarer
Reinheit und Beständigkeit; natürlich ist aber die Tätigkeit und das Leben
noch genußreicher, wenn man schon weiß, als wenn man erst sucht ... Die
Glückseligkeit scheint weiterhin in der Muße zu bestehen. Wir opfern unsere
Muße, um Muße zu haben, und wir führen Krieg, um in Frieden zu leben. Die
praktischen Tugenden äußern ihre Tätigkeit in der Politik oder im Kriege. Die
Aktionen auf diesen Gebieten aber dürften sich mit der Muße kaum vertragen,
die kriegerische Tätigkeit schon gar nicht ... Aber auch die Politik verträgt
sich nicht mit der Muße und verfolgt neben den öffentlichen Angelegenheiten
als solchen den Besitz von Macht und Ehren oder die Glückseligkeit für die
eigene Person und die Mitbürger als ein Ziel, das von der Politik verschieden
ist ... wenn dagegen die betrachtende Tätigkeit des Geistes an Ernst
hervorzutragen scheint, und keinen anderen Zweck hat als sich selbst, auch
eine eigentümliche Lust in sich schließt, die die Tätigkeit steigert, so sieht
man klar, dass in dieser Tätigkeit, soweit es menschenmöglich ist, die
Autarkie, die Muße, die Freiheit von Ermüdung und alles, was man sonst noch
dem Glückseligen beilegt, sich finden wird. Somit wäre diese die vollendete
Glückseligkeit des Menschen, wenn sie auch noch die volle Länge eines Lebens
dauert. Denn nichts, was zur Glückseligkeit gehört, darf unvollkommen sein.
Aber ein solches Leben ist höher als es dem Menschen als Menschen zukommt.
Denn so kann er nicht leben, sofern er Mensch ist, sondern nur sofern er etwas
Göttliches in sich hat. So groß aber der Unterschied ist zwischen diesem
Göttlichen selbst und dem aus dem Leib und Seele zusammengesetzten Wesen, so
groß ist auch der Unterschied zwischen der Tätigkeit, die von diesem
Göttlichen ausgeht, und allem sonstigen tugendgemäßen Tun. Ist nun der Geist
im Vergleich mit dem Menschen etwas Göttliches, so muss auch das Leben nach
dem Geiste im Vergleich mit dem menschlichen Leben göttlich sein." ("Pflege
der Weisheit als höchstes Glück", 10. Buch S. 1176a ff [der Nikomadischen
Ethik Aristoteles, übersetzt von Gigou? und erhätlich als Reclam Nr. 86?]; von
einem kopierten Text in einer universitären Vorlesung 05 über ~ "Antike
Glückskonzepte") - auch angebracht beim Unterpunkt
Denken allgemein
Ad Ich:
Ich bin - ich weiß nicht wer
Ich komme - ich weiß nicht woher
Ich gehe - ich weiß nicht wohin
Mich wundert´s
dass ich so fröhlich bin.
