Einige Merkmale der für unsere Lebensweise typischen Konsumhaltung:

Was bedeutet es, eine Konsumhaltung zu besitzen, und wie drückt sie sich aus? Erstens wird das Leben als eine Abfolge von Problemen verstanden, die sich spezifizieren, mehr oder weniger deutlich definieren, einzeln herausgreifen und lösen lassen. Zweitens glaubt man, dass die Beseitigung des Problems eine Pflicht sei, die man nicht vernachlässigen dürfe, ohne Schuld und Schande auf sich zu ziehen. Drittens vertraut man darauf, dass es für jedes bereits bekannte oder künftig entstehende Problem eine Lösung gebe – sei es in Form eines bestimmten Gegenstandes oder einer von Spezialisten, von Leuten mit überlegenem Know-how, ausgeklügelten Methode -, so dass die eigene Aufgabe darin bestehe, diesen Gegenstand oder dieses Rezept ausfindig zu machen. Viertens geht man von deren grundsätzlicher Verfügbarkeit aus; sie sind für Geld zu haben, an sie heranzukommen heißt, einkaufen zu gehen. Fünftens übersetzt man die Aufgabe, die Kunst des Lebens zu lernen, in die Bemühung um die Fähigkeit, die richtigen Gegenstände  und Rezepte ausfindig zu machen, und um das Vermögen, sie in Besitz zu nehmen, wenn man sie gefunden hat: Man muss zu kaufen verstehen und Kaufkraft besitzen... Stück für Stück, Problem für Problem liefert die Konsumhaltung das gesamte Leben dem Markt aus; sie richtet jeden Wunsch und jede Bemühung auf die Suche nach Geräten und Expertenwissen aus, die man kaufen kann. Sie löst den Anspruch, Kontrolle über die eigenen Lebensbedingungen zu erlangen (die den meisten Menschen niemals vergönnt ist), in eine Vielzahl kleiner Kaufakte auf, die – jedenfalls im Prinzip – in der eigenen Reichweite liegen... Es wird nun zu meiner Pflicht (und, wie mir immer wieder bestätigt wird, auch zu einer Aufgabe, der ich gewachsen bin), mich und mein Leben zu verbessern, zu kultivieren und weiterzuentwickeln, meine Schwächen und die anderen quälenden Einschränkungen in meinem Leben zu überwinden. Bauman in Vom Nutzen der Soziologie (Weitere Textstellen unter Gesammeltes/Anstößiges/Bauman)

 

Produkte (speziell Lebensmittel)
Man muss eigentlich nur an die Absichten denken, die mit einem Produkt verfolgt werden und an die Gleichgültigkeit - oder Falschheit, mit der schädliche Zusatzstoffe mitverkauft werden (vor allem übel, wenn sie vermeidbar wären), um die Lust an einem "künstlichen" Produkt - auch wenn es noch so schön verpackt, schmackhaft gemacht und dekoriert ist - zu verlieren und damit seine Gesundheit, seinen Geldbeutel und irgendwie auch seine Unabhängigkeit zu schonen. (ob)

 

Zitate