Die Geschichte mit dem Hammer

(Ein Gleichnis gegen Voreingenommenheit, Anm. ob)

Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann hinüberzugehen und ihn auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Aber vielleicht war die Eile nur vorgeschützt, und er hat etwas gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts angetan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht's mir wirklich. Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch noch bevor er "Guten Tag" sagen kann, schreit ihn unser Mann an: "Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!". (In: Anleitung zum Unglücklichsein von Paul Watzlawick)

 

Zum Begriff der Kognitiven Dissonanz

Passend zum Thema Voreingenommenheit ist es eigentlich erst ab den Heuristiken: =~ Methoden, die den Menschen helfen, kognitive Dissonanzen zu vermeiden. Die allgemeinen Erklärungen dienen dem Verständnis und vielleicht dem Interesse. (ob)

Kognitive Dissonanz ist ein psychischer Spannungszustand der auftritt, wenn einer Person gleichzeitig mindestens zwei Informationen bewusst werden, die psychologisch inkonsistent sind. (Wenn man sich z.B. für eine Wohnung entscheidet und einem nach dem Einzug auch deren Nachteile bewusst werden --> das verunsichert, verstört: habe ich mich richtig entschieden? Habe ich das richtige getan?, Anm.)

Wie wird mit kognitiven Dissonanzen umgegangen?

Wir versuchen,
1. Zahl und Bedeutung der Dissonanzen zu reduzieren (z.B. durch Umbewerten [Dinge, die vorher als sehr negativ gesehen wurden werden weniger negativ gedeutet oder sogar als positiv umbewertet, Anm. ob]),
2. neue (konsonante) Elemente hinzuzufügen (z.B. durch Beiziehung von Experten),
3. dissonante Elemente zu eliminieren (z.B. durch Vergessen, Verdrängen) oder
4. wir ändern unsere Entscheidung.

Arten von Heuristiken (mittels welcher versucht wird, Kognitive Dissonanzen zu vermeiden):

Verankerung: Jeder neu auftretende Stimulus wird in einer Weise interpretiert, die es erlaubt, wie bisher zu denken und zu handeln. --> Auswahl der subjektiv wahrscheinlichsten Interpretation (des Stimulus; durch Interpretation eines Stimulus, z.B. einer Nachricht, wird dieser zu Information; z.B. wenn einer keine Schuhe trägt: braucht er keine oder er ist potentieller Kunde; Anm. ob)

Verfügbarkeit: Eine Person erachtet mögliche Ereignisse und Ergebnisse als wahrscheinlicher (erscheint als wahr!, Anm.), die ihr schneller bewusst werden und die sie sich lebhaft vorstellen kann. --> Ignorieren von Alternativen.

Repräsentativität: Bestehende kognitive Strukturen und damit verbundene Emotionen veranlassen eine Person zur Auswahl von Stimuli, die als repräsentativ für eine Situation angesehen werden, mit der die Person früher schon mehrere Male konfrontiert war. --> Auswahl von Optionen, die am besten zu bestehenden Vorurteilen passen.

(Frei nach den Vorlesungsunterlagen von Prof. Mühlbacher)

Zum Abschluss noch ein positiver Anstoß:

Da Kreative auch das kombinieren können, was für einfacher strukturierte Gemüter extrem widersprüchlich erscheint, lassen sie sich von Gegenmeinungen und widersprechenden Urteilen nicht irritieren: Sie sind es gewohnt, versuchsweise immer auch das Gegenteil ihrer eigenen Meinung zu durchdenken und finden auch da Akzeptables. Sie denken häufig in entgegengesetzten Richtungen und können das Endurteil offenlassen.
Kreative werden von Ambivalenz, Widersprüchen und Komplexität nicht eingeschüchtert, sondern stimuliert. Sie sind das Gegenteil von Fanatikern, die bei zuviel Komplexität in Panik geraten und deshalb zur gewalttätigen Vereinfachung neigen, oder, wie Lichtenberg sagt, zu allem fähig sind, aber sonst zu nichts. [...] Wie Gott eine Welt schafft, schafft der Künstler seine Welt. Beide sind Väter und Autoren ihrer Schöpfung. Wer sich aber selbst erschafft, ist gebildet.
(Dietrich Schwanitz in Bildung - Alles, was man wissen muss, S 608 in dieser Version...)

Siehe: Gesammeltes/Kreativität

 

Zitate zum Thema Kognitive Dissonanz

Das erinnert an einen der Revolutionäre in Dostojewskis Roman 'Die Dämonen', über den er schrieb: "Er zog es vor, alles zu riskieren, nur um nicht in Ungewissheit zu bleiben". Unsicherheit ruft Angst hervor, und die macht uns sehr zum Risiko bereit. Negri romantisierte und sexualisierte das Risiko, um die Angst zu verbergen. Er maskierte die Angst und förderte damit den Mythos von der männlichen Stärke, die solche Gefühle nicht zulässt. (S 126 in Der Wahnsinn der Normalität)

Der totalitäre Geist ist besessen von der Notwendigkeit, in einer einfachen, klaren Welt zu leben. Alles Subtile, jeder Widerspruch, jede Komplexität erschreckt und verwirrt ihn und wird ihm unerträglich. Er versucht also, das Unerträgliche zu überwinden durch das einzige Mittel, das er in der Hand hat: die Gewalt. (Jacobo Timerman in 'Wir brüllten nach innen' laut Arno Gruen in 'Der Wahnsinn der Normalität', S 136 in Der Wahnsinn der Normalität)

 

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