(~Gedicht, Herkunft nicht genau bekannt, wahrscheinlich aus dem Mittelalter
laut Ö1)
Ad Tod:
"Der Tod ist ehrwürdig als Wiege des Lebens,
als Mutterschoß der Erneuerung." (Thomas Mann, Zauberberg, zitiert in: „Leben
heißt Sterben“ von Heinrich K. Erben, S. 254, 1981,
ISBN 345508818X)
Ad Zeit:
Ticking away the moments that make up a dull day
You fritter and waste the hours in an off hand way
Kicking around on a piece of ground in your home town
Waiting for someone or something to show you the way
Tired of lying in the sunshine staying home to watch the rain
You are young and life is long and there is time to kill today
And then one day you find ten years have got behind you
No one told you when to run, you missed the starting gun
And you run and you run to catch up with the sun, but it’s sinking
And racing around to come up behind you again
The sun is the same in the relative way, but you’re older
Shorter of breath and one day closer to death
(Pink Floyd › Time)
Ad Wahrheit:
Ad Ehrlichkeit (wider Lügen > Heucheln)
aus biopsychologischer (humanethologischer) Sicht
Ein anderes Beispiel für ein Verhaltensmerkmal, durch das soziales
Zusammenleben erleichtert wird, ist Transparenz. Transparenz bezeichnet das
unmittelbare und ehrliche Zeigen eigener innerer Stimmungen und die
Unmittelbarkeit und Ehrlichkeit verbaler Mitteilungen. Transparenz hat eine
große, das soziale Zusammenleben regulierende Bedeutung: sie hilft, Vertrauen
zu stiften und Bindungen zu festigen (Frank, 1992). Wir alle reagieren in
unserem sozialen Umfeld auf mimische und verbale Unehrlichkeit sehr
empfindlich. Individuen, die durch emotionelle Transparenz vertrauenswürdig
wirken, Kooperations- und Hilfsbereitschaft zeigen und die eine hohe
Bereitschaft haben, sich nach einem Streit rasch zu versöhnen, erleichtern das
Gruppenleben. Versöhnungen erfolgen z.T. sogar durch die Vermittlung dritter,
offenbar damit die Gruppenstruktur nicht durch zuviel "kurzsichtigen"
Eigennutz destabilisiert wird. Die Einschätzbarkeit einer Gruppenstruktur
durch langfristige und vielfältige Erfahrungen ist ein hoher Wert. Die
"gruppenwürdigen" Verhaltensweisen ermöglichen es den Mitgliedern, in der
Gruppe bleiben zu können oder als Ranghohe nicht den Rückhalt oder die Gruppe
zu verlieren. ...
Aus: Biologie und Kultur. Zu den biologischen Bedingungen von
Determination und Freiraum in der Kultur von Gerhard Medicus, erschienen
in Irenäus Eibl-Eibesfeldt: Zu Person und Werk von Ch. Sütterlin und F.
Salter (Hrsg), 2001, ISBN
3361345410, S. 239 - Textstelle auch angebracht bei den Themen Soziales
und (Un)Glaube (Religion).
Als wahr kann etwas angesehen werden, das sich langfristig
durchsetzt (ewig...)... Veränderung unterworfenes etc. nicht... (ob frei nach
Radiosendung, in der u.a. über Platon gesprochen wurde, 3.8.04) -> vgl. Spruch
"Lügen haben kurze Beine".
Am meisten fühlt man sich von der Wahrheit getroffen, die man
sich selbst verheimlichen wollte. (Friedl Beutelrock; gefunden von caro)
Die Wahrheit verteidigt sich allein. (Auf der Suche nach einer
Variable in einem Wörterbuch entdeckt)
Der demnächst 62-Jährige Handke lehnt zweierlei grundsätzlich
ab: Erkenntnis und Geschichten. Wir erkennen nichts, so sein Credo über die
Jahre, wir sehen Umrisse, getaucht gleichsam in Nebel. Jegliche Erkenntnis,
zumal solche um andere Menschen, bleibt vage, unklar und unzuverlässig. Und
Geschichten sind immer etwas Zusammengereimtes. Wenn sich die Momente des Lebens
im Nachhinein zu Geschichten zu fügen scheinen, dann ist das für Handke eine
Täuschung. Das ist seit seinen avantgardistischen Anfängen in den 60er Jahren
so, und das gilt auch für "Don Juan". ... Handkes Sätze vermeiden gerade um der
Genauigkeit willen die genaue oder klare Benennung. Nicht der Weg ist hier das
Ziel, nein, der Umweg ist das Ziel. Wenn also jemand einen Sonnenuntergang, die
Stille einer Amsterdamer Gracht, oder den Glanz eines Apfels in einer Schale
wirklich wahrgenommen sehen will, wenn jemand die Momente des Lebens mehr
schätzt als seine Geschichten, dann ist er bei Handke gut aufgehoben. (In einem
Artikel über ein Buch Peter Handke´s auf oe1.orf.at, 12.8.04)
