Ich habe immer schon das Gefühl gehabt, dass diese vier Bedürfnisse die ich
da benenne, nämlich das Zeitbedürfnis, das Sicherheitsbedürfnis, das
Bequemlichkeitsbedürfnis und das Anerkennungsbedürfnis, dass diese vier
Bedürfnisse eigentlich die komplette Latte dessen sind was heute menschliche
Hervorbringungen motiviert, Produktion anstachelt. Und jetzt ist mir
aufgefallen, dass in diesen vier Bedürfnissen sich ganz genau wiederspiegelt:
der Vertreibungsfluch bei der Vertreibung aus dem Paradies.
Das Sicherheitsbedürfnis: Sie werden in die Fremde geschickt, das soll die
Aufhebung der Fremde sein. Das Zeitbedürfnis erwächst aus dem Fluch der
Sterblichkeit. Das Bequemlichkeitsbedürfnis ist eine Antwort auf "im
Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen und mit Mühe sollst du
Kinder gebären". Und das Anerkennungsbedürfnis ist eine Antwort auf die
Verstoßung vom Angesicht Gottes. Von dem Augenblick an kann der Mensch sich
seiner Angenommenheit nicht mehr sicher sein und nun wird sozusagen daraus das
Anerkennungsbedürfnis.
Wobei man sagen muss, dass diese vier Bedürfnisse dann fatal verkehrte und
entstellte Antworten auf die conditio humana sind. Also auf die Bedingung des
Menschseins, nämlich auf die Sterblichkeit, auf die Fremdheit in der Welt, auf
die Mühe und auf den unsichtbar gewordenen Gott. Insofern nämlich als die
Produktionsmaschinerie sagt: ‚Nimm's nicht so ernst mit dem Fluch. Wir
produzieren dir das was du brauchst, um das zu verschmerzen.' Aber der Fluch
wäre natürlich nicht Fluch wenn es so einfach wäre. Wenn nicht aus jeder
dieser produktiven Antworten heraus neue Zerstörung entstünde, und das kann
man dann wiederum nachweisen. Aus dem Schnelligkeits- und
Beschleunigungsbedürfnis entsteht eine unglaubliche Zerstörung und aus dem
Sicherheitsbedürfnis ist die Atombombe geworden und aus dem
Bequemlichkeitsbedürfnis die Verwüstung unserer Heimat und aus dem
Anerkennungsbedürfnis ist das Beneiden eines jeden geworden.
Also es sind wirklich zerstörerische Konsequenzen dabei rausgekommen. Aber
diesen Zusammenhang den finde ich für mich ungeheuer aufregend und sehr
nachdenkenswert. Marianne Gronemeyer in einem Radiokolleg, Dezember 2002
Es gibt eine Menge guter, ehrlicher Arbeit im Freien, aber in den ländlichen
Gegenden Frankreichs sitzt man auch oft genug in Straßencafés und unterhält
sich, und in Indien hockt man auf geflochtenen Bettgestellen und raucht
Wasserpfeife. Ich habe in Gemeinden gelebt, die in jeder Beziehung genau so
waren wie mittelalterliche bäuerliche Gemeinschaften, und ich war immer
erstaunt, wieviel Freizeit und Müßiggang es dort gab. Aber der moderne westliche
Mensch möchte gern glauben, dass das Leben in alten Zeiten die Hölle war - das
verschafft ihm ein gutes Gefühl und rechtfertigt in seiner Vorstellung seine
eigenen Übergriffe auf die übrige Natur. Alles ist gerechtfertigt, wenn es das
großartige Leben in Birmingham oder Pittsburgh ermöglicht; schließlich möchte
man doch nicht wieder zurück in einem Fünfzehn-Stunden-Arbeitstag an
dreihundertfünfundsechzig Tagen im Jahr, oder? (John Seymour, weitere
Textstellen unter Gesammeltes/Anstößiges/Seymour)
Die Arbeit kann auf drei Arten Quelle von persönlicher
Unausgeglichenheit sein: a) indem sie uns abhängig macht. b) indem sie uns
frustriert. c) durch Mobbing oder durch Belästigung durch Chefs oder Kollegen.
