Zum Thema Krieg und Frieden passende Textstellen:
Allem Anschein nach kann die Menschheit nicht ohne Feindschaften leben. Ein freundlicher Feind Oscar Wildes, der Maler James McNeill Whistler, veröffentlichte 1890 in London ein bis heute einzigartiges Buch über die Kunst der Feindschaft: "The Gentle Art of Making Enemies". Manifest und Handbuch zugleich, behandelt es nicht nur die friedliche Kunst sich Feinde zu schaffen, sondern, anhand von sich selbst, der Kunst, Feind zu sein. Die erste und zugleich wichtigste Regel lautet: Den Feind nicht entstellen. Wer es tut, verdummt. Auch der Philosoph Friedrich Nietzsche schrieb schon 1888 über die "Vergeistigung der Feindschaft" in Europa. Sie besteht darin, "dass man tief den Werth begreift, den es hat Feinde zu haben". Außerdem lassen sich von Feinden Dinge lernen, die von Freunden nicht zu lernen sind. Dies legt der griechische Philosoph und Schriftsteller Plutarchos in seinem Traktat "Was Feinde nützen können" offen. Im 20. Jahrhundert ging man/frau dazu über Feinde nicht mehr zu respektieren. Feinde wurden und werden als Ungeziefer, Schädlinge oder Untermenschen bezeichnet und müssen demnach auch dementsprechend vernichtet werden. Angefangen von den Vernichtungskriegen bis zur heutigen Jagd auf unmenschlich dargestellte TerroristInnen, werden Feinde nicht mehr als Menschen gesehen, sondern als GegnerInnen, die ausgemerzt und dem Erdboden gleichgemacht werden müssen. Es herrscht der Glaube, die Welt werde nur gut, wenn man/frau das Böse vernichtet. Selbsternannte Weltverbesserer definieren Gut und Böse und befehlen, was vernichtet gehört und was verschont bleibt. Die neuen Feindbilder heißen "Terrorismus", "Schurkenstaaten" oder "Fundamentalismus". (In einer Studentenzeitung, Juni 03)
Das Streben nach Macht wird zwanghaft, und die Unfähigkeit,
Schmerz zu ertragen, führt dazu, dass man um jeden Preis Schmerz vermeidet, denn
solche Menschen empfinden Schmerz als Demütigung. (S 143 in
Der Wahnsinn der Normalität)
Genau diese Logik macht einen Feind erforderlich. Dieser liefert die
Rechtfertigung für die eigenen Machtbedürfnisse und für die Eroberungen, zu
denen der Selbsthass führt. Die zu erobernden Ziele können ein Berggipfel sein,
ein wissenschaftliches Problem, ein Naturschutzgebiet, das einer Autobahn im Weg
steht, oder ein Feind aus Fleisch und Blut. Man braucht einen Feind oder eine
"Herausforderung". Die meisten Menschen haben eine ähnliche Entwicklung und sind
deshalb anfällig dafür, sich auf diesem Weg Erleichterung von den inneren
Zweifeln und Hassgefühlen zu verschaffen. Nur allzu schnell fühlen sie sich von
äußeren Feinden bedroht. In welchem Ausmaß wir also solche äußeren Feinde zu
unserer eigenen Erleichterung benötigen - das entscheidet letztlich darüber, wie
bereit wir sind, einem Führer zu folgen, der uns einen passenden Feind
offeriert. (S 143 in
Der Wahnsinn der Normalität)
Auch zwischen Gegnern ist eine Verständigung möglich, wenn sie das Trennende gemeinsam tragen. Lie, Trygve
Weitere Textstellen (ohne Inhaltsverzeichnis)
...nach Entdeckungszeitpunkt geordnet (ältere Texte zuerst). Aus Faulheit bzw. Zeitmangel werden wir nicht mehr jeden weiteren (neu hinzukommenden) Text direkt im Inhaltsverzeichnis verlinken! Vielleicht finden wir später irgendwann einmal Zeit dazu - oder ein Verleger :)
UAM UNIVERSITY* SENATE MANIFESTO AGAINST THE INVASION OF IRAQ
Versión española
Manifiesto a favor
de la paz y adhesiones al mismo
From the disagreement with the military action in Iraq, an invasion that means the aggression to the Iraqi people, and what was a disagreement is already an impulse of moderate indignation, we state our rejection to an action that does not respect the human rights, an action which breaks the legality and the international rights, an action that is insensitive to the right adoption of decisions, an action that faces up to the world-wide public opinion and that is situated to the margin of the institutions and international organisms (the UN, EU) laying a serious precedent of unilaterality, which implies an unknown situation from the end of World War II. Also this action entails a failure of diplomacy and politics when they are located to the service of particular and spurious interests.