Und so meine ich, frei nach Platon's "Sokrates im Gespräch":
"Ich weiß, wo ich nichts weiß". Diese Variante (ich weiß, wo ich nicht weiß)
finde ich "mehr als grenzgenial", und zwar in zweierlei Hinsicht: 1. präzisiert
es "augenscheinlich" elegant die übliche deutsche Übersetzung ("ich weiß, dass
ich nichts weiß"), die eigentlich einen Widerspruch in sich darstellt, insoferne
als es die Gebiete des Wissen und Nichtwissens deutlich trennt; 2. einzig
erkanntes "Nichtwissen" zu Wissen führt, vermeintliches "Wissen" aber im
Unwissen = Vorurteil verharrt, es somit im metaphorischen Sinn darauf aufmerksam
macht, dass "Wissen" immer ein Vorurteil ist, und erst als ein erkanntes
(Nichtwissen / nicht genau Wissen) zur Prüfung und Überprüfung und somit erst zu
"eigentlichem, neuen Wissen", d.h. vom Vorurteil weg, führt. (Mitdenker "gablitus"
in einem Mail an ob, 27.7.04)
In einem Kurs über die Erforschung der "öffentlichen Meinung"
zeigte uns der Prof. einmal eine Karikatur, auf der ein und dasselbe Foto
(Darstellung einer Szene, in der ein Soldat einer Frau mit Kind etwas
überreicht) mehrmals abgebildet und mit verschiedenen Pseudo-Schlagzeilen aus
diversen Zeitungen beschrieben war, wobei jede das Bild anders interpretierte.
Er (der Künstler natürlich, aber spezieller dann der Prof.) wollte damit
aufzeigen (bzw. erklärte dazu), dass die soziale Realität nicht selbsterklärend
ist, dass (z.B. in Studien wie Umfragen erhobene) Daten (wofür im Beispiel das
Bild stand) nicht für sich selbst sprechen, sondern der Interpretation bedürfen,
womit wir ihnen eine Bedeutung, einen Sinn zuschreiben... (die amüsante und
lehrreiche Karikatur hätte ich gescannt und somit auch in elektronischem Format
zur Verfügung, ist allerdings auf Spanisch - aber falls es trotzdem jemand sehen
möchte -> ob)
Ad Denken allgemein:
Antike (philosophische) Überlegungen zum Glück - Pflege der Weisheit
als höchstes Glück
[Sokrates?:] "... Mag dies der Geist oder etwas anderes sein, was seiner
Natur nach als das Herrschende und Leitende auftritt und das Schöne und
Göttliche zu erkennen vermag, oder sei es selbst göttlich oder das Göttliche
in uns: immer wird die seiner eigentümlichen Tugend gemäße Tätigkeit die
vollendete Glückseligkeit sein ... Der Geist nämlich ist das beste in uns, und
die Objekte des Geistes sind wieder die besten im ganzen Bereich der
Erkenntnis. Sodann ist sie die anhaltendste. Anhaltend denken können wir
leichter als irgend etwas anderes anhaltend tun. [Dauer = wichtig für das
Glück, Anm. des textinterpretierenden Professors] Ferner glauben wir, dass der
Glückseligkeit Lust beigemischt sein muss. Nun ist aber unter allen
tugendgemäßen Tätigkeiten die der Weisheit zugewandte eingestandenermaßen die
genussreichste. Und in der Tat bietet die Philosophie Genüsse von wunderbarer
Reinheit und Beständigkeit; natürlich ist aber die Tätigkeit und das Leben
noch genußreicher, wenn man schon weiß, als wenn man erst sucht ... Die
Glückseligkeit scheint weiterhin in der Muße zu bestehen. Wir opfern unsere
Muße, um Muße zu haben, und wir führen Krieg, um in Frieden zu leben. Die
praktischen Tugenden äußern ihre Tätigkeit in der Politik oder im Kriege. Die
Aktionen auf diesen Gebieten aber dürften sich mit der Muße kaum vertragen,
die kriegerische Tätigkeit schon gar nicht ... Aber auch die Politik verträgt
sich nicht mit der Muße und verfolgt neben den öffentlichen Angelegenheiten
als solchen den Besitz von Macht und Ehren oder die Glückseligkeit für die
eigene Person und die Mitbürger als ein Ziel, das von der Politik verschieden
ist ... wenn dagegen die betrachtende Tätigkeit des Geistes an Ernst
hervorzutragen scheint, und keinen anderen Zweck hat als sich selbst, auch
eine eigentümliche Lust in sich schließt, die die Tätigkeit steigert, so sieht
man klar, dass in dieser Tätigkeit, soweit es menschenmöglich ist, die
Autarkie, die Muße, die Freiheit von Ermüdung und alles, was man sonst noch
dem Glückseligen beilegt, sich finden wird. Somit wäre diese die vollendete
Glückseligkeit des Menschen, wenn sie auch noch die volle Länge eines Lebens
dauert. Denn nichts, was zur Glückseligkeit gehört, darf unvollkommen sein.