a) Die Arbeitssüchtigen (die Amerikaner nennen sie workaholics) sind jene
Personen die pausenlos arbeiten ohne die Regel acht Stunden für die Arbeit,
acht Stunden für die Freizeit und acht Stunden um zu schlafen zu
respektieren. ... Angetrieben durch den Konkurrenzdruck am Arbeitsmarkt und
zwischen Unternehmen, opfert der Arbeitssüchtige die Zeit, die er seiner
Familie, der Freizeit und freundschaftlichen Beziehungen widmen sollte, seiner
beruflichen Beschäftigung. Es handelt sich um Personen, die nicht von der Arbeit
abschalten, sich nicht davon trennen können, nicht einmal zuhause, aber im
Gegensatz zu anderen Pathologien wird diese von der Gesellschaft nicht als
schlecht angesehen, weswegen die Betroffenen für gewöhnlich ihr Problem nicht
erkennen und sind durch das Unverständnis schuld für ihr häufiges Scheitern in
Beziehungen. b) Die Arbeit kann Ursache für Stress sein wenn wir allein in ihr
unsere Selbstverwirklichung suchen. Beruflichen Erfolg mit ökonomischen,
sozialem und persönlichem Erfolg zu identifizieren ist sehr gefährlich. Eine
Person ist nicht ihre Arbeit und noch viel weniger die Position die sie besetzt,
auch nicht die Vergütung die sie durch sie erhält. Auch wenn es ein wichtiges
Umfeld ist, indem sich das Leben des Individuums entwickelt, ist es nicht und
soll es nicht das einzige noch das wichtigste sein. ... (Milagros Juárez in
seinem Büchlein über die Lebensqualität, La calidad de vida, S 81, aus dem
Spanischen mehr oder weniger frei übersetzt vom Oberdenker)
Zur guten Seite der Arbeitslosigkeit
oder Ja zur Arbeitslosigkeit!
Auszüge aus einem auch von Radio Österreich 1 in einer Sendung über
die "Zukunft der Arbeit" am 17.1.2006 ausführlich zitierten und gelobten
Artikel aus dem Wirtschaftsmagazin brand eins:
"... Automation und Fortschritt, Wissensarbeit und Kapitalismus vernichten
Arbeitsplätze. Und das ist gut so. ..." (brand eins 7/05, S. 50)
"... Jobs gibt es keine und auch nichts zu tun, was für irgendjemanden Sinn
ergeben könnte. ..." (brand eins 7/05, S. 50)
"... All das spielt, wie gesagt, nicht in einer Irrenanstalt, sondern in
Deutschland. ..." (brand eins 7/05, S. 51)
"... Was kostet es, haben zu wollen, was es nicht mehr gibt? In Eidelstedt
und anderswo ist der Preis klar: die Würde. ..." (brand eins 7/05, S.
51)
"... Die drei Jungenten sind gewiss nicht faul. Aber sie kennen den
Unterschied zwischen Arbeit und Tätigkeit, zwischen sturer Routine und
kreativem Problemlösen. ..." (brand eins 7/05, S. 51)
"... Zu keinem Zeitpunkt des Industriekapitalismus, der seit fast zwei
Jahrhunderten währt und der ohne Zweifel die meisten Beschäftigten aller
Zeiten generierte, gab es so etwas Ähnliches wie Vollbeschäftigung für mehr
als einige kurze, außergewöhnliche Jahre. Was die Arbeitswütigen meinen,
umschreibt den Zeitraum von Anfang der fünfziger bis Ende der sechziger Jahre
des vergangenen Jahrhunderts. Das ist die Zeit, die bis heute als
unverrückbares Ziel dieser Gesellschaft beschworen wird: das deutsche
Wirtschaftswunder. Es stützt sich allerdings auf 60 Millionen Tote, die
Opferzahl des Zweiten Weltkriegs. ..." (brand eins 7/05, S. 51)
"... In der Welt der Arbeit ist nichts, wie es scheint. Arbeit, genauer:
Erwerbsarbeit, galt den antiken Denkern als so ziemlich das Letzte. Man
unterschied, wie heute wieder, Arbeit und Tätigkeit. Das eine sicherte die
nackte Existenz und entsprang immer den Notwendigkeiten. Das andere hingegen
beschrieb, was Menschen gern und freiwillig tun, selbst dann, wenn es
besonderer Leistungen und Anstrengungen bedurfte. Bei den alten Germanen wurde
das Wort für Knecht und Arbeit schließlich eins: orbu. Das englische Wort
Labour hat seinen Ursprung im lateinischen labor. Labor heißt: Mühe. ..." (brand
eins 7/05, S. 52)
"... Im Mittelalter gab es wenigstens 50 strikt arbeitsfreie Tage im Jahr.