We reaffirm our convictions in favour of the word, the power of words, in favour of dialogue and the recognition of the differences. We pronounce ourselves not only against international terrorism and all forms of dictatorship, but also against many other fundamentalisms and imperialisms that try to impose their will, to the margin of the citizens' decisions, with force instruments. We pronounce ourselves in favour of education and culture as a way for peace towards a more just world.
From these convictions, we expressly condemn the invasion of Iraq and academically show the decision to participate in the actions that citizens undertake with these mechanisms and procedures, and in favour of these principles and values.
Admitting that similar military action will cause innocent victims, and in their memory, which is probably not reflected in certain mass media, victims without televising images, we respond to the proposal of the Conference of Rectors of the Spanish Universities with the flag at half mast as a sign of duel.
The University Senate expresses its firm decision to culminate the elaboration process of Statutes, with the necessary debate in a serenity climate, without letting an outrage in the university autonomy by friends of war. Constituted today and in view of the development of events, next session is summoned tomorrow at 10.00 h., interrupting its sessions today, as a sign of repulse.
(*
Universidad Autónoma de Madrid, Anm. ob)
"...in den USA existieren zwei Strömungen mit antagonistischem Hintergrund.
Auf der einen Seite gibt es die missionarisch universalistische Richtung,
von Wilson-demokratischer Inspiration, die bestrebt ist, auf der Welt die
"Vorteile" der marktwirtschaftlichen Zivilisation unter Beachtung der
Menschenrechte und der Vielfalt zu verbreiten. Der Präsident Jimmy Carter
verkörpert diesen Bewusstseinstyp. Er hat es immer verneint, für die
Entwicklung dieser den Menschen befreienden Mission Waffengewalt in Betracht
zu ziehen... Der Wilsonismus kann sich
tatsächlich leicht zu "demokratischem" Imperialismus degenerieren und dabei
jenen "zivilisierenden" Kolonialismus des 19 Jahrhunderts wiederherstellen,
welcher bekanntlich ganze Völker mit dem Versprechen, dass er ihnen den
Fortschritt zugänglich mache, unterwarf.
Auf der anderen Seite gibt es die einzelgängerische[?: particularista],
us-amerikanische Richtung, verkörpert seit Ende der 70er durch Ronald Reagan,
welcher meint, die Mission der
Vereinigten Staaten sei es, der Welt als Beispiel zu dienen, indem sie gegen
alles, was sich - sozial, militärisch, ökonomisch und kulturell - gegen das
amerikanische Modell - gesehen als das Ideal für die Menschheit - richten
könnte, kämpfen.
Seit Anfang der 80er Jahre liefern sich diese zwei Richtungen einen
offenen Kampf. ... Mit dem Sieg von Bush junior entstand eine Entwicklung,
welche die politische Überlegenheit der kriegerischen, fundamentalistischen
und konservativen Strömung belegt. ...
Man kann einige ideologische Varianten unterscheiden welche, obwohl sie
untereinander in Konkurrenz stehen, die Idee des American way of life
als den besten der Welt, teilen. Seit den 80er-Jahren fand das Denken von
Francis Fukuyama [Der letzte Mensch = dt. Titel seines bekannten und
politisch vielbeachteten Buches, Anm. des Übersetzers], ehemals
Funktionär der Staatsabteilung[?], großen medialen Anklang und es erfüllt
exakt die Anforderungen des marktwirtschaftlich universalistischen Imperiums,
welches aus dem Triptychon Marktwirtschaft, Menschenrechte und antistaatlicher
Liberalismus den unantastbaren Kern seiner Expansion macht.
...Fukuyama behauptet zu beweisen,
dass das us-amerikanische System das beste ist und das es kein anderes,
mögliches gibt. Jede Opposition
gegenüber diesem System ist ein Angriff auf die Wahrheit der Geschichte, auf
das Ende, welches sich in den USA findet. ([Anm. in der Fußnote:]
sowohl Fukuyama als auch Samuel Huntington haben sich der immensen
us-amerikanischen Kulturindustrie bedient, um ihre Ansichten zu vermarkten,
auf Kosten von großen us-amerikanischen Denkern wie Fredric Jameson, Edward
Said oder John Rawls*. Der Fall Fukuyama ist karikaturistisch.