Aber ein solches Leben ist höher als es dem Menschen als Menschen zukommt.
Denn so kann er nicht leben, sofern er Mensch ist, sondern nur sofern er etwas
Göttliches in sich hat. So groß aber der Unterschied ist zwischen diesem
Göttlichen selbst und dem aus dem Leib und Seele zusammengesetzten Wesen, so
groß ist auch der Unterschied zwischen der Tätigkeit, die von diesem
Göttlichen ausgeht, und allem sonstigen tugendgemäßen Tun. Ist nun der Geist
im Vergleich mit dem Menschen etwas Göttliches, so muss auch das Leben nach
dem Geiste im Vergleich mit dem menschlichen Leben göttlich sein." ("Pflege
der Weisheit als höchstes Glück", 10. Buch S. 1176a ff [der Nikomadischen
Ethik Aristoteles, übersetzt von Gigou? und erhätlich als Reclam Nr. 86?]; von
einem kopierten Text in einer universitären Vorlesung 05 über ~ "Antike
Glückskonzepte") - auch angebracht beim Unterpunkt
Denken allgemein
Zur Bedeutung von Reflexion und Sprache
(...aus biopsychologischer/humanethologischer Sicht)
Man darf annehmen, daß die sozialen Funktionen des Intellekts mit
Selbstexploration und Handeln im Anschauungsraum Vorbedingungen der
menschlichen Reflexion und der Sprache waren. Der Mensch kann sein Wissen
mittels der Sprache objektfrei weitergeben (objektunabhängige Tradition).
...Gemäß ihrer stammesgeschichtlich gewachsenen Funktion werden unsere
Denkinhalte von angeborenen Stimmungsqualitäten, Bewertungen, Antrieben und
Hemmungen beeinflußt. Lorenz (1973) spricht hier von einem »scanning mechanism«:
Stimmungen geben Denkinhalten eine Richtung. Wenn bestimmte Denkinhalte
affektiv sehr hoch besetzt sind, dann werden diese manchmal affektiv
»gesperrt« bzw. entsprechende theoretische Alternativen ausgeklammert. Unser
Denkvermögen zeigt unter Umständen eine von der Psychoanalyse erkannte
Anfälligkeit darin, daß sich gewisse einseitige und fehlleitende
Entscheidungspräferenzen im Laufe des Lebens entwickeln können. ... Das kann
bei Personen mit gewissen Vulnerabilitäten und affektiven Einengungen zu
kontrastierenden Weltbildern und Theorienbildungen führen (Bischof, 1996). ...
Aus: Stufen des Erkennens im Verlauf der Stammesgeschichte von
Gerhard Medicus in ISBN 3851145496,
S. 184
Die Größe des Menschen liegt im Irrationalen... (In: Der Mann
ohne Eigenschaften von Robert Musil; genaues Kapitel nicht bekannt - irgendeines
über Hundert... vielleicht finden Sie ja ein durchsuchbares E-Book - würde sich
hier aufgrund vieler geistreicher Äußerungen rentieren!)