Anstrengenden Arbeitsphasen, etwa in der Erntezeit, folgten längere
Abschnitte, in denen nur wenig gearbeitet wurde. ..." (brand eins 7/05,
S. 52)
"... Das Ziel jeder Produktivitätssteigerung ist es, mehr Ergebnis mit
weniger Aufwand zu erzeugen, von den Physikern auch Arbeit genannt. Automation
ist die Folge intensiven Nachdenkens. Die logische Folge: Je mehr Kopfarbeiter
schuften, desto weniger bleibt für Handarbeiter übrig. Das liegt daran, dass
Kopf- oder Wissensarbeiter nahezu immer darüber nachdenken, welche Prozesse in
der Entwicklung oder Produktion verbessert werden können. ..." (brand eins
7/05, S. 53)
"... Während also, ganz nach Plan, die alte Plackerei durch Technik,
Fortschritt und Wissensarbeit beendet wird, haben all jene, die sich nicht
mehr plagen müssen, ständig ein schlechtes Gewissen. ..." (brand eins
7/05, S. 53)
"... Und die Konsequenz daraus, dass mit Arbeit künftig kein Staat mehr zu
machen ist, wird vom Establishment geleugnet. ..." (brand eins 7/05, S.
53)
"... Schlimm ist die aktuelle Lage nur, weil wir sie immer nur von einer
Seite sehen: Ohne Erwerbsarbeit ist der Mensch kein Mensch. Dabei ist das
Fiasko der Arbeitsgesellschaft nichts weiter als der Erfolg des Kapitalismus.
Seine Fähigkeit, mit immer weniger Leistung immer bessere Ergebnisse zu
erzielen, schafft Arbeitslosigkeit. Von Übel ist das nur, weil wir unsere
wirklichen Siege nicht wahrnehmen. ..." (brand eins 7/05, S. 54)
"... Die Kräfte, die sich am Vollerwerbsmodell festkrallen, rechnen mit
Wundern. Umverteilung der Arbeit soll das Schlimmste verhindern. Das ist schon
oberflächlich betrachtet grober Unfug. Selbst in längst vergangenen Zeiten,
als die meisten Menschen nur stupide, leicht einstudierbare Arbeit in Fabriken
leisteten, ließ sich das kaum realisieren. Wenn Arbeit aber vor allem geistige
Tätigkeit ist, also Wissensarbeit – wie sollte Umverteilung dann
funktionieren? Durch Gehirntransplantationen? ..." (brand eins 7/05, S.
54)
"... Bereits vor einem guten Jahrhundert war diese Entwicklung absehbar und
eine Lösungsidee auf dem Tisch. Im Jahr 1912 erschien ein Buch des
österreichischen Ingenieurs und Schriftstellers Joseph Popper-Lynkeus, der
unter den Intellektuellen aller Nationen für Furore sorgte. In mehr als 30
Sprachen übersetzt, formulierte Popper-Lynkeus darin seine Theorie von der
„Allgemeinen Nährpflicht“, die nichts anderes besagt, als dass Teile der durch
Automation erzielten Produktivitätsgewinne zu einer Grundsicherung aller
Staatsbürger führen müssten. Die Idee eines an keine Bedingungen geknüpften
Grundeinkommens, das mit minimalem bürokratischem Aufwand verteilt und zur
Vermeidung der elementarsten Existenzsorgen dienen sollte, faszinierte etwa
Albert Einstein, der im „Recht auf Arbeit“ nichts anderes erkennen konnte als
das „Recht auf Zuchthaus“. ..." (brand eins 7/05, S. 54)
"... Ökonomen und Sozialwissenschaftler plädieren seit Jahrzehnten dafür,
die vorhersehbaren Folgen der ausklingenden Arbeitsgesellschaft durch ein
Grundeinkommen für alle Bürger abzufedern. Der Unterschied zur Sozialhilfe und
ihre vielfältigen Erscheinungsformen ist einfach: Ein Grundeinkommen, auch
Bürgergeld genannt, wird ohne Prüfung, bedingungslos sozusagen, jedem
Staatsbürger zuerkannt. Es dient der Sicherung der Existenz. Es wird bezahlt
wie ein Gehalt und ersetzt in fast allen bekannten Modellen die Vielzahl
öffentlicher Almosen, die den Sozialstaat heute so heillos überfrachten. ..."