Seine Prosa ist eine arme Umschreibung
der Funken der Genialität von Alexandre Kojève, den Einführer[?] des
hegelschen Denkens in Frankreich... Kojève hält den American way of life
für eine "Rückkehr zur Animalität[?]"...)
Anfang der 90er war es das Denken von Huntington** das großen Erfolg
hatte. Dieser Autor situiert sich nicht im philosophischen Terrain, sondern im
kulturellen... Samuel Huntington,
Ideologe und während einer kurzen Periode Architekt des antikommunistischen
Kampfes, entwickelte als es mit dem sowjetischen System zu Ende ging die
effizienteste Ideologie des kulturellen Imperialismus der USA. In Kampf der
Kulturen teilt er das Kulturwesen [?] in sieben oder acht Kulturen ein:
... Der entscheidendste Kampf ist jener der abendländischen Kultur mit "dem
Rest der Welt", weil der Okzident ... seine kulturelle Überlegenheit
verteidigt. Dieser Konflikt der Zivilisationen kann sich in einen offenen
Krieg verwandeln, vor allem gegen den Islam und den Konfuzianismus, weil diese
zwei Zivilisationen stark sind (Öl und Bevölkerung) und sich nicht leicht dem
imperialen, abendländischen Ethos unterwerfen werden. Trotzdem, obwohl die
"Analyse" Huntington´s im medialen und politischen Universum Anklang gefunden
hat, ist es schwierig, in Europa einen
Denker
von Format zu finden, welcher sich herabgelassen hätte, sie auf seriöse Weise
zu diskutieren. Aber das ist ein Fehler, weil sie hat sich in eine einfache
und widersprüchliche Kampfwaffe ... für die Ideologie der wichtigen Gruppen
der us-amerikanischen Verwaltung und der internationalen Presse verwandelt.
...
Offensichtlich sind weder Francis Fukuyama noch Samuel Huntington für den
interventionistischen Messianismus[?] von Paul Wolfowitz, Nummer zwei des
Pentagons, oder für die Drohungen gegenüber dem Rest der Welt vom
Verteidigungssekretär, Donald Rumsfeld, und seines Beraters Richard Perle,
verantwortlich. ...in gewisser Weise stellt die neue "zivilisierende"
Variante, repräsentiert durch diese Strömung, einen Bruch innerhalb der
amerikanischen Kultur dar, welcher einer Spezies von modernem Neofaschismus
Raum verschafft. ... Trotz der
beträchtlichen Verstärkung des repressiven Arsenals gegenüber Ausländern, der
polizeilichen Überwachung, der die amerikanischen Bürger unterworfen sind, der
moralischen Ordnung, eingeführt durch Bush junior und seine Regierung, der
religiösen Strömung, welche die USA durchquert (man sagt, dass mehr als
siebzig Millionen Gläubige sich regelmäßig in den Kirchen versammeln, um die
evangelischen Prediger konservativer und ethnozentrischer Ausrichtung zu
hören), trotz einschließlich der Entscheidung, Gebetsrunden im Kongress zu
verordnen, der extremen Aggressivität des amerikanischen Heeres in der Welt,
kann man das politische System der USA nicht als faschistisch einstufen: die
demokratischen Mechanismen sind nach wie vor gültig. Dafür ist klar,
dass die wichtigsten Dirigenten der USA beeinflusst sind durch eine gewisse,
neofaschistische Ideologie...
"Anstatt sich mit dem Thema aufzuhalten, dass Gewalt das letzte Mittel
sein soll", sagt Perle "muss man möglichst exakt den besten Moment und die
besten Umstände wählen[?], um auf sie zurückzugreifen." Mit anderen Worten,
der Einsatz von Gewalt ist nicht eine Ausnahme; er ist normal, weil er ist ein
Mittel wie jedes andere zur Lösung von Konflikten. ... Die Idee, dass der
Einsatz von Gewalt ein letztes Mittel ist, hat seine Wurzeln in der säkularen,
politischen Philosophie... Hobbes, ...der Autor des Leviathan,
begründet die legitime Autorität im Gesetz und nicht in der Gewalt. ... Der
Diskurs von Richard Perle ist einschneidend[/scharf/kategorisch]: er drückt
eine Konzeption der internationalen Beziehungen begründet in der Stärke/Gewalt[fuerza]
aus. Der Europakommissar Chris Patten bemerkte, dass er sich [angesichts
dieser Aussagen von Richard Perle in einer Debatte mit ihm - im Frühjahr
2001?] fragte, ob es sich um einen Alptraum handelte... ([In der dieses
Kapitel abschließenden Fußnote:] Am
26. Juni 2003 erklärte Condoleezza Rice, Beraterin von Präsident Bush in
Sicherheitsangelegenheiten, vor dem Internationalen Institut für Strategische
Studien von London, dass das Konzept der "multipolaren Welt" gefährlich und
teuflisch sei weil es auf der "Rivalität der Nationen" basiere. Von nun an,
fügte sie hinzu, müsse man sich der aufgezeigten[?] Führung der "Macht im
Dienste der Freiheit", den Vereinigten Staaten von Amerika, unterordnen.