Betrachtungen über Themen wie Geschlechtsverkehr mit
Andersdenkenden, eine kleine Typologie der Wochentage, die "Masturbation der
Leiden" oder über die Unmöglichkeit, mit dem Schlagen seines Kopfes gegen die
Kremlmauer damit auch nur einen einzigen Tropfen gesunden Menschenverstandes
herauszubekommen, sind dazu angetan, uns ein Bild des Dichters als asoziale
Wildsau zu vermitteln. Das mag alles recht anstrengend zu lesen sein und macht
beim Lesen einen Kater: "Aber verrrdammt, wenn ich schlafe - wozu soll ich dann
meinen Verstand anstrengen und das Genie spielen? Letzten Endes wird es ewig ein
Geheimnis bleiben, ob ich im Schlaf Weltwahrheiten ausgesprochen oder nur
gottlos mit Worten geklingelt habe!" Das Leben, eine Ermessensfrage: "Fühlen
muss man klug, nicht mit dem Kopf, aber klug." (derstandard.at, Kritik zum Buch
Wenedikt Jerofejew´s - Autor von Die Reise nach Petuschki -
Aufzeichnungen eines Psychopathen)
Der Philosoph behandelt eine Frage: wie eine Krankheit.
(Ludwig Wittgenstein)
Auf Ö1 lief einmal eine Sendung unter dem Titel "Mut zu
Scheuklappen", welche die Frage stimulierte, ob es denn sinnvoller sei, sein
Studium/sein Denken/sein Forschen auf ein (beschränkteres) Thema ([kleineres]
Studienobjekt)/einen kleineren Themenkreis/einen kleineren Ausschnitt der
Wirklichkeit... zu beschränken oder sie möglichst weitflächig/-sichtig
anzulegen. (mehr oder weniger frei interpretiert/ausgelegt von ob)
Unüblich in den USA der 50er Jahre, versucht der
Englischlehrer John Keating seine Internatsschüler zum eigenständigen Denken und
Handeln zu ermutigen. (Kurzbeschreibung zum Film Der Club der toten Dichter
in der TT)
"Der Mensch lebt nicht vom Brot allein." (Für den Fall, dass sie damit nicht
nur eine menschliche Notwendigkeit gegenüber anderen Wesen, sondern eine
Fähigkeit der Glückssteigerung durch das Entfliehen aus der Neutralität, puren
Notwendigkeiten, oder wodurch auch immer ausdrücken will bzw. wollten, ist diese
"alte Weisheit" auch beim Thema Glück angebracht)
Ad Glück:
Abwechslung ist nun einmal eine wesentliche Vorraussetzung des
Glücklichseins, und die gibt es in Utopia schwerlich. Das ist ein Fehler aller
konstruierten Gesellschaftssysteme, mögen sie der Wirklichkeit oder dem Reich
der Phantasie angehören. (Betrand Russel auf S. 530 des Buches Philosophie
des Abendlandes mit der ISBN
3880599653 als Schlussbemerkung zu einem interessanten Kapitel über Sir
Thomas Morus´ Utopia von 1518; wenn ich - ob - mir aber eine kritische
Anmerkung dazu erlauben darf: erstens, finde ich, kann es auch innerhalb eines
starren Systems durch immer existierende Freiräume und dadurch, dass wir uns
allein schon selber in permanenter Veränderung befinden, Abwechslung geben, und
zweitens frage ich mich, welche Alternative es zu den "fehlerhaften",
konstruierten Gesellschaftssystemen geben soll, da ich finde, dass man mit der
Verwendung des Ausdrucks "Fehler" dessen Verbesserungsfähigkeit andeutet und ich
diese hier nicht sehe; vielleicht hätte er sich einfach klarer ausdrücken und
sagen müssen, dass es ein Fehler von Gesellschaftssystemen ist, dass sie sich zu
wenig verändern)
"Die Wege des Herrn sind unergründlich"
(> So könnte etwas, das negativ erscheint, viel Positives enthalten bzw.
