Zum Thema

(Aus)Bildung

neu entdeckt bzw. erdacht:

 

Ad Master und Bachelor

..., den neuen "eu-konformen" bzw. international tauglicheren Titeln: "Die Bachelor- und Masterstudien sind vereinbar mit dem Beruf, und die Studierenden können disziplinäre Grenzen überspringen", außerdem werde die Titelgeilheit minimiert, "denn wer wird schon sagen: Herr Master, Frau Bachelor?" (eine auch ohne Ironie sicher nicht wertlose Bemerkung, denn schließlich bergen offizielle Titel wirklich die Gefahr, dass gewisse Menschen aufgrund ihres Titels überschätzt und gewisse ohne Titel unterschätzt werden, Anm. ob), berichtete dazu Der Standard vom 24.3.06 (S. 8). Und in einer Sendung des Ö1 vom 23.3.06 wurde ebenfalls die Flexibilität der neuen Titel gelobt und diesbezüglich u.a. auch dafür plädiert, dass bei der (Aus)Bildung mehr Wert auf Methodologie, die Fähigkeit, sich Wissen (problemspezifisch) selbstständig anzueignen, als auf Fakten (auswendig)lernen, gelegt werden soll (angesichts einer sich immer mehr und schneller ändernden Umwelt...).
 

 

Von Thomas Mann

"...mir selbst überlassen, sah ich, ..., wiederum eine längere Warte- und Mußezeit vor mir liegen, wie sie dem höheren Jüngling zu stillem Wachstum so willkommen, so notwendig ist. Bildung wird nicht in stumpfer Fron und Plackerei gewonnen, sondern ist ein Geschenk der Freiheit und des äußeren Müßigganges; man erringt sie nicht, man atmet sie ein; verborgene Werkzeuge sind ihretwegen Tätig, ein geheimer Fleiß der Sinne und des Geistes, welcher sich mit scheinbar völliger Tagdieberei gar wohl verträgt, wirbt stündlich um ihre Güter, und man kann wohl sagen, dass sie dem Erwählten im Schlafe anfliegt. Denn man muss freilich aus bildsamem Stoffe bestehen, um gebildet werden zu können. Niemand ergreift, was er nicht von Geburt besitzt, und was dir fremd ist, kannst du nicht begehren."

(Eine vieler gut getroffener Aussagen - scheinbar nicht umsonst ist im Vorwort die Meinung "Es gibt Stellen im Felix Krull, die Anwartschaft auf immerwährende Berühmtheit haben" zu lesen- Thomas Manns in "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull"; die zitierte Textstelle ist nachlesbar auf den Seiten 59f bzw. im vierten Kapitel des "zweiten Buches" in der Ausgabe der "Fischer Bücherei" von 1970)
 

 

Ad Lernen (nützliches -, sinnvolles -) bzw. Bildung

aus biopsychologischer (humanethologischer) Sicht

Individuelles Lernen als evolutionäre Grundlage von Freiheit: Ein entscheidender Schritt zur Lockerung der Verbindung zwischen genetischen Determinanten und Verhalten ist Lernen. Der Vorteil des Lernens: Eine Anpassungsverbesserung durch Lernen erfolgt viel rascher als eine Veränderung des Verhaltens durch Mutation und Selektion. Lernen ist nur dann zweckmäßig, wenn es Leistungen gibt, die das Repertoire dessen, was gelernt wird, einengen. Sonst könnte auch vieles gelernt werden, was nicht zum Ziele führt. Man bewertet im allgemeinen nicht Fehllernen (z.B. Phobien, Zwänge), sondern nur zweckmäßiges Lernen als freiheitserweiternd. ... Die Lehrmeister Einsicht und Funktionslust beschränken den motorischen "Spielraum" zweckmäßig (Lorenz, 1973, 1978). Bemerkenswert ist ferner die Tatsache, daß gut eingeübte und energetisch günstige Bewegungen als harmonischer, schöner und nachahmenswerter empfunden werden als Willkürbewegungen des Anfängers. ... Aus der Sicht der Evolutionären Erkenntnistheorie erfährt die Denkfreiheit durch das Postulat der Wahrheitsähnlichkeit der Anschauungen (z.B. Riedl 1980) Einschränkungen. ... Um Mißbrauch von Erkenntnissen (z.B. in den Wissenschaften) zu vermeiden, sind Richtlinien für Beschränkungen der "freien" Anwendung nützlich: Im Prinzip gelten dieselben Einschränkungen wie bei der Frage, was bei "natürlichem" (angeborenem und gelerntem) menschlichen Verhalten "gut" oder "böse" ist. (Siehe hierzu bspw. Das sogenannte Böse von Konrad Lorenz, Anm.)