(brand eins 7/05, S. 55)
"... Langsam sei die Voraussetzung geschaffen, dass sich die Energie
verzehrenden Existenzängste und Nöte der Menschen in positive Bahnen lenken
lassen: „Die Arbeitslosigkeit ist das Resultat eines riesigen Erfolges – des
gelungenen Projektes, mit immer weniger Arbeit immer mehr zu produzieren. ...
Der Druck, der auf Jugendlichen lastet, ist der Feind jedes Wagnisses. Die
werden von allen Seiten angelabert, dass sie sich einen der wenigen noch
verfügbaren Vollerwerbs-Arbeitsplätze erkämpfen sollen. Deshalb riskieren sie
nichts. Sie haben Angst, unter die Räder zu kommen.“ ..." (brand eins
7/05, S. 56)
"... „Das kriegen die Leute kulturell nicht geregelt“, sagt er. Kein
Zweifel: Nolte hält das Gros der Bevölkerung für faul und willenlos. Die Masse
entwickle Engagement bestenfalls darin zu fordern – stets Neues und immer
mehr. Druck und Zwang, meint Nolte, blieben zuverlässige Gesellen beim Aufbau
eines neuen Wertekanons einer künftigen Erwerbsgesellschaft. Dazu gehört die
Bereitschaft, in den vorhandenen Rahmen zu denken und zu parieren: „Die Formel
8-8-8 hat sich historisch enorm bewährt.“ Paul Nolte redet nicht über
Kabbalistik oder esoterischen Zahlenzauber, sondern über die klassische
Zeiteinteilung der Industriegesellschaft, der ordentlichen Welt von gestern.
Acht Stunden Arbeit, acht Stunden Freizeit, acht Stunden pennen. Und dann
wieder von vorn. Für Nolte ist das „eine anthropologisch logische Sache“. ..."
(brand eins 7/05, S. 56)
"... Der Historiker steht mit dieser Meinung einer wachsenden Zahl von
Ökonomen gegenüber, die im Konsum nicht das Problem, sondern die Lösung der
Krise sehen. Genauer: in der höheren Besteuerung von Konsum aller Art. ..." (brand
eins 7/05, S. 57)
"... Peter Glotz, der in den achtziger Jahren zu den schärfsten Kritikern
eines bedingungslosen Grundeinkommens zählte, hat inzwischen Zweifel: „Ich
weiß wirklich nicht, wie man ein Grundeinkommen, das den Namen auch verdient,
finanzieren sollte. ..." Heute sieht er die Sache anders: „Kein Mensch würde
nur auf die Grundsicherung vertrauen. Die würden schon weiterhin was tun.“
Doch ein Problem sei geblieben: „Keine Partei findet das gut. Denn an der
Arbeit hängt auch die Macht der Parteien und Organisationen.“ Das Gerede von
der Arbeit als einzigem Sinnstifter unserer Existenz ist ein
„Herrschaftsinstrument“, wie Ralf Dahrendorf schon vor mehr als zwei
Jahrzehnten erkannte: Nicht um die Arbeit gehe es den Machthabern, sondern um
sich selbst, um die Möglichkeit, den Reichtum der Bürger so zu verteilen, wie
es ihnen passt. Deshalb sind die Mächtigen um die Arbeit besorgt, sagt
Dahrendorf: „Wenn sie ausgeht, verlieren die Herren der Arbeitsgesellschaft
das Fundament ihrer Macht.“ ..." (brand eins 7/05, S. 57)
"... „Wenn wir so weitermachen, treiben wir das untere Drittel der
Gesellschaft in Kriminalität und Chaos. Das wird vor allem auch für die
ungemütlich, die etwas besitzen. Wollen wir die Leute, die in zehn, zwanzig
Jahren bei Siemens arbeiten, mit Polizeischutz zur Arbeit bringen, damit sie
nicht ausgeraubt werden?“ Es gehe vor allem auch um die Rechte der anderen.