etwas, das für einen selbst vielleicht wirklich negativ ist, für einen anderen
ungleich positiver sein, etc., Anm. ob)
Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der
Unzufriedenheit. (Søren Kierkegaard)
(Wahres, oder so...) momentanes Glück ist (für den Menschen)
nur bei langfristiger Perspektive möglich. (Frei nach dem
von mir empfohlenen
Buch von einem buddhistisch Denkenden bzw. einem Teil davon, glaub ich
zumindest, mich daran erinnern zu können [nach einiger Zeit...]; jedenfalls eine
mich [bei meiner Glückssuche/-planung] sehr beeinflussende/-druckende [und meine
Aversion gegen Verdrängung verstärkende], weil wahr erscheinende, Überlegung; ob
8/04)
Ein Unglück kommt selten allein. (Auf der Suche nach einer
Variable in einem Wörterbuch entdeckt)
Die Lebensqualität erreicht anhand von körperlichem, mentalem
und spirituellem Wohlbefinden, und nur eine integrale und integrierende Vision
dieser drei Realitäten der Menschen kann zu Ausgeglichenheit und folglich dazu
führen, besser zu leben. (Milagros Juárez in La Calidad de vida, S 61,
aus dem Spanischen mehr oder weniger frei übersetzt von ob)
Die Mehrheit der Experten bestätigen, dass zu Fuß gehen der
ausgleichendste und für alle zugänglichste Sport ist. ... das zusätzliche
Wohlbefinden durch das Kontemplieren, wie die Landschaft wechselt ... das Fühlen
der Sonne ... die Frische der Luft ... die Feuchtigkeit des Regens ... Kontakt
mit der Natur aufnehmen ist immer angenehm und trägt dazu bei, die innere
Harmonie wiederzuerhalten, und lässt uns als Teil des Kosmos fühlen, von welchem
auch die Bäume, die Tiere und die Wolken ein Teil sind ... "Während des Gehens
lässt man seine täglichen Sorgen, seinen Stress oder seine Ängste auf dem Weg,
so als würde sich der Geist über die Füße seiner schlechten Stimmungen leeren,
um sich mit neuen Gedanken und lebendigen Ideen über die Augen und den Mund
wieder zu füllen." "Als körperliche Betätigung und unbelastend wie es ist, hat
es einige psychophysiologisch unvergleichbare Effekte zur Folge: ..." (Milagros
Juárez in La Calidad de vida, S 64, aus dem Spanischen mehr oder weniger
frei übersetzt von ob)
Der Mensch ist durch die Möglichkeiten des Lustgewinns (durch
Triebbefriedigung) und der Schmerzvermeidung angetrieben, wobei ihm meist (bzw.
den meisten?) zweiteres bedeutender ist (und dafür deshalb mehr Zeit und
Anstrengung aufwendet). (Nach Freud oder einer Interpretation von ihm, soweit
ich mich erinnern kann, Anm. ob)
"Was heißt ‚Kind' sein?"
"Das heißt, alles das zu machen, wozu man Lust hat, und dazu braucht man
Phantasie. Die Erwachsenen haben die nicht mehr."
Killer Kid, F 1994 (Roman und Film)
Reichtum ist die Kotze des Glücks. (Diogenes von Sinope)
Lachen reinigt die Seele
Wien (APA, dpa) - Lachen ist gesund, heißt es im Volksmund. Doch oft
haben wir nichts zu lachen, weil wir viel zu gestresst durchs Leben
hetzen. Dabei wirkt kaum etwas befreiender als Lachen. Lachen Sie mal
wieder!
