Zu den Studentenprotesten in Frankreich
In Einklang mit dem Essayisten und Wahlfranzosen Philipp Blom finde ich auch, dass es ein gutes Zeichen ist, wenn junge Menschen (v.a. angesichts eines großen Staates, meine ich) demonstrieren (sich auch politisch für ihr Wohl engagieren). Doch seine Meinung, dass es uns künftig allen schlechter gehen wird, teile ich nicht. Denn ich glaube nicht an eine Negativ-Entwicklung und kann mir nicht vorstellen, dass die Situation zu meiner Lebzeit einmal so schlecht sein wird, als dass ich mir wünschen werde, zur "Zeit meiner Eltern" (oder gar Großeltern) gelebt zu haben. Zwar hat es in der Geschichte schlimme, (zumindest kurzfristig) rückentwickelnde Ereignisse gegeben (Kriege, Untergänge von Nationen, etc.), doch Glaube ich diesbezüglich an die Lernfähigkeit des Menschen. Und in diesem Zusammenhang glaube ich auch nicht, dass es ein Reichtumsverlust sein muss, wenn wir womöglich mit weniger individuellen finanziellen Mitteln auskommen müssen. Denn schließlich ist bspw. große internationale Ungleichheit (in einem finanziellen Sinn) auch ein Problem, weshalb man sich bspw. auch bewusst sein muss, was man tut, wenn man die "Billiglohnkonkurrenz" nur als Bedrohung sieht. (Zu Blom´s Aussagen siehe die Tageszeitung Der Standard vom 25./26. März, S. 43; die Studentenproteste im März 2006 in Frankreich richteten sich übrigens gegen ein Gesetz, das den Kündigungsschutz von jungen Menschen auflockert; diesbezüglich kann noch - wie teils auch von Blom - auf die gute Seite davon aufmerksam gemacht werden: so kann die Verpflichtung der Unternehmer durch den Kündigungsschutz dazu führen, dass sie lieber gar niemanden einstellen - das ist auch der Hauptgrund des Gesetzes; außerdem ist ein wenig "Flexibilitätstraining" bzw. "Nötigung" - bzw. Chance! - zu unterschiedlichen Arbeitserfahrungen für junge Menschen vielleicht nicht von Nachteil ...)
Meiner Ansicht nach ist es recht eigenartig, jungen Menschen, die sich in tragischen Verhältnissen befinden und extrem verunsichert sind, helfen zu wollen, indem man sie noch mehr verunsichert und ihre Lage noch mehr verschlechtert.
Das versteht wahrscheinlich nur ein Ökonome....
Lieber Cuchillo! Ein diesbezüglich (einseitig negativer) Kommentar von Ihnen musste ja kommen: ich darf sie aber daran erinnern, sich zu meiner Verteidigung an meine Plädoyers für ein Grundeinkommen zu erinnern. Außerdem habe ich mich nicht selten gegen Angst als Antriebsfaktor ausgesprochen. Und zugunsten Ihrer Objektivität erlaube ich mir, sie aufzufordern, auch die positiven Seiten jedweder Maßnahme in deren Bewertung miteinzubeziehen! Mir scheint also, dass durchaus einiges an "Deregulierungspotential" besteht, allerdings bin ich immer auch dafür, dafür (möglicherweise bessere, aber nicht weniger "soziale") Gegenmaßnahmen (wie eben z.B. ein Grundeinkommen) zu treffen. Mit anstößigen Grüßen, Oberdenker
Sehr geehrter Herr Mag.Oberdenker,
natürlich haben sie wie immer recht und ich bitte meine naiven Ansichten mit meiner, verglichen mit Ihnen, geringen akademischen Bildung zu entschuldigen.
Man sollte wirklich auch die positive Seite aller Dinge sehen.
Hungersnöte helfen gegen Bevölkerungswachstum, Krieg schafft Arbeitsplätze im Rüstungssektor, Krebs hilft einem das Leben bewußter wahrzunehmen, Auswahlverfahren heben das Bildungsniveau, in Diktaturen entstehen schöne Bauwerke, schwarze Drogendealer bringen Strache Stimmen bei der Wahl, AIDS macht Menschen keusch und wenn die Akademiker nicht von ihren Elfenbeintürmen herunterkommen, dann leben sie noch heute da oben.
Übrigens haben sie recht: Deregulierung ist auch ein viel schöneres Wort, als Aufhebung des Kündigungsschutzes.
In diesem Sinne:
DER GESELLSCHAFTSVERTRAG IST TOT,
LANG LEBE DIE DEREGULIERUNG!!
...dennoch finde ich, dass man selbst bei Ihren extremen Vergleichen noch jeweils eine positive Seite finden könnten. Ich habe allerdings bereits dazugesagt gehabt, dass natürlich abhängig von der Person die negative Seite überwiegen kann - was in genannten Fällen für die Meisten meist klar der Fall sein wird. Wenn Sie mit Ihrer Anspielung darauf hinauswollen, dass ein Eingehen auf die positive Seite der Lockerung des Kündigungsschutzes überflüssig ist, weil diese ebenfalls für die Meisten verschwindend gering ist, so kann das sein. Ich finde auch, dass die Meisten oft ein guter Maßstab sind, nur selbst wenn die Meisten in diesem Fall Ihrer Meinung sind, so ist für mich das Überwiegen der negativen Seite eben dennoch nicht so klar (was ich mit meinem ebenfalls vielleicht anfangs etwas einseitig erscheinendem Beitrag ausdrücken wollte).