Das wichtigste Argument für ein Grundeinkommen ist nicht moralischer Natur –
es ist schierer Egoismus, der Wille derer, die vorankommen wollen. Deshalb
sprechen sich heute vor allem Marktbefürworter für ein Grundeinkommen aus: Es
passt zum Kapitalismus. Es ist gut für den Markt. ..." (brand eins
7/05, S. 58)
"... „Vieles in der Debatte um ein Grundeinkommen ist einfach zu
moralisierend. Natürlich hat niemand ein Recht darauf – woher sollte das auch
kommen? Es geht mir um andere Fragen: Was nützt ein Grundeinkommen denen, die
noch in der Erwerbstätigkeit sind, und was nützt es Unternehmen?“ Die nahe
liegendste Antwort ist: eine weit billigere Sozialbürokratie als heute, bei
der die Kosten für die Verwaltung zuweilen die der ausgezahlten Mittel
übertreffen. Darüber hinaus könnte ein Grundeinkommen dafür sorgen, dass aus
Mc-Jobs und Gelegenheitsarbeiten ganz normale, durchaus sozialverträgliche
Tätigkeiten werden können. ..." (brand eins 7/05, S. 58)
"... Unser ökonomisches System ist ausgezeichnet für eine effiziente
Produktion geeignet, für das Schaffen technischen Fortschritts, der allen
nützt. Das Verteilungsproblem aber kann es weniger gut lösen. Der Markt und
das Soziale gehören zusammen, als sich ergänzende Systeme, die man nicht
vermischen sollte.“ Ein System entlastet ein anderes, von dem es letztlich
lebt: „Die, die leistungsfähig sind, können sich voll und ganz auf ihre
Leistung konzentrieren. Die Grundeinkommens- Bezieher wiederum müssen nicht
einer Vielzahl an Unterstützungen hinterherlaufen, sondern können sich, wenn
sie wollen, auf einen Arbeitsmarkt begeben, der diesen Namen verdient.“ Mehr
Effizienz hilft aber vor allem, das Überleben jenes Faktors zu sichern, der im
Sozialen eine so große Rolle spielt: der Moral. ..." (brand eins 7/05,
S. 58)
"... Bleibt die Frage, was das kostet. Selbst wenn man nur das heute
gesetzlich festgelegte Existenzminimum – 7664 Euro pro Jahr und Kopf – als
Mindesteinkommen garantierte, machte das für 82 Millionen Bundesbürger die
gewaltige Summe von 620 Milliarden Euro aus: rund 200 Milliarden mehr, als der
Staat an Steuereinnahmen zusammenkratzt. Auf den ersten Blick scheint das
vollkommen unfinanzierbar. Doch die gesamten Sozialausgaben der Bundesrepublik
betragen bereits heute jährlich mehr als 720 Milliarden Euro. Zieht man davon
die Aufwendungen für die Krankenversicherung ab, verbleiben 580 Milliarden
Euro für Leistungen, die ein Grundeinkommen langfristig ersetzen könnte. ..."
(brand eins 7/05, S. 59)
"... Wie verrückt dieses Dogma ist, wussten nicht nur Tick, Trick und
Track. Schon in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts schrieb ein gewisser
Paul Lafargue, der Schwiegersohn von Karl Marx, ein kleines, kluges Buch über
„Das Recht auf Faulheit“. ..." (brand eins 7/05, S. 59)
"... Der britische Mathematiker Bertrand Russell greift, fast 70 Jahre nach
Lafargues Tod, in seinem Essay „Lob des Müßiggangs“ die Gedanken des
Marx-Schwiegersohns auf. ..." (brand eins 7/05, S. 59)
Quelle: Lotter, Wolf (2005),
"Der Lohn der Angst", in:
brand eins,
7
(Titel: "Nie wieder Vollbeschäftigung!", Schwerpunkt: Arbeit), S. 50-59.
(Auch angebracht beim Thema Kapitalismus)