Aus: Biologie und Kultur. Zu den biologischen Bedingungen von Determination und Freiraum in der Kultur von Gerhard Medicus, erschienen in Irenäus Eibl-Eibesfeldt: Zu Person und Werk von Ch. Sütterlin und F. Salter (Hrsg), 2001, ISBN 3361345410
 


Im Jahr 1255 sagte Papst Alexander IV., als er den Lehrplan einer der ältesten und größten Universitäten Europas, der Universität Salamanca, guthieß: "In der Vielzahl der Gelehrten liegt die Sicherheit der Königreiche." (José Manuel Barroso, Präsident der EU-Kommission, in seinem Kommentar im Standard vom 12.4.05)

Ruhm und Reichtum ohne Einsicht sind unsichere Besitztümer. (Demokritos von Abdera; eine Interpretation: jemand passt sich den Bedürfnissen eines anderen oder mehrerer anderer oder an die Umstände an, erlangt somit Ruhm und Reichtum, die anderen  ändern ihre Sicht bzw. die Umstände sich jedoch, er weiß sich nicht mehr zu helfen/anzupassen und verliert Ruhm und Besitz)

Nur der Boden erkennt die Güte der Saat. (Antoine de Saint-Exupéry)

Und so meine ich, frei nach Platon's "Sokrates im Gespräch": "Ich weiß, wo ich nichts weiß". Diese Variante (ich weiß, wo ich nicht weiß) finde ich "mehr als grenzgenial", und zwar in zweierlei Hinsicht: 1. präzisiert es "augenscheinlich" elegant die übliche deutsche Übersetzung ("ich weiß, dass ich nichts weiß"), die eigentlich einen Widerspruch in sich darstellt, insoferne als es die Gebiete des Wissen und Nichtwissens deutlich trennt; 2. einzig erkanntes "Nichtwissen" zu Wissen führt, vermeintliches "Wissen" aber im Unwissen = Vorurteil verharrt, es somit im metaphorischen Sinn darauf aufmerksam macht, dass "Wissen" immer ein Vorurteil ist, und erst als ein erkanntes (Nichtwissen / nicht genau Wissen) zur Prüfung und Überprüfung und somit erst zu "eigentlichem, neuen Wissen", d.h. vom Vorurteil weg, führt. (Mitdenker "gablitus" in einem Mail an ob, 27.7.04)

"Unter freien Menschen gewinnen alle Gewerbe besseren Fortgang, bluehen alle Kuenste schoener auf, erweitern sich alle Wissenschaften." (Wilhelm von Humboldt, 1851)
"Wem gehoert die Wissenschaft?" Diese Frage ist weder banal, noch einfach zu beantworten. Wenn Wissen - wie oft gesagt wird - die Grundlage des Wohlstandes ist, so entscheidet die Verteilung dieses Wissens, wesentlich ueber Arm und Reich.
(Teil des Einladungstextes zu WEM GEHOERT DIE WISSENSCHAFT - Teil 3, versandt vom Arbeitskreis Wissenschaft und Verantwortlichkeit
an der Universitaet Innsbruck, http://wuv.uibk.ac.at)


Empfehlung:


...in unserer Sammlung:
Vom Lande der Bildung (oder: Wider Bildung als Selbstzweck bzw. Einbildung wegen Bildung, Anm. Oberdenker) und anschließend "Von den Gelehrten"

Zum Thema Bildung bzw. Nutzen des Denkens siehe auch beim Thema: Philosophie/Denken allgemein

Von MitdenkerInnen zu diesem Thema neu Erdachtes bzw. Entdecktes