Auch Ulrich Wolf und Bernd Neumann beschreiben in "Das Antistress Buch"
aus der Fit For Fun-Reihe, was Lachen alles bewirkt. Die Lachforschung,
wissenschaftlich Gelotologie genannt (gelos heißt auf griechisch
"Gelächter"), ist noch relativ jung. Sie existiert seit circa 1953. Bis
heute hat sie einige sehr beachtliche Fakten zu Tage gefördert, die zu
denken geben sollten. Denn Lachen wirkt auf verschiedenen Ebenen, heißt es
bei dem Autoren-Team Wolf/Neumann, und zwar auf der emotionalen, der
geistigen und der organischen Ebene. Auf der emotionalen Ebene löst Lachen
Hemmungen, lässt vergessen geglaubte Gefühle wieder auftauchen und
verhilft so zu einem zwangloseren Austausch mit unseren Mitmenschen. In
Bezug auf unsere geistigen Potenziale führt Lachen häufig dazu, dass sich
unsere Sicht der Dinge verschiebt; es macht uns offener für neuartige
Zusammenhänge und regt unsere Kreativität an. Doch auch in unserem Körper
geschieht eine ganze Menge, berichtet das Autorenduo: So werden beim
Lachen bestimmte Signalstoffe unseres Nervensystems - wissenschaftlich
Endorphine und Enkephaline, oft auch Glückshormone genannt -
ausgeschüttet. Diese sind es, die unsere Laune so positiv beeinflussen.
Lachen macht (und hält) gesund © dpa Darüber hinaus werden beim Lachen
manche Muskeln extrem gefordert: das Zwerchfell, die Rippenmuskulatur und
bestimmte Gesichtsmuskeln. Die übrigen Muskeln hingegen werden wunderbar
entspannt. Durch das besonders intensive Zwerchfelltraining wiederum
entsteht in der Lunge ein extrem starker Gasaustausch, so dass das Blut
vom Sauerstoff geradezu überflutet wird. Ganz wichtig ist laut den Autoren
Wolf/Neumann auch, dass unser Immunsystem durch Lachen nachweislich
positiv angeregt wird. So wird es mit Infektionskrankheiten schneller
fertig beziehungsweise treten diese erst gar nicht auf.
Ad Ich:
Möglichkeit zu einem Auslandsaufenthalt nutzen. Man muss dabei
keine Angst haben, seine Identität zu verlieren, denn auch ein Tiroler wird erst
im Ausland zu einem richtigen Tiroler. (Ekkehard Kappler in einem Interview der
SoWi-News, einer Studentenzeitung der Uni Innsbruck, Ausgabe Nr. 55, Nov. 03,
gekürzt; längere Version unter Gesammeltes/Bildung/Texte dazu)
Wir sind das, was wir in den Augen der anderen
sind. (~Zitat)
Das, was wir an einem Menschen erkennen, das entzünden wir an ihm auch.
(Nietzsche)
Ad Konstruktivismus:
Rationalisierung (-> existiert nur eingebildete bzw.
konstruierte Sinnhaftigkeit?, Anm. ob): Rationalisierung ist ein Mechanismus,
durch den das Subjekt versucht, Verhaltensweisen, Gedanken, Gefühle usw., deren
wirkliche Motive nicht erkannt werden, eine logische oder moralisch akzeptable
Erklärung zu geben.* (Aus einem
Text über Freud)
* Bsp. von ob dazu: wenn jemand sich freiwillig im Ausland befindet, jedoch
trotzdem andauernd über das Gastland schimpft und hauptsächlich Produkte aus dem
Heimatland konsumiert, könnte ein Beobachter es als rational (logisch) sehen,
dass es besser wäre, wenn der Beobachtete zu Hause geblieben wäre. Sein
Auslandsaufenthalt könnte aber eben genau den Sinn haben, dass er ihn seine
Heimatprodukte und sein Heimatland mehr schätzen lässt (durch die Ferne von der
Heimat, die Nicht-leicht-Zugänglichkeit von Produkten, der Vergleich mit
anderen, für ihn schlechteren Produkten) und ihm somit einen gesteigerten Genuß
ermöglicht. Somit handelt es sich vielleicht in Wahrheit um Neid des Beobachters
(dass er selber nichts hat, an dem er sich [zu Hause] dermaßen erfreuen kann).