Dieser brilliante Vorschlag verdient keinen Kommentar.***" (Aus: El
imperio frente a la diversidad del mundo von Sami Nair, S. 101-110 bzw.
Kapitel Das Recht des Stärkeren [La razón del más fuerte]; mit bestem
Wissen und Gewissen übersetzt von ob; Titel auch von diesem
hinzugefügt; bei mit [?] markierten Wörtern sinngemäße Übersetzung
wahrscheinlich, aber unsicher; die Seitenangaben beziehen sich auf die Ausgabe
mit der ISBN 8497933877)
Anm. des Übersetzers (ob): Für diese Hardliner (Perle, Rice, ...)
wäre also "passiver" Widerstand a lá Ghandi oder das Bemühen um Konsens ein
Zeichen von Schwäche...
* zitiert auch von uns bezüglich seiner A Theory of Justice bzw.
"eigennütziger Selbstlosigkeit" (eigene Beschreibung/-titelung)
** Sehr gut kritisiert auch in einem der Bücher eines "meiner" spanischen
Professoren, Alejandro Lorca - genaueres auf Anfrage.
*** Aber ich möchte doch anmerken, dass mich die Überlegung
hinsichtlich dieser Sichtweise von Rice bald an Brave New World
(kreiert von Huxley) erinnert hat, in welcher kein Platz für die distinkte
Lebensweise der Indianer ist (bzw. nur in Reservaten als Attraktion bzw. aus
Erziehungsgründen: zur Abschreckung...) und welche irgendwie ausweglos
erscheint.
Eine gute Analyse des Konfliktes zwischen "dem Abend-" (v.a. oder
eigentlich hauptsächlich der USA - auch einiger "Kollegen" Bush´s wie Blair,
Aznar oder Berlusconi, welche leider zumindest auch "deren" europäische
Länder in den Konflikt mit hineinziehen) und "dem Morgenland" (> dem
[radikalen] Islam) und auch des Konfliktes in Israel findet sich (v.a.) im
Teil über die Macht der USA und dem Teil über das Drama der
arabischen Welt in El imperio frente
a la diversidad del mundo von Sami Nair; Empfehlung bezieht sich auf die
Ausgabe mit der ISBN 8497933877)
[Sokrates?:] "... Die Glückseligkeit scheint weiterhin in der Muße zu
bestehen. Wir opfern unsere Muße, um Muße zu haben, und wir führen Krieg, um
in Frieden zu leben. Die praktischen Tugenden äußern ihre Tätigkeit in der
Politik oder im Kriege. Die Aktionen auf diesen Gebieten aber dürften sich mit
der Muße kaum vertragen, die kriegerische Tätigkeit schon gar nicht ... Aber
auch die Politik verträgt sich nicht mit der Muße und verfolgt neben den
öffentlichen Angelegenheiten als solchen den Besitz von Macht und Ehren oder
die Glückseligkeit für die eigene Person und die Mitbürger als ein Ziel, das
von der Politik verschieden ist ... " ("Pflege der Weisheit als höchstes
Glück", 10. Buch S. 1176a ff [der Nikomadischen Ethik Aristoteles, übersetzt
von Gigou? und erhätlich als Reclam Nr. 86?]; von einem kopierten Text in
einer universitären Vorlesung 05 über ~ "Antike Glückskonzepte") - ein
umfassender Auszug dieser Textstelle zu finden beim Thema Philosophie/Glück.
wenn sie nach dem lesen dieser seite das (natürliche) bedürfnis empfinden, uns etwas gutes tun zu wollen oder wenn sie einfach gerne menschen eine freude bereiten, können sie für einige ihrer konsumtätigkeiten die links zu diversen konsummöglichkeiten unter www.diedenker.org/bereichern benutzen. damit können sie uns (nicht auf Ihre Kosten versteht sich, denn wozu gibt es denn reiche anbieter, die ihre einnahmen mit uns teilen wollen?) und gleichzeitig sich selbst materiell bereichern.