Empfehlungen:
...an Literatur:
Speziell zum Thema (nicht durch materielle Ziele motiviertes,
aber dennoch eigennütziges) Denken: Wert der Innerlichkeit von
Kurt Flasch in: Die kulturellen Werte Europas von H. Joas und K. Wiegandt
(Hrsg.), erschienen 2005 bei Fischer (Buchsuche)
Eine recht komprimierte und
beispielhafte, vor allem auf die Vorteile der Innerlichkeit bedachte
Abhandlung. Ein für aufmerksame Hesse- bzw. Internetseiten der Denker (wo
das u.a. sogleich genannte Zitat von Hesse - u.a. beim Thema Fortschritt und
Medien - findet)-LeserInnen potentiell interessantes Detail stellen die
genannten "Vorläufer" der Kritik Hesse´s (im Steppenwolf) am Bedacht auf
Zerstreuung ("Und dass dies alles, ebenso wie heute die Anfänge des Radios, den
Menschen nur dazu dienen werde, von sich und ihrem Ziele weg zu fliehen und sich
mit einem immer dichteren Netz von Zerstreuung und nutzlosem Beschäftigtsein zu
umgeben.") dar.
Hörvortrags-Empfehlung: Eugen Drewermann,
Vom Leben des Menschen (CD-Bestellmöglichkeit
- für diese Bestellung erhalten wir keine Provision!)
in seinen ausführungen spricht (der
theologe oder psychologe?) drewermann über depressive, angst, hoffnung, etc. -
ein balsam in bedrückenden nachtstunden (und bei einschlafproblemen) und auch
informativ. einige textstellen finden sie auch in unserem archiv. einfach nach
drewermann suchen.
Zum Thema durch Neid beeinträchtigtes Glück (Zufriedenheit,
Wohlbefinden) sei die Kurzgeschichte Der Holländer von Hermann Hesse
empfohlen (auch als Hörversion, z.B. auf der CD Traumgeschenke, oder so,
erhältlich).
Speziell zum Thema Denken: Endlich Nichtdenker! von
Hannes Stein (Angebot
Buch)
Unter dem Titel "Kopflos - eine
Ratgeberpersiflage zur Lösung aller Probleme" im 6020 Stadtmagazin, Ausg.
66, 12/04 empfohlen; noch nicht getestet, aber müssen wir ja fast empfehlen! Aus
dem Empfehlungstext des 6020 Stadtmagazins: "...als Persiflage auf Allen
Carrs Nicht-Raucher-Bibel angelegt... Grundaussagen des Buches: Denken macht
unglücklich, einsam und alt. Wer hingegen der Nutzung seiner grauen Zellen
versagt, dem verspricht Stein 'Kraft, Reichtum, innere Ruhe, Selbstvertrauen,
Mut, Selbstachtung, Gesundheit, Sex.' Er selbst habe den Weg in die
Geistlosigkeit bereits beschritten... Allein, man will es Hannes Stein nicht so
recht glauben und soll es auch gar nicht. 'Endlich Nichtdenker' ist nämlich das
genaue Gegenteil einer Brandrede für die Dummheit: Kopfzerbrechen mag zuweilen
schmerzhaft sein, aber es verhindert den Absturz in die Stumpfsinnigkeit der
Masse. In acht Pfaden - von den Vorteilen der Harmonie, der Religion und des
Dauerredens bis hin zu Alkohol und Drogen - zeigt Stein auf, wie sich ein
halbwegs denkender Mensch in einen modernen Höhlenmenschen verwandeln kann.
Gleichermaßen aufschlussreich wie witzig und zur Nachahmung definitiv nicht
empfohlen."
...in unserer Sammlung:
Anstößiges/Nietzsche
Zum Thema (Nutzen des) Denken(s) siehe auch: Gesammeltes/(Aus)Bildung
Von
MitdenkerInnen zu diesem Thema neu Erdachtes bzw. Entdecktes
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